Wien, 12.8.2026 (OTS) – Die Caritas der Erzdiözese Wien, die Clean
Clothes Campaign,
FAIRTRADE Österreich, GLOBAL 2000, der Handelsverband und Südwind
fordern die Bundesregierung auf, sich national und auf EU-Ebene für
faire Wettbewerbsbedingungen im Onlinehandel einzusetzen. In einem
gemeinsamen offenen Brief warnen die Organisationen vor einem
zunehmenden Ungleichgewicht zwischen heimischen Unternehmen und
großen internationalen Plattformen und Direktversendern.
Während österreichische Betriebe umfassende Vorgaben zu
Produktsicherheit, Konsument:innenschutz, Steuern, Umweltstandards
und Arbeitsrechten erfüllen müssen, gelangen Produkte aus
Drittstaaten vielfach ohne ausreichende Kontrollen auf den
europäischen Markt. Allein im Jahr 2025 wurden 5,9 Milliarden E-
Commerce-Sendungen mit geringem Warenwert (unter 150 Euro) in die EU
eingeführt. Zoll- und Marktüberwachungsbehörden können jedoch nur
einen Bruchteil dieser Paketflut kontrollieren.
„Wir können nicht länger akzeptieren, dass ausgerechnet jene
Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil haben, die EU-Vorgaben zur
Produktsicherheit, zu Steuern, Umwelt- und Arbeitsstandards umgehen.
Wer Zugang zum europäischen Markt will, muss sich auch an die
europäischen Regeln halten“, betont Rainer Will, Geschäftsführer des
Handelsverbands. Dafür braucht es Maßnahmen, um diese Verantwortung
konsequent einzufordern.
Zwtl.: Das Bündnis fordert insbesondere:
– mehr personelle und technische Ressourcen für Zoll- und
Marktüberwachungsbehörden , um wirksame Kontrollen zu ermöglichen und
bestehende Schlupflöcher zu schließen
– einen rascheren Aufbau des geplanten europäischen Zolldatenzentrums
, damit Behörden Sendungs- und Risikodaten EU-weit besser
austauschen, verdächtige Waren gezielter identifizieren und
Kontrollen effizienter durchführen können
– die geplante Überarbeitung der Marktüberwachungsverordnung und des
neuen EU-Rechtsrahmens („NLF“) im Rahmen des European Product Act als
Chance nutzen
– eine klare Haftung von Online-Plattformen aus Drittstaaten: Werden
Produkte ohne verantwortlichen Wirtschaftsakteur in der EU angeboten,
sollen die Plattformen selbst Verantwortung übernehmen – für
rechtskonforme und sichere Produkte am europäischen Markt;
– wirksame und abschreckende Sanktionen bei wiederholten
Rechtsverstößen, bis hin zu temporären Sperren als Ultima Ratio.
Damit soll verhindert werden, dass Plattformen Verstöße dauerhaft als
kalkulierbares Geschäftsrisiko behandeln.
„Fairer Handel braucht verbindliche Regeln, wirksame Kontrollen
und gleiche Bedingungen für alle Marktteilnehmer:innen. Unternehmen,
die Verantwortung entlang ihrer Lieferketten übernehmen, dürfen
gegenüber jenen, die europäische Standards umgehen, nicht
benachteiligt werden“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von
FAIRTRADE Österreich.
Die unterzeichnenden Organisationen appellieren an die
Bundesregierung, den Vollzug in Österreich zu stärken und sich auf EU
-Ebene konsequent für Plattformverantwortung, Produktsicherheit,
Menschenrechte, Umweltschutz und faire Wettbewerbsbedingungen
einzusetzen.
Zwtl.: Weitere Zitate der unterzeichnenden Organisationen:
Caritasdirektor Klaus Schwertner betont: „Ein fairer Markt darf
weder die Würde der Menschen noch den verantwortungsvollen Umgang mit
unseren Ressourcen aushebeln. In unseren carla-Shops erleben wir
täglich, wie soziale Teilhabe ermöglicht, die Umwelt geschont und
faire Arbeitsplätze geschaffen werden können. Wenn internationale
Plattformen sich ihrer sozialen, steuerlichen und ökologischen
Verantwortung entziehen, geraten jene unter Druck, die nachhaltig und
verantwortungsvoll wirtschaften. Deshalb braucht es verbindliche
Regeln und gleiche Bedingungen für alle.“
„Temu, Shein und Co. sind gigantische Müllmaschinen. Aggressive
Werbung lockt uns in eine Müll-, Klima- und Ressourcenfalle. Unser
Test letztes Jahr hat gezeigt, dass chinesische Ultra-Fast-Fashion
eine Gefahr für die Umwelt und die Menschen ist. Die aus
Plastikfasern bestehende Kleidung steckt voller Gift, ist kaum
recycelbar und landet nach kurzem Tragen im Müll. Umweltstandards
schützen uns und müssen für alle gelten“, fordert Alexandra
Strickner, Geschäftsführerin der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000
.
„Menschenrechte und Arbeitsstandards entlang globaler
Lieferketten dürfen keine Frage des Vertriebswegs sein – egal ob es
um Kleidung, Elektronik oder andere Waren geht. Wir brauchen eine
klare Plattformhaftung, damit Verantwortung für Menschenrechte
entlang der Lieferkette nicht im rechtsfreien Raum verschwindet“,
sind sich Südwind-Geschäftsführer Konrad Rehling und Lena Gruber,
Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne Österreich , einig.
Hier geht es zum offenen Brief.