Greenpeace-Report: Altkleiderspenden reisen tausende Kilometer und werden kaum wiederverwendet

Wien (OTS) – Greenpeace hat 20 gespendete Altkleider über neun Monate
via GPS-
Tracker verfolgt. Die Untersuchung zeigt: Die Kleiderspenden reisten
zusammen knapp 81.000 Kilometer, damit zwei Mal um die Erde und
verteilten sich über drei Kontinente in neun Ländern. Viele Stücke
landeten in Ländern ohne funktionierende Abfallsysteme. Dort
verblieben sie in Lagern oder wurden zerstört. Nur drei
Kleidungsstücke könnten tatsächlich von Privatpersonen weiter genutzt
worden sein. Greenpeace fordert ein Exportverbot für Altkleider in
Drittstaaten und eine verpflichtende Herstellerabgabe. Außerdem
fordert die Umweltschutzorganisation ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz,
das die Überproduktion eindämmt.

Stefan Stadler, Sprecher des Greenpeace-Investigativ-Teams: „Wer
die eigene Jacke spendet, will nicht, dass sie tausende Kilometer
weit reist und am Ende auf einem Müllberg in Kamerun oder in den
Flammen eines Stahlwerks in Pakistan endet. Unsere Kleiderschränke
quellen über, während unsere Altkleiderberge die ärmeren Regionen der
Welt überschwemmen. Die Bundesregierung muss den Export von
Altkleidern in Drittstaaten verbieten und mit einem Anti-Fast-Fashion
-Gesetz die Überproduktion stoppen.”

Die Investigativ-Recherche zeigt, dass nur ein Bruchteil der
gespendeten Kleidung tatsächlich wiederverwendet wird. Selbst gut
erhaltene Altkleider wurden häufig vernichtet oder blieben ungenutzt
in Lagerhallen liegen. Einzelne Kleiderspenden legten dabei extreme
Distanzen zurück. Eine schwarze Jacke landete nach Zwischenstationen
in Ungarn, Slowenien, Kroatien, Malta und dem Oman nach 10.200
Kilometern in Pakistan, um dort in einem Stahlwerk verbrannt zu
werden. Mehr als ein Drittel der 20 Kleidungsstücke landete in
Afrika, drei in Pakistan und nur zwei blieben in Österreich, nachdem
sie direkt nach dem Einwerfen aus dem Altkleidercontainer entwendet
wurden.

Die Recherchen machen deutlich, dass es in Europa massiv an
Sortier- und Recyclinganlagen mangelt. In Österreich existiert nur
eine einzige vollwertige Altkleider-Sortieranlage. Weil diese
Infrastruktur fehlt, werden große Mengen in den Globalen Süden
exportiert – oft in Länder ohne geeignete Abfallsysteme. Dort landen
viele Kleidungsstücke als Müll am Straßenrand oder werden unter
gesundheits- und umweltschädlichen Bedingungen verbrannt.

Greenpeace sieht das Grundproblem in der massiven Überproduktion
der Modeindustrie. Von der hergestellten Kleidung wird ein Drittel
nie verkauft, während Millionen Stück ungetragen in Kleiderkästen
lagern. Um das Problem an der Wurzel zu packen, muss die
Modeindustrie zur Verantwortung gezogen werden. Greenpeace fordert
von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ein Anti-Fast-
Fashion Gesetz, das die Überproduktion eindämmt. Außerdem muss
Umweltminister Norbert Totschnig eine verpflichtende Herstellerabgabe
auf neue Kleidung einführen, mit der der Aufbau von Sortier- und
Recyclinganlagen in Österreich finanziert wird. Zudem fordert die
Umweltschutzorganisation ein Verbot von Exporten von Altkleidern in
Drittstaaten.

Der gesamte Report “Getragen, gespendet, entsorgt: Wo Altkleider
wirklich landen”: https://act.gp/WoAltkleiderWirklichLanden

Bildmaterial, sowie Grafiken finden Sie unter:
https://act.gp/Altkleider_Bilder_Grafiken
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