Fischen im Trüben: Nur 3 von 84 Lachsprodukten wirklich rückverfolgbar

Wien (OTS) – Siegel, Codes, QR-Tools: Viele Lachsprodukte im
Supermarkt erwecken
den Eindruck, Konsument:innen könnten die Herkunft ihres Fisches
lückenlos nachvollziehen. Eine aktuelle Recherche von foodwatch
Österreich zeigt jedoch: Dieses Versprechen ist in beinahe allen
Fällen reine Fassade. Die Konsument:innenorganisation hat 84
Lachsprodukte im österreichischen Handel untersucht – mit
alarmierendem Ergebnis.

Nur 3 von 84 Produkten waren eindeutig bis zu einer einzelnen
Fischfarm rückverfolgbar. 26 Produkte boten überhaupt keine
Möglichkeit, die Herkunft nachzuvollziehen. Bei den übrigen 55
Produkten mit vermeintlichen Transparenz-Tools scheiterte die
eindeutige Rückverfolgung.

„Konsument:innen wird Transparenz vorgegaukelt – tatsächlich
tappen sie beim Lachskauf im Dunkeln. Wer Verantwortung und
Rückverfolgbarkeit verspricht, muss diese auch liefern“, kritisiert
Indra Kley-Schöneich, Leiterin von foodwatch Österreich.

Zwtl.: Siegel versprechen viel – halten aber wenig

Besonders häufig fanden sich Systeme wie das GGN-Label (37
Produkte) oder das ASC-Siegel (9 Produkte) sowie händlereigene
Tracking-Tools auf den Produkten. Diese werben damit, die Lieferkette
nachvollziehbar zu machen – etwa über Codes oder Online-Abfragen.

Die Praxis zeigt jedoch gravierende Mängel:

– Statt einer konkreten Herkunftsfarm werden bei GGN-Recherchen oft
nur Händler oder lange Listen von bis zu 44 möglichen Produzenten
angezeigt.

– Die hinterlegten Produzentenlisten ändern sich laufend, obwohl die
Produktnummer gleichbleibt.

– Ein dokumentierter Bug im GGN-System führte dazu, dass unabhängig
vom eingegebenen Code immer wieder dieselben Betriebe angezeigt
wurden.

– In einzelnen Fällen lieferten Tools fehlerhafte oder
widersprüchliche Ergebnisse.

– ASC-Abfragen sind für Konsument:innen kaum nutzbar: Die
aufgedruckten Codes führen ausschließlich zu Lieferanten, nicht zu
konkreten Zuchtbetrieben – bei falscher Menüauswahl werden sogar
irreführende Ergebnisse angezeigt.

Aus Sicht von foodwatch gilt: Echte Transparenz für
Konsument:innen bedeutet eine eindeutige Zuordnung zu einer konkreten
Farm – alles andere ist irreführend.

Zwtl.: Intransparenz schützt ein System mit massiven Missständen

Die fehlende Rückverfolgbarkeit ist besonders brisant angesichts
der bekannten Probleme hinsichtlich Tierleid und Hygieneverletzungen
in der industriellen Lachszucht. Der foodwatch-Report „Faule Fische“
hat Daten aus Behördenberichten, Studien und Medienberichten
ausgewertet. Demnach überlebte 2023 in Norwegen jeder vierte
Junglachs die Vorzucht nicht. Während der marinen Phase, also der
Aufzucht im Meer, verendete jeder sechste Lachs, noch bevor er
überhaupt geschlachtet werden konnte. Insgesamt starben mindestens
100 Millionen Zuchtlachse in einem Jahr. Immer wieder werden
skandalöse Vorkommnisse von einzelnen Aquafarmen und Produzenten
bekannt.

Ein Großteil der in Österreich verkauften Lachsprodukte stammt
aus genau solchen Aquakulturen. Laut der Standardorganisation
GlobalG.A.P. sind 90 Prozent der norwegischen Lachsaquakultur mit dem
GGN-Siegel versehen. ASC zertifiziert nach eigenen Angaben in
Norwegen rund 42 Prozent der Lachsproduktion.

„Wenn Konsument:innen nicht einmal wissen, von welcher Farm ihr
Fisch stammt, können sie keine informierte Entscheidung treffen.
Diese Intransparenz schützt ein System, das furchtbares Tierleid und
hohe Verluste in Kauf nimmt“, so Kley-Schöneich.

Zwtl.: foodwatch fordert klare Konsequenzen

Die Konsument:innenorganisation fordert von ASC, GGN und dem
Handel verbindliche Maßnahmen:

– Echte Rückverfolgbarkeit: Jedes Lachsprodukt muss eindeutig einer
konkreten Farm zuordenbar sein.

– Unabhängige Kontrollen: Audits müssen unangekündigt erfolgen, um
Missstände aufzudecken.

– Konsequente Sanktionen : Farmen mit dokumentiertem Massensterben
dürfen nicht länger zertifiziert werden.

Zwtl.: Jetzt handeln: Druck aufbauen für echte Transparenz

foodwatch fordert in einer neuen Petition echte Transparenz und
höhere Standards: Lachsprodukte müssen endlich wirklich
rückverfolgbar werden, Kontrollen unabhängig erfolgen und Missstände
konsequent sanktioniert werden.

Weiterführende Informationen:

Petition „Kein Siegel für Qual-Lachs“

Grafiken Lachsprodukte

Report Faule Fische

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