FPÖ – Ragger: „Pflege braucht Wahlfreiheit, Gerechtigkeit und endlich Respekt vor jenen, die tagtäglich für andere da sind!“

Wien (OTS) – „Wer Pflege braucht, wer Angehörige pflegt oder wer
tagtäglich in
diesem Beruf arbeitet, braucht keine Sonntagsreden, sondern endlich
ein System, das gerecht, menschlich und verlässlich funktioniert.
Dafür braucht es ein österreichweit einheitliches Pflegesystem statt
föderalem Fleckerlteppich, eine massive Stärkung der Pflege zu Hause,
faire und einheitliche Pflegegeldeinstufungen, den freiheitlichen
Pflegescheck für echte Wahlfreiheit sowie spürbare Entlastungen für
das Pflegepersonal“, sagte heute der freiheitliche Pflege- und
Behindertensprecher NAbg. Mag. Christian Ragger anlässlich des
Internationalen Tages der Pflege.

Ein zentrales Problem sei nach wie vor der föderale
Fleckerlteppich in Österreich. „Jedes Bundesland kocht im
Pflegebereich seine eigene Suppe. Das führt zu unterschiedlichen
Leistungen, unterschiedlichen Förderungen und am Ende zu einem
System, das für Betroffene oft nicht mehr nachvollziehbar ist. Pflege
darf aber nicht davon abhängen, in welchem Bundesland jemand lebt“,
forderte Ragger.

Besonders wichtig sei für die FPÖ die Stärkung der Pflege zu
Hause. „80 bis 85 Prozent der pflegebedürftigen Menschen werden zu
Hause versorgt. Die Pflege daheim ist damit das Rückgrat unseres
Pflegesystems und für viele Betroffene menschlicher, vertrauter und
würdevoller als der Gang ins Heim. Das Pflegeheim darf nicht die
erste Antwort des Staats sein, sondern muss die letzte Station
bleiben, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit mehr gibt“,
betonte der FPÖ-Pflegesprecher.

Daher brauche es endlich den von der FPÖ seit langem geforderten
Pflegescheck. „Der Pflegescheck soll Wahlfreiheit sicherstellen. Der
ältere Mensch soll selbst entscheiden können, ob er mit dieser
Unterstützung einen nahen Angehörigen – der dann auch
sozialversichert ist – mobile Dienste, eine 24-Stunden-Betreuung oder
– wenn notwendig – einen Heimplatz finanziert. Im Mittelpunkt muss
der Mensch stehen, nicht die Bürokratie“, so Ragger.

Auch bei den kritisierten Pflegegeldeinstufungen ortete Ragger
massiven Handlungsbedarf. „Es kann nicht sein, dass Menschen, die zu
Hause gepflegt werden, niedriger eingestuft werden, obwohl ihr
tatsächlicher Pflegebedarf ein höherer ist. Pflegegeldeinstufungen
müssen fair, nachvollziehbar und bedarfsgerecht erfolgen. Dafür
braucht es eine einheitliche Begutachtung mit klaren Kriterien, damit
sich die Einstufung endlich am tatsächlichen Bedarf orientiert“,
erklärte Ragger.

Neben der Pflege daheim seien auch ‚Alternative Lebensräume‘ ein
wichtiger Baustein. „Kleine, regionale Wohnformen können gerade für
Menschen mit niedrigerer Pflegestufe eine echte Alternative zum
klassischen Pflegeheim sein. International passiert da einiges:
Kärnten ist etwa dem Beispiel des Veneto gefolgt und man hat gesehen,
dass etwa umgebaute Gasthäuser oder ehemalige, barrierefrei
gestaltete Bauernhöfe nicht nur menschlichere Betreuungsformen
ermöglichen, sondern auch die Regionen stärken und Kosten senken
können“, sagte der freiheitliche Pflegesprecher.

Gleichzeitig müsse moderne Technik sinnvoll eingesetzt werden,
aber immer als Unterstützung und niemals als Ersatz für menschliche
Pflege. „Ambient Assisted Living, technische Assistenzsysteme, KI-
gestützte Dokumentation oder intelligente Wohnformen können den
Alltag älterer Menschen erleichtern und Pflegekräfte entlasten. Aber
Pflege bleibt ein Vertrauensberuf. Ein Roboter kann keinen Menschen
ersetzen, der zuhört, Bedürfnisse erkennt und Nähe gibt“, stellte
Ragger klar.

Eine echte Pflegereform müsse auch beim Personal ansetzen.
„Unsere Pflegekräfte leisten unter enormem Druck Großartiges. Sie
werden aber viel zu oft von Bürokratie, Dokumentationspflichten und
schlechten Rahmenbedingungen erdrückt. Wir müssen den administrativen
Ballast reduzieren, moderne digitale Lösungen nutzen, Verblisterung
bei Medikamenten stärker einsetzen und die Arbeit in funktionierenden
Teams wieder ermöglichen. Wer Pflegekräfte entlasten will, muss ihnen
Zeit für Menschen zurückgeben“, so Ragger.

Für den notwendigen Nachwuchs in der Pflege brauche es laut
Ragger einen klaren Kurswechsel. „Österreich ist ein Land der Lehre
und der dualen Ausbildung. Deshalb ist nicht nachvollziehbar, warum
man sich so lange gegen die Pflegelehre gewehrt hat. Wir müssen
unseren eigenen Nachwuchs in die Pflege bringen, statt ständig zu
glauben, man könne die Probleme allein durch Personalimporte lösen.
Das ist langwierig, teuer und löst die strukturellen Probleme nicht,
sondern macht die Pflege für die heimische Jugend unattraktiv“,
erklärte der FPÖ-Pflegesprecher.