FSG-younion ad Equal Pension Day 2026: Pensionslücke ist Ergebnis struktureller Ungleichheit – kein individuelles Versagen

Wien (OTS) – Am 9. August 2026 ist Equal Pension Day in Österreich.
Dieser Tag
markiert österreichweit jenen Zeitpunkt, an dem Männer bereits jene
durchschnittliche Pensionssumme erhalten haben, die Frauen erst bis
zum Jahresende beziehen werden. Die Zahlen zeigen die dramatische
Realität: Frauen erhalten in Österreich durchschnittlich um 39,4
Prozent weniger Pension als Männer, Österreich ist damit „Vize-
Europameister“ mit der zweihöchsten Pensionslücke im EU-Vergleich!
Die Ursachen dafür entstehen nicht erst am Ende des Erwerbslebens von
Frauen, sondern am Tag des Eintritts und begleiten sie ein Leben
lang: niedrigere Einkommen, häufigere Teilzeitbeschäftigungen,
Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Kinderbetreuung und Pflegearbeit
sowie Benachteiligungen am Arbeitsmarkt.

Für die Sozialdemokratischen Gewerkschafter:innen in der younion
_ Die Daseinsgewerkschaft (FSG-younion) ist der Equal Pension Day
deshalb weit mehr als ein symbolisches Datum. Er macht sichtbar, dass
die finanzielle Ungleichheit zwischen Frauen und Männern im Alter die
Folge struktureller Rahmenbedingungen ist und keineswegs
individueller Entscheidungen. Gerade Frauen tragen einen wesentlichen
Teil jener Arbeit, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichert
und die öffentliche Daseinsvorsorge ermöglicht. Gleichzeitig sind sie
es, die im Alter überdurchschnittlich häufig mit finanziellen
Einbußen konfrontiert sind.

„Eine Pension darf nicht davon abhängen, ob jemand aufgrund von
Kinderbetreuung oder Pflegeverpflichtungen gezwungen war, beruflich
kürzerzutreten. Wer sein Leben lang arbeitet und Verantwortung
übernimmt, hat Anspruch auf eine Pension, die ein selbstbestimmtes
Leben ermöglicht. Die enorme Pensionslücke zeigt, dass wir bei der
Gleichstellung noch lange nicht am Ziel sind“, betont Vorsitzender
der FSG-younion, Christian Meidlinger .

Geschäftsführende Bundesfrauenvorsitzende der FSG-younion, Sabine
Slimar-Weißmann , verweist auf die strukturellen Ursachen: „Frauen
leisten nach wie vor den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit, denn
viele Entscheidungen entstehen nicht aus echter Wahlfreiheit. Wer
aufgrund von Kinderbetreuung oder der Pflege naher Angehöriger die
Erwerbsarbeit reduziert, trägt die Folgen ein Leben lang. Und selbst,
wenn die Betreuungsverpflichtungen wegfallen, machen sich häufig
gesundheitliche Folgen bemerkbar, die aus jahrzehntelanger
Doppelbelastung resultieren und eine volle Erwerbsarbeit nicht mehr
ermöglichen. Das Resultat ist in vielen Fällen keine eigene
existenzsichernde Pension. Deshalb braucht es den flächendeckenden
Ausbau qualitativ hochwertiger Bildungs-, Betreuungs- und
Pflegeeinrichtungen, beginnend bei den ersten Kinderbildungs- und
Betreuungseinrichtungen, verbunden mit der Umsetzung unserer
langjährigen Forderungen der notwendigen Rahmenbedingungen für die
Beschäftigten. Darüber hinaus fordern wir die Umsetzung des
Familienarbeitszeitmodells von ÖGB (Österreichischer
Gewerkschaftsbund) und AK (Arbeiterkammer), sowie eine bessere
Absicherung von Betreuungszeiten im Pensionssystem.“

Auch Bundesgeschäftsführer der FSG-younion, Erich Kniezanrek ,
fordert konkrete politische Schritte: „Der Equal Pension Day ist kein
symbolischer Gedenktag, sondern ein klarer Handlungsauftrag. Wir
müssen Teilzeitfallen entschärfen, gleiche Bezahlung für
gleichwertige Arbeit durchsetzen und Altersdiskriminierung bekämpfen.
Gleichzeitig brauchen wir starke öffentliche Dienstleistungen und
gute Arbeitsbedingungen, damit insbesondere Frauen durchgängige und
existenzsichernde Erwerbsbiografien erreichen können.“

Die FSG-younion fordert daher ein umfassendes Maßnahmenpaket zur
Schließung der Pensionslücke. Dazu zählen eine deutlich bessere
Anrechnung von Kinderbildungs- u. betreuungseinrichtungen, sowie
Pflege und Betreuungseinrichtungen. Gleichzeitig braucht es wirksame
Maßnahmen gegen die Benachteiligung älterer Arbeitnehmer:innen, etwa
durch ein Bonus-Malus-System gegen Altersdiskriminierung und einen
besseren Schutz vor Kündigungen aufgrund von Krankheit. Klar ist für
die FSG-younion außerdem: Das 65. Lebensjahr ist mehr als genug –
schon jetzt erreichen viele Arbeitnehmer:innen dieses Alter nicht.
Weitere Anhebungen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters lehnen wir
entschieden ab. Wer echte Pensionsgerechtigkeit schaffen will, muss
die Ursachen der Ungleichheit im Erwerbsleben bekämpfen. Nur, wenn
Sorgearbeit fair verteilt, Einkommen gerecht gestaltet und
Beschäftigungschancen für Frauen und ältere Arbeitnehmer:innen
nachhaltig verbessert werden, kann Gleichstellung auch im Alter
Realität werden.

Der Equal Pension Day ist daher nicht nur ein Mahntag, sondern
ein klarer Auftrag an Politik und Arbeitgeber:innen, endlich jene
Rahmenbedingungen zu schaffen, die Frauen ein Leben lang
Chancengleichheit und im Alter eine existenzsichernde Pension
garantieren.