Schönheit

Greenpeace-Report zeigt: Ikea zerstört europäische Schutzgebiete für Wegwerfmöbel – BILD

Bukarest/Wien (OTS) – Ein heute veröffentlichter Greenpeace-Report
zeigt, dass der
internationale Möbelriese Ikea trotz Nachhaltigkeitsversprechen
wertvolle Naturwälder in einem rumänischen Natura-2000-Schutzgebiet
abgeholzt und für Billigmöbel verarbeitet hat. Auch in Österreich
sind Ikea-Produkte erhältlich, deren Holz höchstwahrscheinlich aus
geschützten Wäldern in Europa stammt – beispielsweise das
Fichtenholzbett “Neiden”. In Hinblick auf die anstehende UN-
Biodiversitätskonferenz in Armenien, bei der die Verantwortung und
Transparenz von Unternehmenslieferketten ein wichtiger Baustein ist,
fordert Greenpeace von Konzernen wie Ikea Taten statt Greenwashing.

Ursula Bittner, Greenpeace-Biodiversitätsexpertin: “Europas alte
Wälder beherbergen unzählige Arten. Hier streifen Luchse, Rothirsche
und Braunbären durch fast unberührte Baumlandschaften, viele der
Bäume sind hunderte Jahre alt. Auch um unser Klima zu regulieren und
Wasser zu speichern, sind Wälder entscheidend. Ikea schmückt sich mit
großen Nachhaltigkeitsversprechen – gleichzeitig zeigen Greenpeace-
Recherchen erneut, dass Ikea-Zulieferer Schutzregelungen missachten
und wertvolle Wälder zerstören.”

Am Papier setzt Ikea ambitionierte Ziele, doch dem Konzern fehlt es
an konkreten, messbaren Artenschutzzielen. Ikea bezieht nach wie vor
Holz aus schützenswerten Wäldern – statistisch gesehen wird für den
Möbelgiganten alle zwei Sekunden ein Baum gefällt. Über 25 Jahre hat
Greenpeace Baumverlust (“Tree cover loss”) in Polen, Schweden,
Deutschland, Rumänien und Finnland analysiert. Diese Länder liefern
fast die Hälfte des von Ikea verwendeten Frischholzes. Der
alarmierende Baumverlust in diesen Ländern zeigt, dass etwa Natura
2000-Schutzgebiete nicht vor Entwaldung schützen. Deshalb brauchen
wir streng geschützte Gebiete ohne industriellen Holzeinschlag.

Fallstudie Rumänien: Kahlschlag in der Natura 2000-Schutzzone

Die im Report dokumentierte Fallstudie zeichnet ein verheerendes
Bild: Im Forstbezirk Rusca Montană (Parzelle 37), der innerhalb eines
geschützten Natura 2000-Gebiets in den rumänischen Karpaten liegt,
kam es zu massiven Einschlägen. In einem Gebiet von 15 Hektar wurden
sämtliche Bäume gerodet, das ökologisch notwendige Totholz wurde
entfernt. Das geschlagene Holz gelangte nachweislich in die
Lieferkette von Ikea-Zulieferern.

Im Rahmen der Artenschutzkonferenz haben sich 196 Staaten darauf
geeinigt, 30 Prozent der Land- und Meeresflächen effektiv zu schützen
– die EU sogar ein Drittel davon streng. Das betreffende Gebiet hätte
ursprünglich im Rahmen dessen unter strengen Schutz gestellt werden
müssen. Nachdem es gerodet wurde, ist es nun von der Schutzliste
gestrichen.

Zertifikate wie FSC versagen

Ikea stützt seine Nachhaltigkeitsversprechen nach wie vor primär auf
FSC-Zertifikate. Doch auch wenn sich Konzerne unter der neuen EU-
Empowering-Consumers-Richtlinie hinter solchen Zertifikatssystemen
verstecken können, zeigt die Realität: Siegel garantieren keinen
echten Waldschutz. Das Regelwerk ist lückenhaft und erlaubt
Ausnahmen, durch die Holz aus wertvollen Urwäldern und Schutzgebieten
bezogen werden darf. Statt den tatsächlichen ökologischen Zustand
ganzheitlich zu messen, stützen sich Zertifikate und Ikea-Kontrollen
oft auf reine Nutzungskriterien und oberflächliche Kennzahlen wie
Baumzählungen.

“Die Politik setzt Artenschutzziele im Schneckentempo um.
Währenddessen holzen Unternehmen munter weiter Waldflächen ab, die
eigentlich als zukünftige Schutzgebiete vorgesehen sind. Doch gerade
Marktführer wie Ikea müssen endlich Verantwortung für die gesamte
Lieferkette übernehmen“, sagt Bittner.

Die bevorstehende UN-Artenschutzkonferenz macht unmissverständlich
klar: Wenn Staaten und Großkonzerne jetzt nicht handeln, verfehlen
wir die globalen Biodiversitätsziele und zerstören unsere
Lebensgrundlage. Greenpeace fordert, dass Ikea kein Holz aus
schützenswerten Gebieten kauft. Der Konzern darf sich nicht hinter
Gütezeichen wie dem FSC verstecken, die nachweislich versagen und den
Einschlag in Schutzwäldern nicht verhindern. Im Sinne ihrer
Lieferkettenverantwortung muss Ikea über Baumzählen hinausgehen, und
den tatsächlichen Zustand des Waldes bewerten, bevor geholzt wird.
Außerdem muss der Konzern seine Marktmacht nutzen, um sich für den
strengen rechtlichen Schutz von mindestens zehn Prozent der EU-
Landfläche einzusetzen.

Link zum Report (auf Englisch) und Fotomaterial: https://bit.ly/Ikea-
Report
Unter Verwendung der Credits (im Dateinamen) stehen die Fotos
kostenfrei zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.

Inhalte auf einen Blick

Thema/Anlass: Neuer Greenpeace-Report zu Rodungen wertvoller
Naturwälder für Ikea-Möbel (sowie die bevorstehende UN-
Biodiversitätskonferenz in Armenien).

Datenbasis/Ergebnis:

– Für IKEA wird statistisch alle zwei Sekunden ein Baum gefällt.

– Mehr als die Hälfte des Frischholzes für Ikea stammt aus Polen (29
Prozent), Schweden (acht Prozent), Deutschland (sechs Prozent),
Rumänien (drei Prozent) und Finnland (zwei Prozent).

– Das betroffene Schutzgebiet in den Karpaten wurde vor der Abholzung
von der Liste der streng geschützten Gebiete gestrichen; die Folge
war ein kompletter Kahlschlag

– FSC-Zertifikate weisen erhebliche Schlupflöcher auf

Hauptforderung: Konzernverantwortung bei Biodiversitätsschutz,
Ikea: Sofortiger Lieferstopp für Holz aus schützenswerten Gebieten

Adressat: Ikea (sowie Konsumgüterkonzerne mit globalen Lieferketten).

Quelle/Material: Greenpeace