Energieeffizienz von Gebäuden der BIG Thema im Rechnungshofausschuss

Wien (PK) – Der Rechnungshof (RH) überprüfte von Februar bis Juni
2024 die
Energieeffizienz von Gebäuden der Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
(BIG) mit dem Schwerpunkt Sanierung ( III-228 d.B. ). Der Bericht
stand heute im Rechnungshofausschuss zur Debatte und wurde einstimmig
zur Kenntnis genommen. Zur BIG gehören auch die Tochterunternehmen
ARE Austrian Real Estate GmbH und BIG Beteiligungs GmbH. Diese drei
Gesellschaften bilden mit ihren Beteiligungen den BIG-Konzern. Der
vom Rechnungshof überprüfte Zeitraum umfasste die Jahre 2020 bis
2023.

Das Immobilienportfolio des BIG-Konzerns umfasste Ende 2023 2.031
Liegenschaften mit 7,7 Mio. m2 vermietbarer Fläche, so der Bericht.
Der Energieverbrauch habe im Jahr 2022 einem Anteil von rund 0,5 %
der in Österreich für Raumklima, Warmwasser, Beleuchtung und EDV
aufgewendeten Energie entsprochen. Der Gebäudebestand des BIG-
Konzerns biete aufgrund seiner Größe somit umfassende Möglichkeiten
für Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäudebetrieb.

Die Einsparverpflichtung gemäß Energieeffizienzgesetz bis 2020
sei vor allem durch Energieeinspar-Contracting und durch
Sanierungsmaßnahmen erreicht worden, so Rechnungshofpräsidentin
Margit Kraker im Ausschuss. Für die höhere Verpflichtung von 2021 bis
2030 von 258 GWh seien für die Jahre 2021 und 2022 bereits 129 GWh an
Einsparungen von der BIG gemeldet worden. Zu bedenken gab Kraker,
dass der tatsächliche Energieverbrauch deutlich vom Energiebedarf
laut Energieausweis abweiche. Zudem hätten in der Energieausweis-
Datenbank der BIG bei 16 % der Objekte wesentliche Gebäude-Kennwerte
gefehlt. Die Auswertung unterschiedlicher Datenbanken habe unter
anderem unterschiedliche Flächen ergeben.

Kraker: Energieeinsparverpflichtungen betreffen nur ein Drittel
der BIG-Gebäude

Die Rechnungshofpräsidentin wies außerdem darauf hin, dass nur
ein Drittel der Gebäudefläche der BIG von den Einsparverpflichtungen
umfasst sei. Sie regte an, dass man sich die entsprechenden Ausnahmen
im Energieeffizienzgesetz für Universitäten bzw. für Gebäude der ARE
nochmals ansehen könnte. Die Energiekennzahlen der BIG bei Heizung
und Strom hätten sich zwar verbessert, die Verbesserung sei aber
rückläufig. Erfreulich sei, dass die Energiekennzahlen für Heizung
der vom Bund genutzten Gebäude deutlich bessere Zahlen aufweisen, so
Kraker. Das Ziel, bis 2023 eine Photovoltaik-Leistung von 14.000 kWp
zu installieren, habe die BIG nur zu 81 % erreicht. Die Werte bei den
Energie-Effizienzklassen von Gebäuden der BIG haben sich Kraker
zufolge etwas verschlechtert.

Zu den Empfehlungen des Rechnungshofs zähle, eine vollständige
Erfassung der Gebäude-Kennwerte in den Datenbanken der BIG
sicherzustellen, um diese Daten unter anderem für die Planung und
Priorisierung von Sanierungsmaßnahmen verwenden zu können, wie die
Rechnungshofpräsidentin erörterte. Im Maßnahmenplan der BIG bis 2030
wären vermehrt thermische Sanierungen aufzunehmen, um den
Energieverbrauch des Gebäude-Portfolios des BIG-Konzerns langfristig
und nachhaltig zu senken, so Kraker. Weiters wären dem Bericht
zufolge die Sanierung zu Niedrigstenergie- bzw. Nullemissionsgebäuden
auch im Hinblick auf das Ziel der EU-Gebäuderichtlinie zu forcieren,
bis 2050 sämtliche Gebäude auf den Nullemissionsstandard umzurüsten.

Kraker hob aus den Empfehlungen außerdem hervor, dass jene
Projekte zu identifizieren und zu priorisieren wären, die das größte
Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz aufweisen. Außerdem sei
darauf hinzuwirken, für die Projektpriorisierung die tatsächlichen
Energieverbrauchsdaten nutzen zu können.

