Wien (OTS) – „Wenn der Gratis-Impfstoff gegen Gürtelrose binnen
weniger Tage
vergriffen ist, dann ist das kein Problem des Programms, sondern der
beste Beweis für seinen Erfolg. Die Menschen in Österreich wollen
sich schützen, und das Öffentliche Impfprogramm macht es ihnen
leichter“, reagiert Ralph Schallmeiner, Gesundheitssprecher der
Grünen, auf den heute veröffentlichten Bericht des Rechnungshofs zum
Öffentlichen Impfprogramm (ÖIP). Seit der Saison 2023/24 ist die
Grippeimpfung kostenlos, seit Oktober 2025 auch die Impfungen gegen
Gürtelrose und Pneumokokken für Menschen ab 60 und Risikopersonen.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wie oft Impfstoffe vorübergehend
ausgehen und Impfwillige sich für längere Zeit gedulden müssen. „Wer
Prävention ernst nimmt, darf beim Impfstoff nicht knausern. Jede
verhinderte Erkrankung entlastet Spitäler, Ordinationen und vor allem
die Betroffenen selbst“, betont Schallmeiner.
Scharfe Kritik übt der Gesundheitssprecher der Grünen an der
Datenlage. In den Saisonen 2023/24 und 2024/25 war rund ein Drittel
der verimpfbaren Dosen nicht im e-Impfpass eingetragen. Wie viele
Impfungen tatsächlich verabreicht wurden, weiß bis heute niemand.
„Wer impft, trägt ein. Das sei an dieser Stelle der Ärztekammer
einmal mehr in Erinnerung gerufen. Es ist absurd, dass wir ein
öffentlich finanziertes Programm nicht bewerten können, weil sich ein
Teil der Ärzteschaft jahrelang um die Dokumentation gedrückt hat.
Gut, dass die Ausnahmen mit der Novelle im Sommer gefallen sind,
jetzt muss aber die Eintragungspflicht auch kontrolliert werden“, so
Schallmeiner. Auch die medial ausgetragenen Konflikte zwischen
Ärztekammern und Gesundheitsministerium haben laut Rechnungshof dem
Ruf des Programms geschadet. „Standespolitische Spielchen auf dem
Rücken eines Impfprogramms, von dem vor allem ältere und chronisch
kranke Menschen profitieren, haben keinen Platz.“
Schallmeiner fordert die Bundesregierung und die Partner im
Finanzausgleich auf, das ÖIP auf eine solide Basis zu stellen: „Das
unter grüner Verantwortung eingeführte und hart errungene
Impfprogramm für alle ist ein Erfolg. Jetzt sollte es ausgebaut und
breiter aufgestellt werden. Dafür braucht es eine Budgetplanung, die
der Nachfrage gerecht wird, verlässliche Daten aus dem e-Impfpass und
eine transparente Kommunikation über Mengen und Liefertermine. Eine
Priorisierung der Risikogruppen bei Lieferengpässen ist vernünftig.
Sie darf aber keine Ausrede sein, das Programm kleinzusparen.“
Die Grünen wollen außerdem weitere Impfungen dauerhaft im ÖIP
absichern. „Die Bundesregierung hat die kostenlose HPV-Nachholimpfung
für die 21- bis 30-Jährigen auslaufen lassen, obwohl wir dort noch
immer riesige Impflücken haben. Das gehört korrigiert: Die HPV-
Impfung muss für diese Altersgruppe so lange im Programm bleiben, bis
eine Durchimpfungsrate von mindestens 90 Prozent erreicht ist. Dazu
braucht es kostenlose Titerbestimmungen und, wo der Impfschutz fehlt,
kostenlose Auffrischungsimpfungen über das ÖIP. Ein Impfprogramm, das
dafür sorgt, dass deutlich weniger Menschen krank werden, ist eine
der wirksamsten Maßnahmen, um unser Gesundheitssystem zu entlasten“,
so Schallmeiner abschließend.