Herning (OTS) – Königlicher Besuch inmitten von Kabeln, Zangen und
Maschinen:
Dänemarks Monarch Frederik X. verschaffte sich am Donnerstag einen
Eindruck von den EuroSkills 2025. Mehr als zwei Stunden spazierte er
durch die Messehallen, plauderte mit Offiziellen und blickte den 600
jungen Fachkräften aus 32 Nationen über die Schulter.
Gefragt nach den handwerklichen Talenten im eigenen Haus,
reagierte der König mit Humor: „Es sind die Damen“, sagte er lachend
auf die Frage, wer in Amalienborg am geschicktesten mit Hammer und
Säge umgehe. Ob er damit Königin Mary, die Töchter Isabella und
Josephine oder gar seine Mutter, die frühere Königin Margrethe
meinte, ließ er offen.
Besonders aufmerksam verfolgte Frederik X. die Arbeit der
Kärntner Mechatroniker Noah Scheriau und Leon Korak ( hier zum Foto )
. Konzentriert schraubten und programmierten die beiden weiter – der
royale Blick im Rücken änderte daran wenig. Korak gesteht: „Ich hab‘
das gar nicht richtig mitbekommen.“ Scheriau lacht: „Maximal hab‘ ich
kurz wahrgenommen, dass uns besonders viele Menschen zuschauen.“ Für
die beiden stand die Aufgabe im Fokus. Das ist auch erforderlich,
immerhin gilt der Teambewerb der Mechatroniker als einer der
technisch anspruchsvollsten Wettkämpfe: Innerhalb von drei Tagen
müssen die beiden jungen Fachkräfte der Flextronics in Althofen
industrielle Systeme konzipieren, verdrahten, programmieren und in
Betrieb nehmen. Präzision, analytisches Vorgehen und reibungslose
Zusammenarbeit sind dafür unerlässlich. Am Samstag wollen sich die
beiden die Krone in diesem Wettbewerbsberuf aufsetzen.
Oberösterreichisches Medaillenmenü
Handwerk ist generell König in Dänemark: Das beweist auch der
oberösterreichische Koch Hannes Sortsch . Für ihn besteht der
Wettbewerb aus einer streng getakteten Abfolge von Gängen:
Fischvorspeise mit Lachs und Zander mit Roter Rübe kredenzte er an
Wettkampftag eins. Karotte mit Pfirsich und Kürbis mit Garnele
serviert er heute – das vegetarische Gericht forderte die 22-jährige
Fachkraft vom Restaurant „Das Traunsee“ besonders heraus. „Das
verlangt viel Feingefühl, weil man aus vermeintlich einfachen Zutaten
etwas Besonderes machen muss. Genau das macht diesen Wettbewerb so
spannend: man ist ständig am Limit – und doch geht es darum, Ruhe zu
bewahren“, sagt die Medaillenhoffnung. Auf seiner EuroSkills-
Menükarte stehen außerdem noch Lemon Tarte mit Himbeeren, Hühnchen
mit Mais und Hummer sowie als finaler Gang ein Éclair. Ob all diese
Komponenten am Ende zu einem Medaillenmenü verschmelzen, entscheidet
sich am Samstagabend.
Steirerin verletzt sich am Finger
Bis dahin muss auch Sophie Bretterklieber durchhalten: Die
Floristin aus der Steiermark verletzte sich gleich zu Beginn am
Finger, als sie mit dem Messer Blumen für ihren Strauß vorbereitete.
„Das Lego, das ich in die Arbeit eingebaut habe, war dann gleich
einmal voller Blutflecken“, erzählt sie lachend – eine
Aufgabenstellung verlangte nach einer floralen Komposition mit den
aus Dänemark stammenden Bausteinen. Trotz der Verletzung meisterte
die 22-Jährige den Auftakt souverän: Strauß und Pflanzschale wurden
termingerecht fertig. Weiter ging es mit einem Brautstrauß, in den
als Pflichtteil ein Stück Fell eingearbeitet werden musste – das
Thema: Wikinger. „Da musste ich meinen ursprünglichen Plan
kurzfristig ändern“, sagt die Mitarbeiterin von Floristik Obendrauf.
Dazu kam eine Überraschungsaufgabe, die sie ohne Vorbereitung zu
lösen hatte. Ihre Mutter Martina verfolgt das Geschehen von der
Tribüne aus. „Wir schicken uns Blicke zu – das reicht, um Kraft zu
geben“, sagt sie und betont: „Was Sophie hier leistet, macht mich
unglaublich stolz.“
Vorarlberger Teamküken agiert abgebrüht
Im CNC-Fräsen tritt der Vorarlberger Deniz Mutun, der Jüngste im
österreichischen Team, an. Seine Aufgabe ist es, nach vorgegebenen
Zeichnungen komplexe Metallteile herzustellen – von der
Programmierung über die Werkzeugwahl bis zum präzisen Fräsen an der
Maschine. Maßhaltigkeit, Oberflächenqualität und die Einhaltung
engster Toleranzen entscheiden über die Bewertung. Selbst kleinste
Abweichungen werden dokumentiert, jedes Werkstück vermessen. Für
Mutun bedeutet der Wettkampf, das zu zeigen, was im industriellen
Alltag selten sichtbar wird: die stille Präzision hinter
hochkomplexen Werkstücken. „Man darf sich keinen Fehler erlauben. Es
geht darum, drei Tage lang konzentriert zu bleiben und jeden Schritt
sauber abzuarbeiten – nur dann hat man eine Chance auf Edelmetall“,
sagt das 19-jährige Talent von Julius Blum.
1.000 Fans aus Österreich: „Finals“ stehen vor der Tür
Am morgigen Freitag fällt in Herning die Entscheidung: Dann
steigen die Finaldurchgänge, ehe am Samstagabend die Medaillen
vergeben werden. Für Österreichs 44 Young Professionals heißt das:
volle Konzentration bis zur letzten Minute. Mehr als 1.000 Fans aus
der Heimat werden in Herning erwartet. (PWK358/HSP)
Fotos (© SkillsAustria/Slovencik/Wieser)
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Fotos vom königlichen Besuch finden Sie auf unserer Flickr-
Galerie.
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Wettbewerbsfotos von Tag zwei werden im Laufe des Nachmittags
hochgeladen: Weitere Bilder finden Sie hier .