Zehetner: Energieagentur arbeitet an Lösung für Datenarchitektur
des Bundes

Insgesamt falle der Bericht hinsichtlich des Energieeinsparens
seitens der BIG sehr positiv aus, sagte Staatssekretärin Elisabeth
Zehetner. Bei den Daten habe der RH einen Schwachpunkt aufgezeigt,
der jedoch nicht nur die Daten der BIG selbst, sondern generell jene
des öffentlichen Sektors betreffe. Zehetner erachtet es als
strukturelles Problem, dass es unterschiedliche Datenbanken mit
unterschiedlichen Schwerpunkten gebe und diese auch nicht miteinander
verknüpft seien. Das müsse sich ändern, daher sei derzeit die
Österreichische Energieagentur damit befasst, sich diese
Bundesdatenarchitektur genauer anzuschauen und Lösungsempfehlungen
auszuarbeiten. Zu Fragen etwa von Silvia Kumpan-Takacs (SPÖ) und Nina
Tomaselli (Grüne) wies Zehetner außerdem auf eine Vereinheitlichung
durch die Energieausweisdatenbank als Basis hin. Was
denkmalgeschützte Gebäude betrifft, seien diese eine Herausforderung
und derzeit von den Verpflichtungen ausgenommen, so Zehetner. Man
werde aber auch hier in Zukunft einen Schritt weiterkommen, meinte
sie auf Fragen von Dominik Oberhofer (NEOS).

Beck: Vorgangsweise zur Energieeinsparung auch bei Gebäuden ohne
gesetzliche Einsparverpflichtung

Auch wenn die Gebäude der ARE nicht von der gesetzlichen
Energieeinsparverpflichtung umfasst seien, würden diese dennoch mit
der gleichen Vorgangsweise wie jene mit gesetzlichen Verpflichtungen
bearbeitet, hielt der Geschäftsführer der BIG, Gerald Beck, etwa auf
Fragen von Nina Tomaselli (Grüne) fest. Beck sieht ebenso wie
Zehetner im Bericht viele positive Aspekte. Die Empfehlungen nehme
man aber sehr ernst. Der Wert bei Photovoltaik sei zwar nicht ganz
erreicht worden, die Aufträge seien zu dem Zeitpunkt aber bereits
erteilt gewesen. Der Plan bis 2030 soll jedenfalls erreicht werden,
so Beck. Man wolle insgesamt mit dem Ausbau von Alternativenergie
einen möglichst hohen Autarkiegrad erreichen.

Die erste Quote bis 2020 habe man übererfüllt, führte der BIG-
Geschäftsführer weiter aus. Vermehrtes Augenmerkt werde man
hinsichtlich der Einsparquote auf thermische Sanierung legen. So sei
im gesamten Konzern ein Priorisierungsframework nach Kriterien wie
etwa Sanierungsdringlichkeit oder größter CO2-Einspar-Effekt erstellt
worden, um zu reihen, welches Gebäude zuerst saniert werde. Man
verwende eine eigene Software, um dort zu investieren, wo es sich
schneller rechne, führte Beck auf Fragen von Paul Hammerl (FPÖ) aus.
Die Bautätigkeit werde sich in Zukunft etwa am sinnvollen Einsatz von
Materialen in Kombination mit biogenen Baustoffen orientieren.

Die Datenlage bereite ihm aber ebenso „Kopfschmerzen“, so Beck.
Beim hohen Stand an historischen Gebäuden habe man viele Parameter
nicht vorliegen. Dazu komme eine gewisse Ungenauigkeit der
Energieausweise. Beck berichtete aber von einem Forschungsprojekt,
bei dem man mittels KI Pläne und Verbrauchsdaten eingespielt und so
den Energieverbrauch des Gebäudes reduziert habe. In diesem Bereich
könne er sich vorstellen, eine Vorreiterrolle einzunehmen, sagte er
in die Richtung von Michael Fürtbauer (FPÖ).

Die regionale Wertschöpfung, die etwa Franz Hörl (ÖVP)
thematisierte, sei dem Konzern sehr wichtig, so Beck. Man erziele
diese durch die Einzelgewerke-Ausschreibung und arbeite mit 2.000
österreichischen Unternehmen zusammen – die Quote an österreichischen
Unternehmen liege bei 99 %.

Auch den Rechnungshofbericht über ausgewählte
Tourismusförderungen des Bundes ( III-8 d.B. ) nahmen die
Abgeordneten im Ausschuss einstimmig zur Kenntnis. Zur Fristwahrung
vertagt wurden Rechnungshofberichte betreffend Altlastensanierung (
III-313 d.B. ), zum Thema Wald im Klimawandel ( III-314 d.B. ),
betreffend die Transporthubschrauber Black Hawk ( III-320 d.B. )
sowie betreffend den Elektronischen Identitätsnachweis (EID) ( III-
321 d.B. ). (Schluss Rechnungshofausschuss) mbu