Wien (OTS) – Die wirtschaftlichen Sorgen werden zwar größer, doch die
Menschen
schätzen Frieden, Schutz und Zusammenarbeit in der EU ebenso wie die
Lebensqualität, die ihnen die EU bietet.
–
Für 76% der Österreicherinnen und Österreicher ist die EU ein
Hort der Stabilität in einer krisenhaften Welt – sechs Prozentpunkte
mehr als im Herbst 2025 (EU: 75%, + 8%)
–
74% (AT: 62%), erachten die EU-Mitgliedschaft als Vorteil für ihr
Land insbesondere den Beitrag der EU zu mehr Sicherheit und zur
Friedenssicherung (EU: 40%, AT: 38%)
–
Für 68% (AT: 45%) der Befragten sollte die EU beim Schutz der
Bevölkerung vor weltweiten Krisen und Sicherheitsrisiken eine größere
Rolle spielen
–
73% (AT: 62%) wollen, dass der EU mehr Mittel für die Bewältigung
weltweiter Probleme zur Verfügung stehen
Die am Mittwoch veröffentlichte neueste Eurobarometer-Umfrage des
Europäischen Parlaments zeigt, dass die Bevölkerung die EU als
sicheren Zufluchtsort in einer unsicheren Welt wahrnimmt. Für 75% (
AT: 76%) der Befragten ist die EU ein Hort der Stabilität in einer
von Krisen erschütterten Welt – acht Prozentpunkte mehr als im Herbst
2025 (AT: +6%). Dies ist der zweithöchste Wert der letzten zehn
Jahre.
Die jüngsten weltweiten Entwicklungen lassen die Befragten
skeptischer in die Zukunft der Welt blicken: Die Hälfte der Befragten
in Österreich (EU: 58%, AT: 50%) sagt, sie sehen die Zukunft der Welt
pessimistisch, 37 % sind pessimistisch, was die Zukunft der EU
betrifft, 28% (EU: 40%) blicken pessimistisch in die Zukunft ihres
Landes. Auf individueller Ebene ergibt sich ein positiveres Bild: Ein
Großteil der Österreicherinnen und Österreicher (EU: 76%, AT: 81%)
ist optimistisch, was die eigene Zukunft und die Zukunft der Familie
betrifft.
Allgemein schwankt die Stimmung der Befragten zwischen
Unsicherheit (EU: 44 %, AT: 43%) und Hoffnung (EU: 43%, AT: 37%).
Diese beiden Begriffe werden am häufigsten genannt, wenn es darum
geht, den augenblicklichen Gefühlszustand zu beschreiben.
Friedenssicherung wichtiger Pluspunkt der EU-Mitgliedschaft
Angesichts einer Welt im Wandel, in der sich Bündnisse
verschieben, wird die EU-Mitgliedschaft von 74 % (AT: 62%) der
Befragten als vorteilhaft angesehen. Damit wird der im Januar/Februar
2025 europaweit verzeichnete Höchstwert eingestellt. Als zentraler
und immer wichtiger Pluspunkt der Mitgliedschaft wird der Beitrag der
EU zu Friedenssicherung und mehr Sicherheit betrachtet. 40 %, Anstieg
um drei Prozentpunkte seit Frühjahr 2025 (AT: 38%, +4%). An zweiter
Stelle steht hier mit 34 % (AT: 27%) die verbesserte Zusammenarbeit
zwischen den Mitgliedstaaten, die sich aus der EU-Mitgliedschaft
ergibt.
„In Zeiten globaler Unsicherheit sehen die Europäerinnen und
Europäer die Europäische Union zunehmend als Leuchtturm der
Stabilität. In einer von Unruhen geprägten Welt ist dieses Vertrauen
Europas größter Trumpf. Damit verbunden ist die klare Erwartung, dass
wir entschlossen handeln, um unseren Bürgerinnen und Bürgern
Sicherheit, Wohlstand und Chancen zu bieten“, sagte die Präsidentin
des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola.
Hohe Erwartungen an die EU – mehr geopolitische Unabhängigkeit
Um ihre geopolitische Position zu stärken, sollte die EU nach
Meinung von 39 % (AT: 32%) der Befragten den Schwerpunkt auf
Verteidigung und Sicherheit legen. Auch Energieunabhängigkeit steht
hoch im Kurs : Sie wird von 35 % (AT: 33%) als Priorität genannt –
ein Zuwachs um sechs Prozentpunkte (AT: +4%) seit Herbst 2025.
Drittwichtigster Schwerpunktbereich zur Stärkung der Stellung der EU
in der Welt sind für die Befragten Wettbewerbsfähigkeit und
Wirtschaft (EU: 32%, AT: 28%).
