FPÖ – Kaniak: „97-Prozent-Statistik bei Kassenärzten blendet die Realität der Patienten aus!“

Wien (OTS) – Als „irreführend und eine Beschönigung der tatsächlichen
Lage“
kritisierte heute der freiheitliche Gesundheitssprecher und
Vorsitzende des parlamentarischen Gesundheitsausschusses NAbg. Mag.
Gerhard Kaniak die von Gesundheitsministerium und ÖGK verbreitete
Meldung, wonach 97 Prozent aller Kassenstellen in Österreich besetzt
seien. Diese Zahl spiegle die Realität der Patienten nicht wider, die
mit langen Wartezeiten und Aufnahmestopps bei Ärzten konfrontiert
seien.

„Während die Regierung eine hohe Besetzungsquote feiert, suchen
viele Patienten wochen- oder monatelang nach einem Facharzttermin und
müssen auf teure Wahlärzte ausweichen. Die Statistik verschleiert die
wachsende Kluft in der Gesundheitsversorgung. Wir bewegen uns immer
stärker in Richtung einer Zwei-Klassen-Medizin, und das ist eine
besorgniserregende Entwicklung“, so Kaniak.

Einer der Hauptgründe für diese problematische Situation sei ein
veralteter Kassenstellenplan, der den tatsächlichen Bedarf einer
gewachsenen Bevölkerung nicht mehr abbilde. „Es ist ein grobes
Versäumnis der Gesundheitspolitik, die Augen vor der Realität zu
verschließen. Wir haben nicht nur einen überholten Bedarfsplan,
sondern stehen auch vor einer massiven Pensionierungswelle: In den
kommenden zehn Jahren werden rund 18.000 Ärztinnen und Ärzte das
Pensionsalter erreichen. Gleichzeitig stehen einem jährlichen
Nachbesetzungsbedarf von mehr als 1.800 Ärzten derzeit lediglich rund
1.300 neu ausgebildete Mediziner gegenüber. Anstatt die
Rahmenbedingungen für Kassenärzte endlich zu verbessern und den
Nachwuchs zu sichern, treibt man immer mehr Mediziner in die
Wahlarztordination. Leidtragend sind jene Patienten, die sich das
nicht leisten können oder wollen“, kritisierte der FPÖ-
Gesundheitssprecher.

Das wahre Defizit sei jedoch noch dramatischer, wie Kaniak
betonte: „Zusätzlich zu den über 300 aktuell unbesetzten
Kassenstellen fehlen uns 700 bis 800 Ärzte, nur um das
Versorgungsniveau von vor zehn Jahren wieder zu erreichen. Wir
sprechen also von einer Lücke von über 1.000 Medizinern, die es unter
den heutigen Bedingungen einfach nicht gibt.“

Auch die geplante Errichtung neuer Primärversorgungseinheiten
könne das grundlegende Problem nicht lösen. Kaniak erklärte dazu:
„Einzelne Leuchtturmprojekte sind gut und schön, aber sie ersetzen
keine flächendeckende, funktionierende kassenärztliche Versorgung.
Wir brauchen eine grundlegende Reform des Systems, die bei den
Ursachen ansetzt: faire Honorare, weniger Bürokratie und einen
modernen Bedarfsplan. Gerade im ländlichen Bereich ist eine
umfassende Strukturreform unabdingbar, um die Versorgung der
Patienten sicherstellen zu können.“

„Statt sich hinter schönen Statistiken zu verstecken, muss SPÖ-
Gesundheitsministerin Schumann endlich einen konkreten Zukunftsplan
vorlegen. Wir brauchen eine Ausbildungsoffensive, die sicherstellt,
dass unsere jungen Mediziner nach dem Studium auch im Land bleiben
und eine Perspektive im Kassensystem finden. Dazu gehört der Abbau
von Bürokratie ebenso wie eine faire und moderne Gestaltung der
Kassenverträge. Die Zeit des Zuwartens ist vorbei – es geht um die
Gesundheit der Österreicher, und die darf nicht länger aufs Spiel
gesetzt werden!“