FPÖ – Ragger: „800.000 Menschen werden zu Hause gepflegt – aber genau dort lässt unser System die Betroffenen im Stich“

Wien (OTS) – In Österreich werden rund 800.000 Menschen zu Hause
gepflegt werden
und nur etwa 150.000 in Pflegeheimen. „Ich lade dazu ein, einmal
darüber nachzudenken, ob es gerecht ist, wie unser Pflegesystem in
Österreich funktioniert und ob das tatsächlich der richtige Ansatz
ist“, sagte der freiheitliche Pflegesprecher NAbg. Mag. Christian
Ragger im Zuge der heute Plenardebatte. Die Menschen werden vor allem
von nahen Angehörigen gepflegt, und 70 Prozent davon sind Frauen
zwischen 56 und 65 Jahren. Genau diese Frauen tragen das System, aber
sie bekommen für diese Tätigkeit oft keine Pension, sind dafür nicht
sozialversichert, noch erhalten sie eine Entlohnung. Im Pflegeheim
ist die Situation eine andere. Und deshalb muss man sich die Frage
stellen, ob dieses System gerecht ist und wer eigentlich die
Nutznießer dieses Systems sind“, so Ragger.

„Unser Ansatz ist ein ganz anderer, den wir seit zehn Jahren
propagieren: Die Menschen sollen zu Hause die Wahlfreiheit haben, mit
einem Pflegescheck selbst zu entscheiden, ob sie ihre
pflegebedürftigen Angehörigen daheim pflegen, sich selbst versichern,
sich selbst einen Lohn auszahlen und das zu Hause organisieren
wollen“, erklärte Ragger. Das derzeitige System, das von ÖVP und SPÖ
über Jahrzehnte aufgebaut worden sei, gehe hingegen in die falsche
Richtung. „Kein Mensch wünscht sich, am Ende seines Lebens in einem
Pflegeheim zu altern und zu sterben. Die Menschen wollen dort alt
werden, wo ihre Familie ist, wo ihre Angehörigen sind und wo ihre
vertrauten Menschen sind – nämlich zu Hause“, betonte Ragger.

Scharfe Kritik übt Ragger auch an der Mittelverteilung im
bestehenden Pflegesystem. „Wir finanzieren heute ein System quer,
indem wir das sowohl über den Sozialfonds als auch den Pflegefonds
organisieren und das Geld auf die Länder verteilen. Dort wird es dann
den Pflegeheimen in den Rachen geworfen, aber zu Hause passiert keine
Versorgung“, so Ragger. Auch der Angehörigenbonus greife viel zu
spät, nämlich erst ab Pflegestufe 4 bei 160 Pflegestunden – „das ist
ein Vollzeit-Job, und diese Arbeit wird vielfach gratis geleistet.
Die Säule des Pflegegeldes steht außer Streit, aber das System
insgesamt ist mittlerweile falsch. Wir brauchen jetzt einen
Systemumbruch, weil die Menschen immer älter werden und es immer
weniger Angehörige gibt, die diese Pflege zu Hause leisten können.
Gelöst werden kann das nur mit einem Pflegegeld und einem
Pflegeschecksystem der Freiheitlichen“, forderte Ragger.