Europa-Forum Wachau 2026: Ein Tag im Zeichen europäischer Sicherheit, Digitalisierung und Gesundheit

Wachau (OTS) – Wachau, 19. Mai 2026 – Das Europa-Forum Wachau 2026
hat heute
intensive Diskussionen und wegweisende Analysen zu den drängendsten
Fragen der europäischen Zukunft geliefert. Am „Technology Day“
konzentrierten sich die Beiträge auf die europäische
Sicherheitsarchitektur, die digitale Souveränität sowie die Resilienz
und den Wandel des Gesundheitssystems.

Am zweiten Tag des Europa-Forum Wachau kamen hochrangige
Politiker, Militärexperten, Wirtschaftsvertreterund Wissenschaftler
zusammen, um gemeinsame Lösungsansätze für ein stärkeres und
handlungsfähigeres Europa zu erarbeiten.

Der Tag begann mit einer Keynote von Verteidigungsministerin
Klaudia Tanner, die sich der Neuausrichtung der europäischen
Sicherheitsarchitektur widmete. „Es besteht die Notwendigkeit, Europa
von einem Friedens- auch zu einem Sicherheitsprojekt zu entwickeln.
Angesichts einer sich wandelnden Weltordnung, die zunehmend von
Rivalität und Machtpolitik geprägt ist, muss Österreich seine
gesamtstaatliche Resilienz stärken und aktiv an der europäischen
Sicherheits- und Verteidigungspolitik teilnehmen“, so Klaudia Tanner.

Nikolaos Dendias, der Minister für Nationale Verteidigung
Griechenlands, unterstrich in seiner Rede, dass traditionelle
Annahmen über Frieden und Sicherheit nicht mehr zeitgemäß seien. Er
forderte einen Umbau der europäischen Verteidigungsstrategie auf vier
Säulen: politischer Wille, industrielle Kapazität, Innovation und
technologische Souveränität, wobei eine Überarbeitung des SAFE-
Mechanismus unerlässlich sei.

Anatolie Nosatîi, Verteidigungsminister der Republik Moldau, hob
hervor, wie sein Land sich angesichts hybrider Bedrohungen neu
positioniert und die europäische Integration als strategisches
Sicherheitsziel verfolgt. Moldau agiere als strategischer Verbinder
in der Schwarzmeerregion und setze auf Modernisierung der nationalen
Armee sowie Interoperabilität mit europäischen Partnern.

Die anschließende Podiumsdiskussion „Under Pressure: Strategic
Realities and the Modernization of Austria’s Defense in a Changing
Security Landscape“ vertiefte die
Erkenntnisse der Keynotes. Unter der Leitung von Sebastian Enskat von
der Konrad Andenauer Stiftung diskutierten Experten wie Carlo Masala
(Universität der Bundeswehr) und Markus Reisner und beleuchteten die
Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die europäische
Verteidigungspolitik. Es wurde die Notwendigkeit einer wehrhaften
Gesellschaft, die Stärkung der Rüstungsindustrie und die Anpassung
bürokratischer Prozesse betont. Harald Vodosek stellte die
Modernisierungsbemühungen des österreichischen Bundesheeres vor, die
alle Dimensionen der Multi-Domain Operation umfassen und durch
internationale Kooperationen ergänzt werden. Rechtsanwalt und
Vergaberechtsexperte Martin Schiefer ging in seinem Statement auf die
regulatorischen Herausforderungen ein: „Wir versuchen derzeit, mit
einer Regulatorik aus den 1950er- und 1960er-Jahren die heutigen
Herausforderungen zu bewältigen. Dafür braucht es mehr Kooperation
und mehr Geschwindigkeit. Ohne Europa geht es nicht – mit Europa ist
es allerdings manchmal auch schwierig. Entscheidend ist die
Einbindung aller Akteure: der Zivilgesellschaft ebenso wie
industrieller Kooperationen. Das schafft Impulse für den
Kapitalmarkt. Gleichzeitig sind auch wir selbst gefordert –
insbesondere im Bereich der geistigen Landesverteidigung.“

Souveränität Europas unter den Aspekten Gesundheit,
Digitalisierung und Sicherheitspolitik

Ein weiterer Fokus des Tages lag auf dem Gesundheitssystem. Die
Paneldiskussion „Wandel des Gesundheitssystems & Niederösterreichs
Antwort“ thematisierte die strukturellen Transformationen, den
demografischen Wandel und den Fachkräftemangel. Landesrat Anton
Kasser präsentierte Niederösterreichs Gesundheitsplan 2040 Plus, der
auf Konsolidierung, neue ambulante Versorgungsformen und eine
Steigerung der Ausbildungsplätze abzielt. „Niederösterreich ist auch
wirklich intensiv unterwegs bei der Forschung. Ich denke da an ISTA
mit Prof. Kubin, da werden wir in Kürze 2.500 Forscherinnen und
Forscher beschäftigen“, so Kasser.

