Geopolitische Spannungen belasten österreichische Lackindustrie

Wien (OTS) – Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten wirkt sich
zunehmend auf die
internationale Rohstoffversorgung und Logistik aus – mit spürbaren
Folgen für die österreichische Lackindustrie. Steigende Rohölpreise
sowie anhaltende Störungen globaler Lieferketten verschärfen die
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Branche deutlich.

Zahlreiche für die Lackproduktion essenzielle Komponenten –
darunter Bindemittel, Lösungsmittel, Harze und Additive – basieren
direkt oder indirekt auf petrochemischen Rohstoffen. Der jüngste
Anstieg der Rohölpreise hat daher unmittelbare Auswirkungen auf die
Kostenstruktur der Unternehmen.

„ Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, wie stark unsere
Industrie in globale Wertschöpfungsketten eingebunden ist.
Preissteigerungen bei Rohstoffen treffen uns unmittelbar und mit
erheblicher Dynamik “, erklärt Hubert Culik, Obmann der
österreichischen Lackindustrie.

Zusätzlich verschärfen logistische Herausforderungen die
Situation: Aufgrund der angespannten Sicherheitslage im Roten Meer
werden wichtige Schifffahrtsrouten zunehmend gemieden. Der daraus
resultierende Umweg über das Kap der Guten Hoffnung verlängert
Transportzeiten erheblich und führt zu weiteren Unsicherheiten in der
Versorgung mit Vorprodukten – insbesondere aus Asien.

Auch wenn die österreichische Lackindustrie zu rund 80 Prozent
auf wasserbasierte Systeme setzt, bleibt die Abhängigkeit von
petrochemischen Ausgangsstoffen bestehen. Viele Unternehmen sind
daher von den aktuellen Entwicklungen betroffen.

„ Neben den aktuellen Kostensteigerungen sehen wir zunehmende
Risiken für die Verfügbarkeit zentraler Rohstoffe. Umleitungen in der
Schifffahrt, längere Transportzeiten und Engpässe bei Energie und
Vorprodukten wirken sich bereits heute auf Lieferketten aus – und
werden auch nach einem Ende des Konflikts nicht sofort verschwinden
“, führt Culik aus und ergänzt noch: „ Bestehende strukturelle
Herausforderungen wie etwa der zunehmende regulatorische Druck oder
der starke internationale Wettbewerb werden durch die geopolitische
Lage nun zusätzlich verschärft. “

Das volle Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen ist derzeit noch
nicht abschätzbar. Klar ist jedoch bereits jetzt: Die konjunkturelle
Erholung, die sich in den letzten Monaten angedeutet hat, ist nun
wieder stark gefährdet. Und: Die Auswirkungen werden die Branche über
das unmittelbare Konfliktgeschehen hinaus begleiten und erfordern
strategische Anpassungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Zwtl.: Über die österreichische Lack- und Anstrichmittelindustrie

Die 26 Betriebe der österreichischen Lack- und
Anstrichmittelindustrie beschäftigen etwa 2.700 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. Sie produzieren jährlich 133.000 Tonnen Lack- und
Anstrichmittel im Wert von 503 Millionen Euro. Die Branche ist sehr
innovativ und investiert 10 bis 15 Prozent des Umsatzes in Forschung
und Entwicklung.