Angesichts der vielen Probleme wollen die Unionsbürgerinnen und –
bürger, dass sich die EU stärker einbringt. 68 % (AT: 45%) der
Befragten meinen, dass die EU beim Schutz der Bevölkerung vor
weltweiten Krisen und Sicherheitsrisiken eine größere Rolle spielen
sollte. Die große Mehrheit der Befragten (EU: 90%, AT: 86%) wünscht
sich, dass die EU-Mitgliedstaaten angesichts der aktuellen Weltlage
geschlossener auftreten. Ebenfalls 90 % (AT: 87%) möchten, dass sich
die EU dafür einsetzt, dass alle Länder das Völkerrecht achten.
Außerdem wollen 73 % (AT: 62%), dass der EU mehr Mittel für die
Bewältigung weltweiter Probleme zur Verfügung stehen.
Gute Lebensqualität, aber Angst vor sinkendem Lebensstandard
Der Schwerpunkt der Eurobarometer-Umfrage vom Frühjahr 2026 lag
darauf, wie die Bürgerinnen und Bürger die Lebensqualität in der EU
wahrnehmen. Allgemein ergibt sich ein positives Bild: 83 % (AT: 85%)
der Befragten sind mit ihrer Lebensqualität zufrieden. Nur 17 % (AT:
15%) geben an, nicht zufrieden zu sein. Unter denjenigen, die von
Zeit zu Zeit Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu bezahlen, sind
es jedoch nur 69 % (AT: 73%), und unter denjenigen, die die meiste
Zeit mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, nur 40 % (AT: 41%)
. Als wichtigste Kriterien für gute Lebensqualität gelten die
körperliche und geistige Gesundheit (EU: 51 %, AT: 62%) und die
finanzielle Situation (EU: 49 %, AT: 65%).
29 % (AT: 38%) der Befragten erwarten, dass ihr Lebensstandard in
den kommenden Jahren sinkt. 50 % (AT: 46%) gehen davon aus, dass er
gleich bleibt, und 18 % (AT: 12%) erwarten, dass er steigt. Die Angst
vor einem sinkenden Lebensstandard ist in Frankreich (44 %), Portugal
(39 %) sowie Österreich und Deutschland (beide 38 %) am größten.
Top-Thema Inflation: Europäisches Parlament soll dagegen vorgehen
Dass es Verbesserungen in wirtschaftlicher Hinsicht geben muss,
steht im Einklang mit den Antworten der Europäerinnen und Europäer
auf die Frage, auf welche Themen sich das Europäische Parlament
vorrangig konzentrieren soll. Die Befragten geben an, das Parlament
solle sich in erster Linie um den Bereich „ Inflation, steigende
Preise und Lebenshaltungskosten “ kümmern (EU: 47 %, +6%, AT: 52%, +
4%). Dieses immer dringlichere Problem stand bereits ganz oben auf
der Tagesordnung und führt die Liste nun mit zwölf Punkten Vorsprung
an. Es folgen die Bereiche „ Wirtschaft und Schaffung von
Arbeitsplätzen “ und „ Verteidigung und Sicherheit der EU “, die
unverändert bei 35 % (AT: 40%) bzw. 34 % (AT: 32%) liegen.
„Europa ist eine Wirtschaftsmacht. Wir haben talentierte Menschen
und viel Potenzial. Wenn wir zusammenhalten, wird auch die Wirtschaft
wachsen, aber jetzt müssen wir unser volles Potenzial entfalten, das
klare Verbesserungen im Alltag der Bürgerinnen und Bürger bewirkt“ ,
erklärte Parlamentspräsidentin Roberta Metsola.
Die EU und ihr Parlament – eine widerstandsfähige Demokratie
Die allgemeinen Indikatoren, mit denen die Zustimmung zur EU und
zum Europäischen Parlament gemessen wird, haben sich im
Frühjahrseurobarometer 2026 kaum verändert. Es gibt jedoch eine
bemerkenswerte Ausnahme: 59 % der Befragten sind zufrieden damit, wie
die Demokratie in der EU funktioniert – fünf Prozentpunkte mehr als
im November 2025. Damit wird der bisherige Höchstwert aus dem Jahr
2022 eingestellt.
Die vollständigen Ergebnisse sind auf der Eurobarometer-Website
abrufbar.
Hintergrundinformationen
Für die Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments vom
Frühjahr 2026 befragte das Meinungsforschungsinstitut Verian vom 9.
April bis zum 4. Mai 2026 Bürgerinnen und Bürger in allen 27 EU-
Mitgliedstaaten. Die Umfrage fand in Form persönlicher Interviews
statt. In einigen Mitgliedstaaten (Dänemark, Finnland, Malta,
Schweden und Zypern) wurden zusätzlich Videointerviews durchgeführt.
Insgesamt wurden 26 421 Interviews geführt. Die EU-Ergebnisse wurden
entsprechend der Bevölkerungszahl der einzelnen Länder gewichtet.