Wien (OTS) – „Kontinuierlich steigende Arbeitslosigkeit,
eingeschränkter
Zuverdienst und der Ausblick auf weitere Belastungen von
Geringverdiener*innen und Arbeitslosen – das ist eine schwierige
Bilanz, die wir heuer am Tag der Arbeitslosen ziehen müssen.
Angesichts der geopolitischen Lage und der strukturellen Probleme ist
auch keine Entspannung in Sicht”, so Erich Fenninger, Direktor der
Volkshilfe Österreich, am Tag der Arbeitslosen.
Die Arbeitslosigkeit stieg zuletzt bereits zum 36. Mal in Folge.
Auch die Anzahl jener, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen
sind, nimmt zu: 2025 kam es zu einer Zunahme um 25,4 Prozent. Für die
ersten Monate 2026 liegt der Anstieg im Jahresvergleich bei
durchschnittlich 24,4 Prozent. Die Entwicklung der
Langzeitarbeitslosigkeit sei alarmierend, kommentiert der Volkshilfe
Direktor.
Zwtl.: Zuverdienst-Streichung trifft sozial
Seit 1. Jänner diesen Jahres ist der Zuverdienst zum
Arbeitslosengeld und der Notstandshilfe kaum noch möglich. Das hat
gravierende Folgen. Die Zahl der Arbeitslosen mit Zuverdienst sank
laut AMS von 27.000 auf 9.000 Personen. Von den 18.000 Menschen, die
ihren Zuverdienst verloren haben, konnten zwar 1.800 eine
Vollbeschäftigung aufnehmen. 16.200 Menschen blieben aber ohne Job
und mit weniger Geld zurück.
Zwtl.: Armutsrisiko massiv erhöht
Die Armutsgefährdungsquote bei ganzjährig arbeitslosen Personen
lag 2025 bei 52 Prozent wie die gerade erschienenen Zahlen der
Statistik Austria zeigen. Selbst bei kürzerer Arbeitslosigkeit von
ein bis fünf Monaten liegt die Armutsgefährdungsquote mit 24 Prozent
deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (16 %).
Weiters gelten 361.000 Menschen als Working Poor – das sind 18-
bis 64-Jährige, die im vergangenen Kalenderjahr (2024) mehr als sechs
Monate erwerbstätig waren und dennoch unter der
Armutsgefährdungsschwelle leben. „Die Streichung des Zuverdienstes
verschärft die prekäre Situation zusätzlich“, sagt Fenninger.
Zwtl.: Arbeitsmarktspolitik statt Notstandshilfe-Angriff
Die Pläne, das Partner*inneneinkommen auf die Höhe der
Notstandshilfe anzurechnen, trifft besonders Frauen und bringt sie in
eine starke finanzielle Abhängigkeit. „Dieser sozialpolitische
Rückschritt darf nicht passieren”, mahnt Fenninger. Stattdessen
fordert die Volkshilfe die sofortige Aufhebung der Zuverdienst-
Einschränkungen sowie eine jährliche Valorisierung von
Arbeitslosengeld und Notstandshilfe. „Ein Kurswechsel ist notwendig.
Statt Druck und Kürzungen braucht es finanzielle Mittel für
Qualifikation, Beratung und nachhaltige Beschäftigungsperspektiven –
etwa über eine Jobgarantie und öffentliche Investitionen, die Jobs
schaffen. Kurzfristige Vermittlung in prekäre Jobs führt selten zu
stabiler Integration in den Arbeitsmarkt“, schließt Fenninger.