Schönheit

Feministische Standortbestimmung: Richtung ändern statt Verstummen

Wien (OTS) – Die Einreichungen zu den MedienLÖWINNEN 2026 adressieren
neben
Dauerbrennern wie Gender Health Gap, Gender Pay Gap und Gläserner
Decke vor allem drei virulente Themen im Leben von Frauen: Misogynie,
Machtmissbrauch und patriarchale Strukturen als Grundlage von
Benachteiligung. Die Antworten von Frauen auf gesellschaftliche
Schieflagen sind deutlich, zum Teil sogar radikal. Für die Jury und
Juryvorsitzende Elisabeth Pechmann bietet sich damit Jahr für Jahr
ein „dichtes Stimmungsbild zum Status quo des Feminismus“.

Für die MedienLÖWIN Silber, powered by Agrana, sind Luise Hermann
(ARD), Nele Sophie Karsten (Süddeutsche Zeitung) und Eva Sager (
Wiener Zeitung) nominiert. Die MedienLÖWIN wird für einen
Einzelbeitrag vergeben.

Die ARD-Doku „Heimlich gefilmt – online gedemütigt“ von Luise
Hermann und ihrem Team deckt auf, wie Frauen heimlich mit
Smartglasses gefilmt und die Videos auf Social Media hundertfach
geteilt werden. Eine neue Form digitaler Gewalt, die vor allem Frauen
trifft. Das Team sprach mit Betroffenen, konnte einen Täter
persönlich konfrontieren und legte strafrechtliche Lücken in der
Verfolgung offen. Die Recherche erzielte reale politische Wirkung:
Deutsche Städte wie Potsdam und Köln verboten Smart Glasses in Bädern
und Saunen. Sogar auf EU-Ebene regt sich inzwischen Widerstand gegen
die Technologie. Die Jurorinnen würdigten die Doku als „wahnsinnig
eindringlich und gut“ und hoffen, dass die Nominierung noch mehr
Journalistinnen und auch Journalisten in Österreich anregt, zum Thema
Big Tech und Frauenfeindlichkeit zu publizieren.

„Dann besser keinen“, betitelt die Journalistin Nele Sophie
Karsten ihren Text im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Die 30-
Jährige beleuchtet den Social-Media-Trend #boysober . Er ist die
Antwort ernüchterter Frauen auf Femizide, Sexismus und männlichen
Machtmissbrauch. Radikal und konzentriert konstatiert sie, dass es
angesichts struktureller Schieflagen besser wäre, ohne Mann an der
Seite durchs Leben zu gehen. Die Autorin untermauert mit
statistischen Daten, liefert wissenschaftliche Analysen sowie mit
„Heterofatalismus“ auch den bereits etablierten Fachbegriff zum
Trend, ihr internationaler Rundblick auf das Phänomen reicht bis nach
Südkorea. Eine Jurorin sagt: „Die Kombination aus fundierter
Recherche und der resignierten Selbstoffenbarung einer noch so jungen
Frau hat mich wirklich bewegt.“ Die Radikalität, mit der hier mit
tradierten Mustern aufgeräumt werde, sei beeindruckend und klarer
Ausdruck davon, dass zu lange zu wenig gegen die evidenten Missstände
getan wurde.

Ausgehend von der Causa ORF/Weißmann thematisiert Eva Sagers
Beitrag „Wenn ich einen guten Arsch sehe, muss ich draufhauen“ für
die Wiener Zeitung sexuelle Belästigung in der Medienszene und macht
strukturelle Ungleichheiten sowie Machtmissbrauch im journalistischen
Arbeitsumfeld sichtbar. Persönliche Berichte Betroffener, fundierte
Recherche und klare gesellschaftliche Einordnung verbinden sich zu
einer differenzierten Aufbereitung eines oft tabuisierten Themas. Die
Jurorinnen würdigten die Dramaturgie von brutalen persönlichen
Erlebnissen hin zur fundierten Problemanalyse und begrüßen, dass Wege
zur Lösung aufgezeigt werden. Eine Jurorin: „Journalismus als Säule
der Demokratie muss auch die Machtstrukturen hinter dem Missbrauch
ansprechen, der vorliegende Beitrag tut das.“ Es gelingt dem
ehemaligen YoungStar, einen wichtigen Beitrag zur Förderung eines
zeitgemäßen Frauenbildes zu leisten. Gleichzeitig stärkt die junge
Journalistin die öffentliche Sensibilisierung für
Gleichstellungsfragen.

