Fact-Checking-Konferenz: Der Wert von Fakten

Wien (OTS) – Die dritte Auflage der von der APA – Austria Presse
Agentur
veranstalteten Fachtagung „The Future of Fact Checking“ widmete sich
gestern, Dienstag, umfassend den Fragen, wie, wo und warum Fakten
vermittelt werden können und sollen. Die hochkarätig besetzten Panels
und Vorträge im Wiener Tech Gate wurden von ORF-Redakteur Stefan
Lenglinger moderiert.

Demokratien seien verwundbar, konstatierte etwa APA-
Chefredakteurin Maria Scholl in ihren Begrüßungsworten: „Der Begriff
‚alternative Fakten‘ ist gut gealtert und wir sind umstellt von ihnen
wie von einer Mauer.“ Die Profession des Faktencheckens sei eine
Reaktion auf die Erkenntnis, dass für eine funktionierende Demokratie
alle an einer faktenbasierten Erzählung teilhaben müssen.
Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa zeichnete per Videobotschaft
ein düsteres Bild und warnte: Ohne Fakten verliere man nicht nur
Journalismus und Demokratie, sondern zudem die geteilte Realität;
derzeit sei eine „Schlacht um Fakten“ im Gange.

Kabarettist Thomas Maurer gab in seiner Keynote einen
unterhaltsamen Einblick in seine Erfahrungen mit Deep Fakes,
Verschwörungstheorien und diversen Social-Media-Plattformen. Zu
dortigen Umgangskultur stellte er die Frage, welche Vorstellung
eigentlich unheimlicher sei: „Dass das alles nicht mehr echte
Menschen sind oder dass echte Menschen sowas schreiben?“

Neben Maurer widmeten sich in der anschließende Panelrunde Jana
Meixner, Autorin bei Medizin transparent, Regisseur Friedrich Moser,
der zuletzt den Dokumentarfilm „How to Build a Truth Engine“
veröffentlichte und Lea Pichler, Projektmanagerin von FÄKT, einer
Social-Media-Initiative der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften, der Frage, wie Fakten vermittelt werden können. Die
Herausforderungen seien heute gerade für Jugendliche groß, vor allem
weil sich das Gehirn noch in der Entwicklung befinde, hielt etwa
Pichler fest. Storytelling sei essenziell, um die eigenen Inhalte
auch zu vermitteln: „Eine falsche Geschichte kann man nicht mit
Fakten widerlegen, sondern nur mit einer besseren Geschichte“,
betonte Meixner. Moser hob die Wichtigkeit europäischer Alternativen
und Plattformen hervor: „Es wird uns nicht gelingen, die US-Konzerne
zu regulieren.“

Zum Start des Nachmittags präsentierte Florian Schmidt, Leiter
des APA-Faktencheck-Teams, Tipps und Einblicke aus seiner praktischen
Arbeit: Einerseits die Bilder-Rückwärtssuche, mit der Bilder und
Videosequenzen auf ihre Herkunft geprüft werden können, anderseits
die intelligente Browser-Suche mittels Verwendung von Operatoren.
Weiters gab er einen Überblick über die Schulungen und Awareness-
Initiativen von APA-Faktencheck.

Im zweiten Panel des Tages diskutierten Christoph Köttl,
Journalist bei der New York Times, Stephan Mündges, Koordinator des
European Fact Checking Standards Network (EFCSN) und Mariam
Tsitsikashvili, Faktencheckerin beim Think-Tank GRASS in Georgien
unter anderem die globalen Arbeitsbedingungen für
Faktenchecker:innen. Tsitsikashvili bot dabei Einblicke in die
Arbeitsrealitäten in einem Land, das in den letzten Jahren stark in
eine autoritäre Richtung abgerutscht ist: „Jeder einzelne Fakt, den
wir zu einem politisch sensiblen Thema publizieren, ist ein
Sicherheitsrisiko und kann potenziell zu Anzeigen und
Gefängnisstrafen führen.“ Die Situation in den USA sei im
journalistischen Alltag für ihn noch stabil, berichtete Köttl, doch:
„Das Klima und wie Politiker:innen hier über die Presse und
Journalist:innen sprechen, macht aber traurig, frustriert und
erschöpft uns.“ Auch Mündges bewertete die gegenwärtige Situation
pessimistisch und sieht etwa alarmierende Entwicklungen bei den Tech-
Giganten. Doch er verwies auch auf positive Entwicklungen und sieht
die Aufgabe von Journalismus darin, „qualitativ hochwertige Inhalte
zu liefern, auf die die Menschen zurückgreifen können.“

Im abschließenden Panel der Fachtagung debattierten Buchautorin
und Kolumnistin Ingrid Brodnig, Christo Buschek, Investigativ-
Journalist bei Der Spiegel und Senior Fellow der Mozilla Foundation,
Rechtswissenschaftler Matthias Kettemann und die Leiterin des ORF-
Verification-Teams Helene Voglreiter darüber, ob Fact Checking
überhaupt Sinn mache. Für Voglreiter stellt sich die Gegenfrage: „Was
ist die Alternative?“ Ohne Faktenchecks würde nur die Falschmeldung
stehen bleiben, was handfeste Auswirkungen in der Realität habe.
„Paradoxerweise kann das Diskutieren über Desinformation auch dazu
führen, dass sie erfolgreicher ist, als sie sein müsste. Deshalb ist
die Medienkompetenz auch so wichtig“, ergänzte Kettemann. In punkto
Regulierungen sah Brodnig die EU zwar einerseits auf dem Papier auf
einem guten Weg, die neuen Regeln, die unter anderem im Digital
Services Act festgeschrieben seien, müssten aber erst mit Leben
erfüllt werden. Für die Zukunft hielt Buschek fest, dass sich
Technologien und Werkzeuge des Faktenchecks zwar ändern würden, die
dahinterstehenden Grundprinzipien und Werte aber unverändert bleiben
– daran gelte es festzuhalten.

Das Event wurde von der Austrian Development Agency, dem
Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, der
Österreichischen Nationalbank, der Stadt Wien und der Vienna
Insurance Group unterstützt.

Die Veranstaltung zum Nachsehen in Video und Bild ist verfügbar
unter: https://apa.at/blog/the-future-of-fact-checking-2025-nachlese/

Am Vorabend der Konferenz fand als Pre-Event ein Filmscreening
von „How to Build a Truth Engine“, der sich mit dem Kampf gegen Fake
News befasst, mit Regisseur Friedrich Moser im Burgkino statt.

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