Elisabeth Bräutigam von der NÖ Landesgesundheitsagentur betonte
die Wichtigkeit der qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung
in Niederösterreich. „Jeder im Bundesland muss Zugang zur
Spitzenmedizin haben, egal wo die Diagnose gestellt wird“, so
Bräutigam.

Peter McDonald, Vorsitzender der ÖGK, hob die finanziellen
Herausforderungen hervor und forderte eine stärkere
Patientensteuerung sowie eine bessere Kooperation zwischen
Sozialversicherung und den Bundesländern.

Die digitale Souveränität Europas war das zentrale Thema der
Session „Digitale Souveränität: Kann Europa noch aufholen?“.
Staatssekretär Alexander Pröll, Iulian Cosmin Margeloiu (Rumänien)
und führende Vertreter aus der Wirtschaft wie Patricia Neumann (
Siemens AG Österreich) und Thomas Arnoldner (A1 Telekom Austria)
waren sich einig, dass Europa nur durch einen fundamentalen Wandel in
Mindset und Handlungsgeschwindigkeit aufholen kann. Es wurde die
Überwindung nationaler Fragmentierung, die Stärkung europäischer
Industriepolitik und gezielte Investitionen in Bildung und
Infrastruktur gefordert, um in Schlüsseltechnologien wie KI
wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein weiteres Highlight war der Pharmig Salon unter dem
„Gesundheit & Sicherheitspolitik: Arzneimittel als strategische
Ressource“. Stefan Hendriks (Novartis) und Professor Monika Köppl-
Turyna (EcoAustria) identifizierten bürokratische Hürden, langsame
Zulassungsverfahren und mangelndes Risikokapital als Hauptgründe fu
̈r Europas Rückstand im globalen Innovationswettbewerb. Professor
Markus Müller (Medizinische Universität Wien) plädierte für die
Schaffung eines starken Ökosystems für Innovation, statt zu viel
strategischer Steuerung. Walter Feichtinger betonte, dass
pharmazeutische Produkte längst zu einem Instrument der Machtpolitik
geworden seien, weshalb Europa seine Forschung und Produktion stärken
müsse.

Landesrat Kasser verwies auf die Initiativen Niederösterreichs
zur Förderung der Forschung und Stärkung der regionalen Kliniken.
„Wir haben eine eigene Abteilung in der LGA, die die Forscherinnen
und Forscher sprichwörtlich bei der Hand nimmt und durch alle
bürokratischen Hürden leitet, damit sie forschen können und nicht
Papiere ausfüllen müssen“, so Landesrat Anton Kasser.

Der abschließende Programmpunkt „Rüstung & Sicherheitspolitik:
Industrielle Kooperationen und regionale Chancen“ wurde von der
ecoplus präsentiert und unterstrich die Notwendigkeit einer
gesamtgesellschaftlichen Stärkung der Resilienz. Unter anderem
diskutierten Nicolas Stockhammer, Claus Zeppelzauer, Reinhard Marak (
WKÖ), Markus Singer und Peter Koren (Industriellenvereinigung) über
die veränderte Sicherheitslage, die sich durch eine „Sattelzeit“ des
Terrorismus und staatliche Destabilisierung auszeichnet. Die
Wirtschaft signalisierte ihre Bereitschaft, in Forschung und
Entwicklung zu investieren, forderte jedoch rechtliche Anpassungen
für eine effizientere Wehrfähigkeit und industrielle Kooperationen.
Eine verstärkte europäische Verteidigungsfähigkeit, die Nutzung der
Flexibilität der österreichischen Neutralität und die Stärkung der
geistigen Resilienz, insbesondere bei Jugendlichen, wurden als
zentrale Handlungsfelder identifiziert.
„Sicherheit, Innovation und Zusammenarbeit sind Grundpfeiler einer
resilienten und wettbewerbsfähigen europäischen Gesellschaft“, so
Claus Zeppelzauer.

Mit den parallel stattfindenden Salons setzte das Europa-Forum
Wachau 2026 auch am Nachmittag thematische Schwerpunkte an der
Schnittstelle von Technologie, Demokratie und geopolitischer
Zusammenarbeit. Im „Google AI Salon“ diskutierte Christine Antlanger-
Winter mit internationalen Experten über den Einsatz Künstlicher
Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung, digitale Souveränität und
die Frage, wie demokratische Systeme von innovativen GovTech-Lösungen
lernen können.

Der von den Millstätter Wirtschaftsgesprächen präsentierte Salon
„Demokratie, Macht & Medien“ widmete sich der Stabilität
demokratischer Institutionen in Zeiten globaler Unsicherheit. Im
Zentrum standen dabei das Verhältnis zwischen Politik und Medien, der
Einfluss digitaler Plattformen sowie die Herausforderungen durch
Polarisierung und Vertrauensverlust.

Im „IDM Danube Salon“ stand die Ukraine im Mittelpunkt der
Diskussion. Unter der Moderation von Sebastian Schäffer diskutierten
unter anderem Martin Eichtinger und Simon Ortner über die Bedeutung
regionaler Kooperationen und grenzüberschreitender Netzwerke für den
Wiederaufbau des Landes sowie für die europäische Integration im
Donauraum.