Wien (OTS) – Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet
Familiensprecherin
Ursula Berner die angekündigte “Orientierungshilfe” der Stadt Wien
für jugendliche Straftäter. „Die Orientierungshilfe ist ein gutes
Einzelprojekt, aber es braucht umfassende Reformen. Auch ist es
schade, dass das Projekt nur für 1 Jahr finanziert wurde. Das ist zu
kurz, um positive Auswirkungen wirklich abschätzen zu können“, so
Berner. „Was wir brauchen, ist ein grundlegender Neustart. Wir weisen
seit langem auf die dramatischen Zustände in der MA 11 hin und haben
konkrete Lösungen erarbeitet, und zwar in Form unseres 6-Punkte-
Plans, der auch sofort umsetzbar ist.“
Allein in den Jahren 2022 bis 2024 ist die Zahl der
Gefährdungsabklärungen von 11.995 auf 13.181 gestiegen, das sind um
10 Prozent mehr – ein Signal für wachsende Belastungssituationen in
Familien. Die Gründe dafür waren zum größten Teil Vernachlässigung,
psychische und physische Gewalt. „Diese Zahlen zeigen, dass sich
Problemlagen in Familien verschärfen – psychische Belastung, Armut,
Gewalt. Aber sie zeigen auch, dass die Stadtregierung nicht Schritt
hält, dass Warnungen aus Schulen, Kindergärten und Sozialarbeit viel
zu oft im bürokratischen System der MA 11 steckenbleiben.
Pflegefamilien fehlen, Plätze in Krisenzentren sind knapp und
Fachkräfte arbeiten am Limit. Die rot-pinke Regierung muss dringend
dem Kinderschutz höhere Priorität einräumen. Es geht um das Wohl und
die Sicherheit der verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft“,
so Berner.
Kürzungen auf Bundes- und Landesebene verschärfen die Krise
Berner warnt vor den dramatischen Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf
Bundes- und Landesebene: „Die Aussetzung der Inflationsanpassung bei
vielen Sozial- und Familienleistungen durch die Bundesregierung ist
ein sozialpolitischer Rückschritt. Besonders betroffen sind Frauen
und Kinder. Wer bei der sozialen Infrastruktur kürzt, riskiert den
Abbau lebenswichtiger Angebote, Personalnot und einen weiteren
Vertrauensverlust bei den Betroffenen. Die Stadtregierung muss
handeln. Wien braucht eine Kinder- und Jugendhilfe, die gerecht,
inklusiv und wirksam ist. Und sie braucht den Mut, endlich echte
Reformen umzusetzen“, so Berner.
6-Punkte-Plan der Grünen Wien für einen wirksamen Kinderschutz:
– Personalausbau in der MA 11: Die Sozialarbeiter:innen brauchen
Entlastung, Supervision und faire Arbeitsbedingungen. Nur so kann
professioneller Kinderschutz funktionieren.
– Weitere Krisenzentren – besonders für Kinder unter 6 Jahren: Es
braucht eigene Einrichtungen für Kleinkinder, um deren besondere
Bedürfnisse zu berücksichtigen.
– Pflegefamilien gewinnen – nicht nur mit Kampagnen, sondern mit
echter Unterstützung: Faire Entlohnung, gute Begleitung.
– Transparenz im Kinderschutzsystem: Bis heute gibt es keine
vollständige Erfassung darüber, wie viele Kinder nach
Fremdunterbringung wieder sicher in ihre Familien zurückkehren
konnten. Auch können Betroffene sehr oft nicht an ihre Fallakten
herankommen. Hier braucht es strukturierte Abläufe und Vorgaben statt
Einzelentscheidungen.
– Unabhängige Kinderschutzkontrolle: Wir fordern eine externe
Aufsicht – analog zur Volksanwaltschaft – um strukturelle Fehler
aufzudecken und zu verhindern.
– Schwerpunkt Prävention von (sexualisierter) Gewalt : Wien braucht
mehr spezialisierte Einrichtungen, Schutzkonzepte und
Bildungsangebote zu sexualisierter Gewalt – in Schulen, Heimen und
Sportvereinen.
„Kinderschutz darf kein Lippenbekenntnis bleiben. In Zeiten
steigender Teuerung und wachsender sozialer Ungleichheit sind
Kürzungen im Sozialbereich doppelt verantwortungslos – besonders wenn
sie Frauen und Kinder treffen. Wir fordern eine ausreichende
Finanzierung des Wiener Sozialwesens und gezielte Investitionen in
Schutz, Chancen und Perspektiven für die Jüngsten in unserer Stadt.
Denn jedes Kind in Wien hat das Recht auf Sicherheit, Unterstützung
und ein gutes Leben.“