Wien (OTS) – Menschen mit Behinderungen sind in besonderem Maß von
Gewalt,
strukturellen Abhängigkeiten und Fremdbestimmung betroffen. Bei der
Konferenz „Gewalt im Leben von Menschen mit Behinderungen. Ursachen,
Prävention und Schutz“ des Österreichischen Behindertenrats
diskutierten Expert*innen, Selbstvertreter*innen,
Interessenvertretungen sowie Vertreter*innen aus Beratung und Praxis,
wie Prävention verbessert und der Zugang zu wirksamem Opferschutz
gestärkt werden kann.
Zum Auftakt richteten Sozialministerin Korinna Schumann, Doris
Schmidauer, Politikwissenschaftlerin und Gattin von Bundespräsident
Alexander Van der Bellen, sowie die Europaabgeordnete Katrin
Langensiepen Videobotschaften an die Teilnehmer*innen.
„ Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf ein Leben frei
von Gewalt und Missbrauch. Das ist ein Menschenrecht. Deshalb müssen
wir dort handeln, wo der Schutz noch nicht ausreichend funktioniert,
um allen Menschen in unserer Gesellschaft ein selbstbestimmtes und
gewaltfreies Leben zu ermöglichen. “, zeigte Sozialministerin Korinna
Schumann auf.
Die Politikwissenschaftlerin Doris Schmidauer wies darauf hin,
dass Menschen mit Behinderungen ein Recht auf Schutz vor Gewalt
haben, dies sei ein Grundrecht. Österreich habe sich gemäß Artikel 16
der UN-Behindertenrechtskonvention dazu verpflichtet. „ Wie können
wir dafür sorgen, dass dieser Schutz auch besteht? Dass Gewalt
frühzeitig erkannt und verhindert wird? Und wie unterstützen wir
Betroffene? Ganz besonders der Prävention müssen wir uns widmen. Ich
bin dankbar, dass Sie sich heute mit diesen wichtigen Fragen
auseinandersetzen. Und ich danke dem Behindertenrat dafür, dass er
nicht müde wird, sich für Rechte von Menschen mit Behinderungen
einzusetzen. “, sagte Schmidauer.
„ Eine inklusive Gesellschaft schützt Menschen mit Behinderung
nicht dadurch, dass andere für sie entscheiden. Sie schützt sie
dadurch, dass Menschen mit Behinderung ihre Rechte kennen und
wahrnehmen, selbst entscheiden und ihr Leben selbst gestalten können.
Und das ist der beste Schutz vor Gewalt. “, erklärte die EU-
Abgeordnete Katrin Langensiepen.
Im weiteren Verlauf beschäftigten sich zwei Keynotes, eine
Podiumsdiskussion und vier vertiefende Sessions mit unterschiedlichen
Aspekten von Gewaltprävention und Gewaltschutz.
Zwtl.: Gewaltprävention muss früher ansetzen
Im Zentrum der Diskussionen standen u.a. strukturelle
Abhängigkeiten, barrierefreie Unterstützungsangebote, sexuelle
Bildung als Gewaltprävention, Gewaltschutzkonzepte in Organisationen
sowie der Zugang zu Beratung und Opferschutz. Deutlich wurde dabei,
dass wirksamer Gewaltschutz früher ansetzen muss und
Selbstbestimmung, Beteiligung und die Kenntnis der eigenen Rechte
eine zentrale Rolle spielen.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Situation von Frauen mit
Behinderungen und bestehenden Lücken im Hilfesystem. Thematisiert
wurde, dass Beratungs- und Schutzangebote barrierefrei zugänglich
sein und stärker auf die unterschiedlichen Lebensrealitäten von
Menschen mit Behinderungen eingehen müssen.
In vier parallelen Sessions wurden sexuelle Bildung als
Gewaltprävention, der Zugang zum Gewaltschutz für Frauen mit
Behinderungen, die Entwicklung und Umsetzung von
Gewaltschutzkonzepten sowie strukturelle Gewalt in Institutionen
vertieft. Die Ergebnisse flossen anschließend in ein gemeinsames
Abschlusspodium ein.
„ Für den Österreichischen Behindertenrat steht fest, dass
Gewaltschutz und Selbstbestimmung untrennbar miteinander verbunden
sind. Menschen mit Behinderungen müssen über ihr eigenes Leben
entscheiden können und Zugang zu wirksamer, barrierefreier
Unterstützung haben. “, verdeutlichte Behindertenrats-Präsident Widl
abschließend.
Die Veranstaltung wurde vom Chancen Nutzen Büro des ÖGB
unterstützt.