Wien (OTS) – „Die Pflegekrise lässt sich längst nicht mehr leugnen.
Schon 2050
werden in Österreich rund 750.000 Menschen Pflege benötigen,
gleichzeitig werden über 200.000 zusätzliche Pflegekräfte fehlen.
Trotzdem stecken wir bei den Lösungsansätzen immer noch in
Denkmustern des letzten Jahrtausends fest“, warnte heute der
freiheitliche Pflege- und Behindertensprecher NAbg. Mag. Christian
Ragger.
Ragger betonte, dass die derzeitigen Strukturen weder den
sinnvollen noch den effizienten Einsatz personeller, finanzieller und
technischer Ressourcen ermöglichen. „Viele Möglichkeiten – von KI-
gestützten Dokumentationssystemen über Personalvermittlungs-Apps bis
hin zu innovativen Konzepten wie Ambient Assisted Living oder Smart
Kitchen – sind in anderen Ländern längst Realität, während Österreich
noch immer hinterherhinkt. Wenn wir den Pflegenotstand wirklich
beenden wollen, müssen wir endlich den Schritt ins 21. Jahrhundert
schaffen!“, so Kaniak.
Ein zentrales Problem sieht Ragger in der Überalterung der
Gesellschaft und im Mangel an Nachwuchs. „Seit Jahrzehnten sinken die
Geburtenzahlen. Dadurch entstehen immer mehr Einpersonenhaushalte,
und der Zusammenhalt zwischen den Generationen schwindet. Immer
weniger Angehörige wollen oder können Familienmitglieder pflegen.
Hier braucht es ein gesellschaftliches Umdenken und eine politische
Unterstützung der traditionellen Familie mit mehreren Kindern“,
erklärte Ragger. Zuwanderung kann und darf diese Entwicklung nicht
kompensieren: „Wir sehen schon heute, dass Pflegekräfte aus immer
entfernteren Regionen wie Asien oder Südamerika kommen. Aber auch
dort werden die Ressourcen irgendwann erschöpft sein. Wir müssen
unsere eigenen Kapazitäten aufbauen, statt uns in Abhängigkeiten zu
begeben.“
Für die FPÖ steht fest: Die Pflege der Zukunft muss innovativ,
menschlich und effizient sein. „Wir brauchen ein umfassendes Konzept,
das es ermöglicht, gesund zu altern und so lange wie möglich
selbstbestimmt zu leben – unterstützt durch moderne Technologien,
Nachbarschaftsmodelle und Angehörigenpflege, die echte Unterstützung
bekommt, statt zur Belastung zu werden. Das Pflegeheim darf der
letzte Ausweg sein und nicht der erste“, forderte Ragger. Dazu
brauche es auch attraktive Arbeitsbedingungen für heimische
Pflegekräfte: „Ein gutes Arbeitsklima, stabile Dienstpläne, digitale
Entlastung und Wertschätzung des Privatlebens sind entscheidend, um
Menschen für Pflegeberufe zu gewinnen und zu halten.“
Besonders wichtig ist Ragger eine faire Entlastung und
finanzielle Absicherung pflegender Angehöriger. „Viele Familien
tragen enorme persönliche Belastungen, wenn sie Angehörige pflegen
und sparen dem Staat dabei enorme Kosten, weil Heimpflege ungleich
teurer ist. Diese Menschen verdienen Unterstützung, keine
Benachteiligung, nämlich in Form eines Pflegeschecks von 2.000 Euro“,
betonte der freiheitliche Pflegesprecher.
„Wir brauchen bundesweit einheitliche Regelungen, eine
Digitalisierungsoffensive zur Entlastung des Personals, bessere
Betreuungsschlüssel und eine Stärkung der Pflege daheim durch faire
Unterstützung der Angehörigen. Pflege darf kein Krisenthema bleiben.
Wir müssen jetzt handeln – mit Mut, Innovation und Hausverstand“,
erklärte Ragger.