Schönheit

Gerstorfer zu Kopf: „Erst Arbeitsplätze für Ältere schaffen – dann über das Pensionsalter reden“

Wien (OTS) – „Bevor wir über ein höheres gesetzliches Pensionsalter
reden, müssen
wir dafür sorgen, dass Menschen überhaupt bis zum bestehenden
Pensionsalter einen Arbeitsplatz haben“, sagt PVÖ-Präsidentin Birgit
Gerstorfer in einer Reaktion auf die Aussagen von AMS-Chef Johannes
Kopf in der heutigen „ORF-Pressestunde“. Gerade Kopfs eigene Zahlen
zeigen das Problem: Durch die schrittweise Anhebung des
Frauenpensionsalters kamen laut AMS rund 58.000 Frauen über 60
zusätzlich in Beschäftigung – gleichzeitig stieg die Zahl der
arbeitslosen Frauen in dieser Altersgruppe um 7.500. ****

„7.500 klingt in einer Statistik vielleicht nicht nach viel. Aber
hinter jeder einzelnen Zahl steht eine Frau, die ihren Arbeitsplatz
verloren hat, Einkommen verliert und im schlimmsten Fall bis zur
Pension arbeitslos bleibt oder lebenslange Abschläge hinnehmen muss.
Für jede einzelne Betroffene ist das keine statistische Randgröße,
sondern es geht um ihre Existenz.“

Bonus-Malus: Konkrete Modelle sollen ausgearbeitet werden

PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer, Seniorenbund-Präsidentin
Ingrid Korosec und Christine Mayrhuber, Vorsitzende der
Alterssicherungskommission, wollen deshalb vom
Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) konkrete Bonus-Malus-Modelle für
Unternehmen wissenschaftlich ausarbeiten lassen und der Politik
vorlegen, wie es bereits in einer gemeinsamen Pressekonferenz
angekündigt wurde.

Die Grundidee: Betriebe, die viele ältere Arbeitnehmer*innen
beschäftigen, im Unternehmen halten oder neu einstellen, sollen
profitieren. Unternehmen, die deutlich weniger Ältere beschäftigen,
sollen stärker in die Verantwortung genommen werden. Das Modell soll
aufkommensneutral gestaltet werden. „Wer verlangt, dass Menschen
länger arbeiten, muss zuerst dafür sorgen, dass Unternehmen sie auch
länger arbeiten lassen. Wir wollen der Politik dafür konkrete,
durchgerechnete Modelle auf den Tisch legen.“

Vertrauen in die Pension ist auch Arbeitsmarktpolitik

Gerstorfer warnt außerdem davor, mit permanenten Debatten über
ein höheres Pensionsalter das Vertrauen in das gesetzliche
Pensionssystem zu beschädigen. „Menschen müssen darauf vertrauen
können, dass sich jahrzehntelange Arbeit und Beitragszahlung
auszahlen. Dieses Vertrauen ist auch für den Arbeitsmarkt
entscheidend: Warum sollen Menschen Vollzeit arbeiten und volle
Beiträge zahlen, wenn ihnen gleichzeitig ständig vermittelt wird,
ihre Pension sei unsicher?“

Gerstorfer abschließend: „Die Reihenfolge muss stimmen: Erst
Arbeitsplätze für Ältere, dann über längeres Arbeiten reden.
Mathematik beginnt am Arbeitsmarkt – aber hinter jeder Zahl steht ein
Mensch.“ (Schluss)