Wien (OTS) – Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt: Nur
wenige Wochen nach
einem ersten Skandal-Test verkauft SHEIN erneut dieselben oder nahezu
identischen Produkte mit gefährlichen und teils verbotenen
Chemikalien. Ein Nachtest zeigt: 81 Prozent der wieder bestellten
Artikel brechen erneut EU-Grenzwerte. Überschreitungen gab es vor
allem bei PFAS, Phthalaten und den Schwermetallen Cadmium und Blei,
Besonders betroffen sind auch Jacken mit PFAS, sogenannten
„Ewigkeitsgiften“ – eine davon sogar mehr als 3.000-fach über dem
Grenzwert. Da SHEIN als Marktplatz organisiert ist, gelten
Konsument:innen rechtlich oft als Importeur:innen und sind so selbst
für die Einhaltung der EU-Regeln verantwortlich und machen sich
schlimmstenfalls strafbar. Greenpeace fordert die Bundesregierung
auf, Konzerne wie SHEIN stärker in die Verantwortung zu nehmen und
PFAS zu verbieten.
Madeleine Drescher, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich:
„SHEIN hat einzelne verbotene Produkte aus ihrem Shop entfernt, aber
kurz darauf landen sie wieder im digitalen Warenkorb. Das ist kein
Versehen, das hat System. Während der Konzern am schnellen Klick
verdient, tragen Konsumentinnen und Konsumenten das Risiko. Die
gefundenen Ewigkeitsgifte belasten unsere Gesundheit und die Umwelt.
Diesen Praktiken von SHEIN muss ein Riegel vorgeschoben und PFAS
endlich verboten werden.”
Greenpeace bestellte im Dezember 2025 insgesamt 31 Produkte nach, die
bereits im Herbst wegen Grenzwertüberschreitungen beanstandet worden
waren. SHEIN hatte zugesagt, die betroffenen Artikel zu entfernen.
Wenige Wochen später waren dennoch identische oder nahezu identische
Produkte wieder online – teils sogar beim selben Händler. Besonders
alarmierend sind die Laborergebnisse von PFAS: Von elf getesteten
Jacken überschreiten neun erneut die EU-Grenzwerte, eine Damenjacke
sogar 3.115-fach. PFAS werden Ewigkeitsgifte genannt, weil sie sich
kaum abbauen. Sie reichern sich in Umwelt und Körper an, können das
Immunsystem schwächen und stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen.
In der EU sind einige PFAS bereits verboten oder stark eingeschränkt.
Darunter auch einige, die beim Greenpeace-Test erneut in SHEIN-Jacken
gefunden wurden.
Das Problem liegt im Geschäftsmodell: SHEIN tritt als Marktplatz auf,
auf dem hunderte Händler verkaufen, während viele Konsument:innen
glauben, direkt beim Unternehmen einzukaufen. Tatsächlich wird die
Ware meist direkt von Herstellern aus Drittstaaten verschickt. Damit
gelten die Käufer:innen rechtlich als Importeur:innen und tragen die
Verantwortung dafür, dass die Produkte den EU-Vorschriften
entsprechen. Im schlimmsten Fall importieren sie selbst illegale
Ware. Während europäische Unternehmen belastete Produkte zurückrufen
müssen, wälzt die Plattform die Haftung und das damit verbundene
Risiko auf ihre Kund:innen ab.
Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, sich in der EU für ein
rasches PFAS-Verbot in Textilien einzusetzen und Online-Plattformen
rechtlich in die Pflicht zu nehmen. Wenn identische, bereits
beanstandete Produkte wieder auftauchen, liegt kein Einzelfall vor.
Es ist ein strukturelles Problem. „Solange Plattformen wie SHEIN und
Co. sich der Verantwortung entziehen, bleibt jede Bestellung ein
Risiko für unsere Gesundheit und unsere Umwelt. Wir dürfen nicht
zulassen, dass verbotene Gifte weiterhin in unseren Kleiderschränken
landen“, s agt Drescher.
Das Factsheet und weitere Informationen zum Test und PFAS finden Sie
unter: https://act.gp/SHEIN-Retest
Grafiken und Bildmaterial finden Sie unter: https://act.gp/4tRrav7
Unter Verwendung der angegebenen Credits stehen die Fotos und
Grafiken kostenfrei zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.