Gasnetze: Stilllegung, Ausbau oder Umbau?

Eisenstadt (OTS) – Mit der Verabschiedung des E-Wirtschaftsgesetzes
(ElWG) erhielt die
Stromversorgung zukunftsfähige neue Rahmenbedingungen. Jetzt
erfordert der Gasmarkt eine ähnlich tiefgreifende Neuordnung. Bis zum
August 2026 muss die EU-Erdgas-Richtlinie umgesetzt werden. Dieser
Anlass sollte genutzt werden, um eine klare Strategie für den
Ausstieg aus Erdgas als Energiequelle zu finden. Das forderte der
Geschäftsführer von Netz Burgenland, Florian Pilz, beim
Energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums
Versorgungssicherheit am 15. Jänner 2026. „Als Netzbetreiber brauchen
wir langfristig verlässliche Vorgaben für weitere Investitionen ins
Gasnetz: Wo wird es nicht mehr gebraucht, wo soll es erhalten oder
sogar ausgebaut werden?“

Die Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit, Brigitte Ederer,
warnt vor Versorgungslücken und hohen Mehrkosten, wenn der Rückzug
aus Erdgas ungesteuert vor sich geht: „Im Hinblick auf den
Klimaschutz ist es wünschenswert, dass die Nutzung von Erdgas
langfristig zurückgeht. Doch der Ausstieg muss stets ein geplanter
Umstieg sein, die Bürger brauchen Klarheit, welche Alternativen zum
Gas ihnen zur Verfügung stehen.“

Zwtl.: Energieraumplanung

Schon jetzt geht die Nutzung von Erdgas deutlich zurück, weil
immer mehr Besitzer von Eigenheimen ihre Heizung auf Wärmepumpen
umstellen. Im städtischen Bereich wird überdies die Fernwärme stets
weiter ausgebaut. Als Folge davon gab es im Burgenland mit Jahresende
2024 um 12,8% weniger Erdgas-Zählpunkte als 2020, im österreichweiten
Schnitt betrug der Rückgang rund 10%.

Doch dieser individuell und punktuell vor sich gehende Ausstieg
birgt eine große Gefahr, warnt Pilz. Denn die fixen Netzkosten
bleiben konstant, werden aber auf immer weniger Kunden verteilt:
„Damit steigen die Gebühren pro Haushalt. Die Kosten für das Netz
müssen ja anteilig getragen werden. Je weniger Teilnehmer im Netz,
desto höher der Anteil für den Einzelnen.“

Ein solches Negativ-Szenario lässt sich nur vermeiden, wenn das
Netz dort, wo es nicht mehr gebraucht wird, völlig stillgelegt wird.
Dazu müssen aber in dem entsprechenden Gebiet ausnahmslos alle Kunden
ihre Energieversorgung umstellen. Als Alternativen bieten sich im
Wesentlichen Fernwärme oder aber elektrisch betriebene Wärmepumpen
an. Diese Alternativen müssen zur Verfügung stehen, bevor das Gasnetz
stillgelegt werden kann. „Wir brauchen eine umfassende Energie-
Raumplanung“, fordert deshalb Pilz, „es braucht klare Vorgaben,
welche Gebiete künftig weiter mit Gas versorgt werden sollen und
welche nicht. Dabei muss auch geklärt werden, ob die betroffene
Region Fernwärmeanschlüsse erhält oder aber zur Gänze auf Wärmepumpen
umstellt – in diesem Fall wird häufig das Stromnetz verstärkt werden
müssen.“

Langfristige Energieraumplanung muss auch eine gründliche
Information und Aufklärung der Bevölkerung umfassen, um die
bestehenden Berührungsängste mit neuen Heiz-Technologien zu
überwinden. „Die Erfahrung mit Pilotprojekten in einzelnen Regionen
zeigen, dass die Bereitschaft zum Umsteigen sehr gering ist“,
berichtet Pilz, „umso wichtiger wird es sein, dass die Politik
langfristige verlässliche Ziele vorgibt.“

Zwtl.: Klimafreundliches Gas

Strom und Fernwärme sind nicht die einzigen Alternativen zum
Erdgas. Klimaneutralität kann auch durch den Einsatz von Biomethan
oder von Wasserstoff erreicht werden. Auch in diesem Fall muss die
Umstellung strategisch für klar definierte Regionen geplant werden,
betont Pilz: „Eine Versorgung mit CO2-neutralem Biogas ist nur dort
sinnvoll, wo die Produktion in ausreichender Menge und ausreichender
Qualität sichergestellt werden kann. Wo das der Fall ist, muss das
Netz nicht stillgelegt, sondern im Gegenteil ausgebaut werden. Eine
solche Investition bedeutet immer eine langfristige Weichenstellung
und erfordert daher eine Grundsatzentscheidung.“

Klimaneutrales Gas sollte bevorzugt in jenen Regionen erste Wahl
sein, wo Gewerbe und Industrie versorgt werden müssen, so Pilz: „In
manchen Produktionsprozessen ist Gas nicht zu ersetzen. Wir wissen
aus Gesprächen mit Großkunden, dass viele Betriebe abwandern würden,
wenn kein Gas verfügbar sein sollte.“

Die Umsetzung der EU-Erdgas-Binnenmarktrichtlinie (RL 2024/1788)
sieht auch die Schaffung eines regulierten Wasserstoffmarkts vor. Die
Bedeutung von Wasserstoff für die klimaneutrale Energieversorgung
wird stark zunehmen, ist Pilz überzeugt, doch er wird auch auf
längere Sicht nur in begrenzter Menge verfügbar sein, weshalb klare
Prioritäten für die Verwendung gesetzt werden müssen: „Er wird
zunächst einmal für Gewerbe, Industrie und E-Fuels gebraucht. Für die
Raumwärme von Wohngebäuden kommt Wasserstoff wohl nicht in Frage.“

Abschließend hofft Pilz auf rasche Fortschritte beim
Gaswirtschaftsgesetz (GWG) sowie beim Gesetz über Erneuerbare Gase (
EEG): „Davon hängen hohe Investitionsentscheidung ab, zu langes
Zögern kann zu teuren Fehlentwicklungen führen, deswegen wünschen wir
uns eine baldige politische Einigung.“

Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von
fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich,
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