Greenpeace-Analyse: Weiterhin fast 80 Prozent der Grundwasserstände zu niedrig

Wien (OTS) – Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die
Grundwasserstände in
Österreich mit Ende Juni ausgewertet. Die Situation bleibt weiter
alarmierend: 78 Prozent aller Messstellen zeigen niedriges oder sehr
niedriges Grundwasser. Vor allem im Osten Österreichs mit
Niederösterreich und dem Burgenland sowie ganz im Westen in
Vorarlberg spitzt sich die Grundwasserkrise weiter zu. Verbesserungen
zeigen sich in der Süd- und Oststeiermark und Kärnten, wo lokal
starke Juni-Niederschläge zumindest einen Teil des
Grundwasserdefizits wettmachen konnten. Greenpeace fordert von
Wasserminister Norbert Totschnig, dass er das angekündigte
Wasserentnahme-Register für Industrie und Landwirtschaft rasch
umsetzt. Die Umweltschutzorganisation fordert zudem eine Wasser-
Abgabe für industrielle Großverbraucher.

Sebastian Theissing-Matei, Greenpeace-Wasserexperte: “Dieses Jahr
entwickelt sich zu einer wahren Durststrecke. Während an der
Oberfläche immer mehr Äcker verdorren, sinkt das Grundwasser unter
der Erde vielerorts immer weiter ab. Auch wenn es doch mal regnet,
verdunstet das meiste Wasser aufgrund der unerträglichen Hitze, bevor
es in die Tiefe sickern kann. Sommer wie diesen werden wir zukünftig
leider immer öfter erleben. Wasser-Minister Norbert Totschnig muss
endlich konkreten Grundwasserschutz umsetzen, anstatt
gebetsmühlenartig nur die immer gleichen Maßnahmen anzukündigen.”

Greenpeace hat 224 Grundwassermessstellen mit Ende Juni ausgewertet.
Dabei zeigen ganze 78 Prozent einen niedrigen oder sehr niedrigen
Grundwasserstand. Im Vergleich zu Ende Mai sieht das auf den ersten
Blick nach einer leichten Verbesserung auf zweifellos sehr schlechtem
Niveau aus. Denn vor einem Monat zeigten sogar 86 Prozent der
Messstellen niedriges oder sehr niedriges Grundwasser. Tatsächlich
zeigen die Daten aber: Die Verbesserungen beim Grundwasser sind auf
einige Regionen in Süden Österreichs beschränkt, in denen es im Juni
überdurchschnittlich stark geregnet hat. Überall sonst wirkt sich die
Hitze und Trockenheit weiterhin negativ auf unser Grundwasser aus.

Besonders negativ ist der Trend im Osten und ganz im Westen von
Österreich. Ende Mai zeigte im Burgenland noch keine Messstelle einen
sehr niedrigen Grundwasserstand, jetzt sind es bereits 12 Prozent. In
Niederösterreich haben sich die Messstellen mit Rekordtiefstständen
innerhalb eines Monats von 13 Prozent auf 24 Prozent fast verdoppelt.
Auch in Vorarlberg standen Ende Mai “nur” 16 Prozent der Messstellen
so niedrig wie Ende Mai noch nie, jetzt stehen bereits 40 Prozent so
niedrig wie Ende Juni noch nie. In Summe bleibt die
Grundwassersituation in Österreich trotz einiger lokalen
Verbesserungen sehr angespannt. Entwarnung ist derzeit keine in
Sicht.

Grundwasserkrisen wie die aktuelle wird es in Zukunft immer öfter
geben. Derzeit ist Österreich darauf aber nicht ausreichend
vorbereitet. Greenpeace fordert daher von Wasserminister Norbert
Totschnig, dass er das angekündigte Wasserentnahme-Register für
Industrie und Landwirtschaft jetzt rasch umsetzt. Die
Umweltschutzorganisation fordert zudem eine Wasser-Abgabe für
industrielle Großverbraucher, die es in Frankreich und den meisten
deutschen Bundesländern bereits gibt. Damit gäbe es endlich auch
einen finanziellen Anreiz für industrielle Großverbraucher Wasser zu
sparen und die aus der Abgabe gewonnen Einnahmen könnten genutzt
werden um Österreichs Trinkwasser-Netz dürrefit zu machen.

Die Analyse mit den Ergebnissen zu allen Bundesländern und
Bildmaterial finden Sie hier: https://act.gp/Grundwasser-Juni
Unter Angabe der Credits stehen die Fotos kostenfrei zur
redaktionellen Nutzung zur Verfügung.