Aspang (OTS) – Ab dem 1. April 2026 streicht China zentrale
Export-Subventionen für
Photovoltaik-Produkte. Die bisherige Mehrwertsteuererstattung von 0
Prozent für PV-Produkte entfällt, bei Batteriespeichern wird die
Rückerstattung schrittweise reduziert – von 9 Prozent auf 6 Prozent
ab 2027, später vollständig auf null. Was wie eine innenpolitische
Maßnahme wirkt, hat direkte Folgen für Europa – und besonders für
Österreich, das stark von chinesischen Modulen und Speichersystemen
abhängig ist.
Fallen die Export-Subventionen weg, steigen die Herstellerpreise
– und das spüren Installateure und Endkunden unmittelbar. Nachfolgend
erfahren Sie, warum selbst bisher günstige Module teurer werden, wie
sich das auf Projekte von Privathaushalten und Gewerbebetrieben
auswirkt und weshalb die Energiewende dadurch in Österreich
wirtschaftlich unter Druck geraten könnte.
Was genau China streicht
Bei der nun auslaufenden Regelung handelt es sich nicht um eine
klassische inländische Mehrwertsteuersenkung, sondern um eine Export-
Mehrwertsteuer-Rückvergütung. Bislang erhielten chinesische
Hersteller für ausgeführte Photovoltaik-Produkte die zuvor
entrichtete Mehrwertsteuer teilweise oder vollständig zurück. Dieses
Instrument wirkte wie ein indirekter Exportanreiz und ermöglichte
besonders wettbewerbsfähige Preise auf dem Weltmarkt.
Mit dem Wegfall dieser Rückerstattung erhöhen sich die effektiven
Exportkosten. Während die Vergütung für PV-Produkte vollständig
entfällt, wird sie bei Batteriespeichern zunächst reduziert und
später ebenfalls auf null gesetzt. Damit verteuern sich zentrale
Komponenten der Energiewende strukturell.
Zeitverzögerte Preiswirkungen
Die Auswirkungen werden sich zeitverzögert durch die Lieferketten
bewegen. Viele Hersteller versuchen derzeit, noch größere Mengen zu
bisherigen Konditionen nach Europa zu liefern. Solange entsprechende
Lagerbestände verfügbar sind, bleibt das Preisniveau stabil.
Sobald diese Bestände abgebaut oder durch höher eingekaufte Ware
ersetzt werden, dürften Preisanpassungen folgen. Erste Erhöhungen
werden ab dem späten Frühjahr 2026 erwartet und könnten sich in den
Folgemonaten vollständig durchsetzen.
Insbesondere für Großprojekte ist diese Entwicklung relevant.
Steigen Modul- und Speicherpreise dauerhaft, verändern sich die
Wirtschaftlichkeitsberechnungen deutlich. Projekte mit knapper
Rendite könnten neu bewertet oder verschoben werden.
Qualität gewinnt an Bedeutung
Mit dem Wegfall des steuerlichen Exportvorteils verändert sich
auch das Marktgefüge. Besonders günstige Anbieter profitierten
bislang stark von der Rückvergütung. Fällt dieser Vorteil weg,
reduziert sich der Abstand zwischen Niedrigpreisprodukten und
hochwertigeren Systemen.
Damit rücken Lebensdauer, Servicefähigkeit und technische
Leistungsfähigkeit stärker in den Fokus. Anlagen höherer Qualität
können sich über den gesamten Betriebszeitraum wirtschaftlich
stabiler darstellen, selbst wenn die Anfangsinvestition etwas höher
ausfällt.
Speicherlösungen und Systemintegration
Parallel steigt die Nachfrage nach Speicherlösungen. Steigende
Netzkosten und der Wunsch nach höherem Eigenverbrauch fördern
insbesondere Komplettsysteme. Gleichzeitig zeigt sich, dass häufig
einzelne Hardwarekomponenten verkauft werden, ohne die notwendige
Systemintegration ausreichend zu berücksichtigen.
Im gewerblichen Bereich führt das teils dazu, dass Großspeicher
nicht optimal gesteuert werden können. Fehlende oder nur rudimentär
ausgeführte Energiemanagementsysteme schränken den Nutzen ein.
Integrierte Lösungen, die Hardware und Software als abgestimmtes
Gesamtpaket verbinden, sind bislang vergleichsweise selten.
Marktkonsolidierung und Risiken
Zusätzlicher Preisdruck und neue handelspolitische Vorgaben
verschärfen den Wettbewerb weiter. Vor allem Anbieter, die fast
ausschließlich über den Preis verkaufen, verfügen oft nur über
geringe finanzielle Reserven. Müssen solche Unternehmen den Markt
verlassen, sind Garantie- und Serviceleistungen für bereits
installierte Anlagen unter Umständen nicht mehr gesichert.
Da viele Systeme auf proprietären Analyse- und Diagnosetools
basieren, ist eine unabhängige Betreuung oft nur eingeschränkt
möglich. Für Betreiber erhöht sich damit das technische und
wirtschaftliche Risiko.
Fazit
Das Ende der chinesischen Export-Mehrwertsteuer-Rückvergütung
markiert einen Wendepunkt für den europäischen Solarmarkt. Die
Energiewende bleibt technisch umsetzbar, doch ihre ökonomischen
Rahmenbedingungen verändern sich spürbar.
Investitionsentscheidungen sollten daher nicht ausschließlich am
kurzfristigen Preis ausgerichtet werden. Systemqualität,
Integrationsfähigkeit und langfristige Stabilität gewinnen an
Bedeutung, wenn steigende Kosten die Wirtschaftlichkeit stärker in
den Mittelpunkt rücken.
Über Daniel Pölzlbauer:
Daniel Pölzlbauer, Ingenieur für Erneuerbare Energien und
Elektrotechnik, ist Geschäftsführer der EPP GmbH in Aspang,
Niederösterreich. Mit über 17 Jahren Erfahrung bietet das
Familienunternehmen hochwertige Photovoltaiklösungen,
Energiespeichersysteme und moderne Elektrotechnik. Unter seiner
Führung hat sich EPP mit mehr als 3.000 realisierten Projekten als
führender Anbieter in der Region etabliert. Weitere Informationen
unter: https://elektro-epp.at/