EU-Umfrage: Wachsende Sorgen verstärken den Ruf nach europäischem Handeln

Wien (OTS) – In einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen haben
die
Bürgerinnen und Bürger immer größere Zukunftssorgen und erwarten von
der EU ein geschlossenes und ambitioniertes Handeln.

– Fast die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher (EU: 52 %,
AT: 49 %) äußert Sorgen in Bezug auf Sicherheitsfragen, etwa aktive
Konflikte (EU: 72 %, AT: 70 %), Terrorismus (EU: 67 %: AT: 63 %),
durch den Klimawandel verschärfte Naturkatastrophen (EU: 66 %, AT: 62
%), Cyberangriffe (EU: 66 %, AT: 58 %) und unkontrollierte Migration
(EU: 65 %, AT: 67 %).

– Eine überwältigende Mehrheit der Befragten (EU: 89 %, AT: 86 %) ist
der Ansicht, dass die EU-Mitgliedstaaten diesen globalen Bedrohungen
geeinter entgegentreten sollten.

– 84 % (EU: 86 %) wünschen sich eine stärkere Stimme der EU, und 64 %
(EU: 73 %) sprechen sich für mehr EU-Ressourcen zur Bewältigung von
Bedrohungen auf internationaler Ebene aus.

Die am Mittwoch veröffentlichten Ergebnisse der jüngsten
Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments zeigen, dass die
globalen Entwicklungen bei den EU-Bürgerinnen und Bürgern – so auch
bei den Österreicherinnen und Österreichern – Besorgnis auslösen .
Weltpolitische Turbulenzen wirken sich stark auf das Meinungsbild in
Europa aus. Fast die Hälfte der Befragten in Österreich (EU: 52 %,
AT: 49 %) sagt, sie sehen die Zukunft der Welt pessimistisch, 39 %
sind pessimistisch, was die Zukunft der EU betrifft, 28 % (EU: 41 %)
blicken pessimistisch in die Zukunft ihres Landes. Auf individueller
Ebene ergibt sich ein positiveres Bild: Ein Großteil der
Österreicherinnen und Österreicher (EU: 76 %, AT: 85%) ist
optimistisch, was die eigene Zukunft und die Zukunft der Familie
betrifft.

Die Herausforderungen sind vielfältig, wie die Ergebnisse der
Umfrage bestätigen. Das Thema Sicherheit und Gefahrenabwehr bereitet
durchgängig große Sorgen . Am häufigsten nennen die Befragten hier
Konflikte im Umfeld der EU (EU: 72 %, AT: 70 %), Terrorismus (EU: 67
%, AT: 63 %), Cyberangriffe aus Drittstaaten (EU: 66 %, AT: 58 %),
vom Klimawandel verschärfte Naturkatastrophen (EU: 66 %, AT: 62 %)
und unkontrollierte Migrationsbewegungen (EU: 65 %, AT: 67 %). Sehr
bedenklich finden viele aber auch Gefahren im Kommunikationsbereich,
etwa Desinformation (EU: 69 %, AT: 65 %), Hetze on- und offline (EU:
68 %, AT: 58 %), mit künstlicher Intelligenz erzeugte gefälschte
Inhalte (EU: 68 %, AT: 61 %), unzureichenden Datenschutz (EU: 68 %,
AT: 57 %) oder Bedrohungen der Meinungsfreiheit (EU: 67 %, AT: 57 %).

Zwtl.: Forderung nach geeintem Europa

Angesichts der zahlreichen Herausforderungen wollen die EU-
Bürgerinnen und -Bürger, dass sich die Union stärker einbringt . Mehr
als die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher wollen, dass
sich die EU stärker daran beteiligt, ihre Sicherheit zu gewährleisten
– ein deutliches Zeichen für die Schutzrolle der EU im aktuellen
politischen Kontext. In der gesamten EU unterstützen diese Forderung
sogar zwei Drittel aller Befragten.

Auch Einigkeit ist den Befragten sehr wichtig: 86 % (EU: 89 %)
von ihnen sind der Meinung, dass die EU-Mitgliedstaaten geschlossener
auftreten sollen , und 64 % (EU: 73 %) denken, dass die Europäische
Union mehr Mittel benötigt , um gegen die aktuellen Probleme auf der
Welt vorzugehen. Um ihre Position in der Welt zu stärken, sollte die
EU nach Ansicht der Befragten den Schwerpunkt vor allem auf
Verteidigung und Sicherheit (EU: 40 %, AT: 35 %),
Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaft und Industrie (EU: 32 %, AT: 29 %)
sowie Energieunabhängigkeit (EU: 29 %, AT: 29 %) legen. Besonders
wichtig ist fast einem Drittel (30 %) der Österreicherinnen und
Österreichern, dass sich die EU im Bereich Werte, Menschenrechte und
Demokratie engagiert.