Zwtl.: Raus aus dem patriarchalen Schatten

Der MedienLÖWE ist die Statue, die einen Teamerfolg auszeichnet.
Nominiert sind Radio Bremen für WDR COSMO, das Magazin profil und die
Medienplattform Welt der Frau. Die Statuette wird von Österreichische
Lotterien gestiftet.

In über 50 Episoden erzählt die Sendereihe „Lost Sheroes –
Frauen, die in den Geschichtsbüchern fehlen“ (eine Produktion von
Radio Bremen für WDR COSMO) die Geschichten von Frauen, die aus dem
historischen Gedächtnis verdrängt wurden, angefangen von der ersten
namentlich bekannten Autorin der Menschheitsgeschichte bis zu
vergessenen politischen Kämpferinnen. Die Reihe hinterfragt, warum
außergewöhnliche Leistungen von Frauen aus der kollektiven Erinnerung
verschwunden sind. Damit macht sie weibliche Vorbilder sichtbar,
zeigt Frauen als handelnde Akteurinnen der Geschichte – und
thematisiert auch immer wieder, wie männlich dominierte
Machtstrukturen Frauen aus der Geschichtsschreibung drängen. Die
Jurorinnen lobten die inhaltlichen „Aha-Erlebnisse“ sowie die
lebendige, zeitgemäße und unterhaltsame Sendungsgestaltung.

Die Medienplattform „Welt der Frauen“ produziert mit ihrem
gleichnamigen Print-Magazin seit 80 Jahren konsequent frauenbewussten
Content. Das Medium ist eng mit der Katholischen Frauenbewegung
verbunden und wird von einem kirchlichen Beirat begleitet. Die
Redaktion schreibt mutig und entschlossen zu fast allen kontroversen
Frauen-Themen, oft tut sie das hart an der Grenze dessen, was ihre
organisatorische Einbindung erlaubt. Die Jurorinnen betonten: „Das
Medium erreicht seit acht Jahrzehnten Leserinnen, die sich dem urban-
liberalen Gleichstellungsdiskurs verschließen. Damit schafft es eine
höchst wertvolle Anschlussfähigkeit zu Gruppen, die bei der
gesamtgesellschaftlichen Betrachtung von Geschlechtergleichstellung
nicht ausgespart bleiben dürfen.“

Zum Internationalen Frauentag 2026 widmete das Nachrichtenmagazin
„profil“ eine Spezialausgabe mit 50 Seiten ausschließlich dem
Feminismus. Am Beispiel von Politikerinnen, Pionierinnen, Chefinnen,
Punk-Musikerinnen oder Fastnachtsvereinspräsidentinnen vermisst das
Special den Stand der Gleichberechtigung in Job, Bildung und Alltag.
Schon das Cover mit der Headline „Jössas, a Weib!“ macht klar, dass
das ohne Samthandschuhe geschah. Die Jurorinnen lobten die Vielfalt
der Perspektiven und die hohe schreiberische Qualität mit Aussagen
wie: „Da sind ein paar echte Edelfedern versammelt“. Eine Jurorin zog
zugleich ein persönliches Fazit: „Sonderausgaben zum Frauentag sind
leider nach wie vor nötig.“ Die Leitung des Projekts oblag profil-
Chefredakteurin Anna Thalhammer und Sebastian Hofer.

Fazit der Juryvorsitzenden Elisabeth Pechmann zu den heurigen
Einreichungen: „Die vielen Einreichungen zu MedienLÖWINNEN geben Jahr
für Jahr ein dichtes Stimmungsbild. Sie sind ein guter Indikator für
die aktuelle Standortbestimmung zu Feminismus und Gleichstellung.
Leider wird auch heuer wieder deutlich, dass die Richtung definitiv
nicht stimmt.“

Mit der Auszeichnung zur MedienLÖWIN heben wir Jahr für Jahr die
Arbeit herausragender Journalistinnen hervor. Sie werden zu Role-
Models für den Nachwuchs, machen Mut und geben Orientierung. Denn
klar ist: Eines Tages wird die Richtung stimmen. Wir geben sicher
nicht auf und küren am 3. November 2026 bei der Gala der
MedienLÖWINNEN im Haus der Industrie die Siegerinnen.