Forschungsprojekt untersucht die Rolle der damaligen Montanistischen Hochschule in den Jahren 1938 bis 1945

Leoben (OTS) – Die Montanuniversität Leoben stellt sich einem
zentralen Kapitel
ihrer Geschichte: In einem einjährigen Forschungsprojekt werden
Rolle, Verflechtungen und Handlungsspielräume der damaligen
Montanistischen Hochschule in der Zeit des Nationalsozialismus
wissenschaftlich beleuchtet. Das Projekt, das gemeinsam mit dem
Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung und der
Universität Graz durchgeführt wird, wurde im Rahmen einer
Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert.

Zwtl.: Projektstart und Zielsetzung

Ziel der Initiative ist eine historisch fundierte, unabhängige
und transparente Auseinandersetzung mit den Jahren 1938 bis 1945.
Untersucht werden institutionelle Entwicklungen, personelle
Kontinuitäten und Brüche sowie die Auswirkungen
nationalsozialistischer Politik auf Forschung, Lehre und Verwaltung
an der Hochschule. Die Montanuniversität Leoben bekennt sich damit
ausdrücklich zu ihrer historischen Verantwortung und will einen
Beitrag zu einer reflektierten Erinnerungskultur leisten.

Zwtl.: Historischer Kontext und Relevanz

Nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich wurden Hochschulen
nicht nur zu Orten der Wissenschaft, sondern auch in politische,
wirtschaftliche und ideologische Strukturen des NS-Staates
eingebunden. Für eine technische beziehungsweise montanistische
Hochschule ist dieser Kontext in besonderer Weise bedeutsam:
Rohstoffe, Industrie und fachliche Expertise spielten eine zentrale
Rolle in der nationalsozialistischen Wirtschafts-, Autarkie- und
Rüstungspolitik. Das Projekt analysiert daher, wie sich
Forschungsschwerpunkte, Netzwerke und fachliche Selbstverständnisse
unter den Bedingungen von Diktatur, Krieg und NS-Wissenschaftspolitik
veränderten.

Zwtl.: Menschen und Verantwortungen

Im Fokus stehen nicht nur Institutionen, sondern auch die
Menschen, die an der Montanistischen Hochschule lehrten, studierten
und arbeiteten. Untersucht werden Formen von Beteiligung, Anpassung,
Karrieren, Verantwortung und mögliche Täterschaft. Das Projekt
rekonstruiert, wer von neuen Macht- und Karriereverhältnissen
profitierte, sich anpasste oder Handlungsspielräume nutzte und welche
Lebenswege Betroffene nahmen.

Zwtl.: Kooperation, Unabhängigkeit und wissenschaftliche Leitung

Die Initiative wurde vom Rektorat der Montanuniversität Leoben
unter der Leitung von Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Peter Moser
angestoßen. Die wissenschaftliche Durchführung liegt beim Ludwig
Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung unter der Leitung von
Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx. Durchgeführt wird die Forschung
in enger Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität
Graz. Ein externer wissenschaftlicher Beirat wird das Projekt
fachlich begleiten und die Unabhängigkeit der Arbeit zusätzlich
absichern.

Zwtl.: Methodik und Quellenbasis

Die Untersuchung stützt sich auf umfassende Recherchen in
universitären und externen Archiven, auf die systematische Auswertung
einschlägiger Primärquellen und Forschungsliteratur sowie auf die
kritische Einbeziehung von Erinnerungsberichten, Selbstzeugnissen und
gegebenenfalls Zeitzeugenberichten. Die Forschung erfolgt unabhängig
und ergebnisoffen.

Zwtl.: Transparenz und Publikation

Am Ende des Projekts wird ein wissenschaftlicher Abschlussbericht
vorgelegt, der öffentlich zugänglich sein wird. Der Bericht soll
zentrale Entwicklungslinien, belastbare Befunde und offene Fragen
transparent machen und damit eine Grundlage für weiterführende
Forschungen schaffen.

Zwtl.: Stimmen zum Projekt

Rektor Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Peter Moser : „Wir
stellen uns als Montanuniversität Leoben unserer historischen
Verantwortung. Die Jahre 1938 bis 1945 sind ein belastetes Kapitel
unserer Universitätsgeschichte, das wir nicht ausblenden, sondern
wissenschaftlich fundiert, unabhängig und transparent aufarbeiten
wollen. Gerade weil Wissenschaft, Technik, Rohstoffe und Industrie in
der Zeit des Nationalsozialismus eine besondere Rolle spielten, ist
diese Auseinandersetzung für eine montanistische Universität von
großer Bedeutung. Dieses Projekt soll dazu beitragen, Geschichte
sichtbar zu machen, Verantwortung zu übernehmen und eine reflektierte
Erinnerungskultur weiterzuentwickeln.“

Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx , Leiterin des Ludwig
Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für
Zeitgeschichte an der Universität Graz: „Das Projekt richtet den
Blick auf die besondere Verantwortung der Montanuniversität Leoben in
der Zeit des Nationalsozialismus. Erstmals untersucht es die
Verflechtungen von Wissenschaft, Industrie und Kriegswirtschaft an
diesem Standort ebenso wie die Lebenswege jener Menschen, die hier
von den politischen Verhältnissen profitierten, ausgeschlossen oder
verfolgt wurden. Ich freue mich sehr, dass ich mit meinem Team am
Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung und am Institut
für Geschichte der Universität Graz diese Tiefenbohrung in die
Zeitgeschichte vornehmen kann.“

Beirat
Zur fachlichen Begleitung des Projekts wird ein externer
wissenschaftlicher Beirat eingerichtet. Er unterstützt die
Qualitätssicherung, die methodische Reflexion und die
wissenschaftliche Anschlussfähigkeit der Aufarbeitung. Dem Beirat
gehören ausgewiesene Expertinnen und Experten der Zeitgeschichte,
Universitätsgeschichte, Erinnerungskultur und NS-Forschung an: Univ.-
Prof. Dr. Mitchell G. Ash, Mag.a Dr.in. Linda Erker, Prof. Mag.a.
Hannah M. Lessing, Univ.-Prof. Mag. Dr. Georg Marschnig, und Univ.-
Prof. Mag. Dr. Dirk Rupnow.
Der Beirat begleitet das Projekt beratend, die wissenschaftliche
Verantwortung und Durchführung liegen beim Forschungsteam.

Ausblick
Mit der systematischen Aufarbeitung ihrer NS-Geschichte setzt die
Montanuniversität Leoben ein deutliches Zeichen für wissenschaftliche
Redlichkeit, historische Verantwortung und Transparenz. Die
Ergebnisse sollen den weiteren Dialog über Erinnerungskultur und
Verantwortung in Wissenschaft und Gesellschaft nachhaltig
unterstützen und zugleich eine Grundlage für weiterführende
Forschungen bilden.

Link zur Webseite: https://www.unileoben.ac.at/universitaet/ziele
-und-werte/geschichte/forschungsprojekt-zur-universitaetsgeschichte/

Rückfragehinweise:
Mag. Christine Adacker
Pressesprecherin, Montanuniversität Leoben
[email protected]
+43 3842 402 7224

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at