„ Geopolitische Spannungen prägen das tägliche Sicherheitsgefühl
der Europäerinnen und Europäer. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten
von der Europäischen Union, dass sie schützt, vorsorgt und
geschlossen handelt. Genau das muss ein stärkeres und
selbstbewussteres Europa leisten. Europa ist unser wichtigster
Schutzschild “, sagte die Präsidentin des Europäischen Parlaments,
Roberta Metsola.

Zwtl.: Lebenshaltungskosten stehen ganz oben auf Liste der
Prioritäten

Die hohen Preise wirken sich nach wie vor auf den Lebensstandard
der Bevölkerung aus. Inflation, Preissteigerungen und
Lebenshaltungskosten stehen bei den Österreicherinnen und
Österreichern mit 48 % (EU: 41 %) erneut an der Spitze der
Prioritäten , die das Europäische Parlament nach Ansicht der
Befragten angehen soll. Knapp dahinter rangieren Wirtschaft und
Schaffung von Arbeitsplätzen (EU: 35 %, AT: 39 %), fünf bzw. sieben
Prozentpunkte höher als im Mai 2025. Zwar erwarten die meisten
Befragten, dass ihr Lebensstandard in den nächsten fünf Jahren stabil
bleibt, doch geht mehr als ein Drittel der Österreicherinnen und
Österreicher (37 %) auch davon aus, dass er zurückgeht. Die
Österreicherinnen und Österreicher erwarten, dass sich die EU auf die
Stärkung ihrer Position in der Welt konzentriert , insbesondere durch
einen stärkeren Fokus auf Verteidigung und Sicherheit (35 %, ein
Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber der letzten Umfrage).

Gleichzeitig bekräftigen die Bürgerinnen und Bürger die Bedeutung
grundlegender und konstituierender Werte . Frieden erweist sich als
der Wert, den das Europäische Parlament ihrer Ansicht nach am
stärksten verteidigen sollte (EU: 52 %, AT: 58 %), was das aktuelle
geopolitische Klima widerspiegelt. Verteidigt werden sollten auch die
Demokratie (EU: 35 %, AT: 36 %), Redefreiheit (EU: 23 %, AT 31 %),
Menschenrechte (EU: 22 %, AT: 24 %) und Rechtsstaatlichkeit (EU: 21 %
, AT: 30 %).

Zwtl.: Unterstützung für EU-Mitgliedschaft in Österreich stark
gestiegen

Die Einstellung zur EU und ihren Institutionen bleibt seit Mai
2025 insgesamt positiv. Eine relative Mehrheit von 42 % der
Österreicherinnen und Österreichern (Zuwachs von 5 Prozentpunkten)
hat ein positives Bild von der EU (EU: 49 %), während 24 % ein
negatives Bild äußern (EU: 17 %). Auch das Europäische Parlament wird
von den Österreicherinnen und Österreichern überwiegend positiv
wahrgenommen: 36 % (EU: 38 %) haben ein positives Bild (plus 3
Prozentpunkte), gegenüber 26 % (EU: 20 %), die ein negatives Bild
angeben. Einen starken Sprung gab es bei der Frage nach der
Mitgliedschaft . 51 % der Österreicherinnen und Österreicher halten
diese für vorteilhaft . Das entspricht einem Anstieg um zehn
Prozentpunkte, seit diese Frage im Februar/März 2024 zuletzt gestellt
wurde. EU-weit liegt dieser Wert sogar bei 62 %.

Aus soziodemografischer Sicht gehören junge Menschen nach wie vor
zu den engagiertesten Unterstützerinnen und Unterstützern der EU und
verbinden hohe Erwartungen mit ihrer Rolle. Junge Bürgerinnen und
Bürger zwischen 15 und 30 bewerten die EU und das Parlament häufiger
positiv als ältere Altersgruppen: 63 % haben ein positives Bild von
der EU (gegenüber 44 bis 31 % in den älteren Altersgruppen), und 61 %
wünschen sich eine stärkere Rolle des Europäischen Parlaments (
gegenüber 54 bis 35 %).

Europaweit gibt es sehr viel Zustimmung bei jüngeren Befragten
für mehr Geschlossenheit unter den Mitgliedstaaten im aktuellen
Kontext (90 %), mehr Mittel für die Europäische Union (78 %) sowie
eine stärkere Stimme der EU auf internationaler Ebene (87 %).

Zwtl.: Hintergrundinformationen

Für die Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments vom
Herbst 2025 befragte das Meinungsforschungsinstitut Verian vom 6. bis
zum 30. November 2025 Bürgerinnen und Bürger in allen 27 EU-
Mitgliedstaaten. Die Umfrage fand in Form persönlicher Interviews
statt. In einigen Mitgliedstaaten (Dänemark, Finnland, Malta,
Niederlande, Schweden und Zypern) wurden zusätzlich Videointerviews
eingesetzt. Insgesamt wurden 26 453 Interviews geführt. Die EU-
Ergebnisse wurden entsprechend der Bevölkerungszahl des jeweiligen
Landes gewichtet.

Die vollständigen Ergebnisse sind auf der Eurobarometer-Website
abrufbar.