Ein starkes Netz: Caritas und Politik feiern 35 Jahre Psychosoziales Zentrum Wiener Neustadt

Wiener Neustadt (OTS) – Psychische Erkrankungen zählen zu den
häufigsten gesundheitlichen
Belastungen in Österreich. Laut Statistik Austria sind rund 30 bis 40
Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen. Dennoch
bleibt der Zugang zu adäquater Versorgung für viele Menschen
erschwert. „Das Psychosoziale Zentrum war vor 35 Jahren eine
konkrete, niederschwellige Antwort auf eine Versorgungslücke – und es
ist bis heute ein unverzichtbarer Baustein in der psychosozialen
Landschaft geblieben“, sagte Caritasdirektor Klaus Schwertner
anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten im Beisein zahlreicher
politischer Vertreterinnen und Vertretern von Land und Stadt am
Freitag. In seiner Rede verwies er auf eine Erhebung des
Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen aus
dem Jahr 2020, die deutlich macht, dass sich eine große Zahl
Betroffener notwendige Behandlungen oft nicht leisten kann.
„Kostenlose, sozialpsychiatrische Angebote wie das Psychosoziale
Zentrum der Caritas sind daher enorm wichtig. Gerade in einer Zeit,
in der psychische Gesundheit zunehmend unter Druck gerät, braucht es
Angebote, die für alle zugänglich sind – unabhängig von Einkommen
oder sozialem Status. Gemeinsam mit starken Partnern an unserer Seite
wollen wir diesem Auftrag auch in Zukunft gerecht werden. Die große
Nachfrage zeigt: Der Bedarf ist weiterhin vorhanden.“

14.460 Klienten-Kontakte im Jahr: Steigende Nachfrage nach
Unterstützung

Mit aktuell drei Clubs reagiert die Caritas in Wiener Neustadt
auf den wachsenden Bedarf. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 80
Klientinnen und Klienten betreut – so viele wie noch nie zuvor. Die
durchschnittliche, tägliche Besucherzahl lag bei rund 60 Personen.
Insgesamt wurden im Vorjahr insgesamt 14.460 Kontakte verzeichnet.
Auch das laufende Jahr 2025 zeigt eine deutlich steigende Nutzung:
Mit 91 betreuten Klientinnen und Klienten stößt das bestehende
Angebot zunehmend an personelle und räumliche Grenzen. „Die Clubs des
Psychosozialen Zentrums bieten Menschen mit psychischen Erkrankungen
einen sicheren Raum für Stabilisierung und Lebensqualität. Sie bieten
Tagesstruktur, sinnvolle Beschäftigung und Unterstützung im Alltag –
das gibt Halt und Orientierung. Durch regelmäßige Betreuung tragen
wir dazu bei, Rückfällen und Klinikaufenthalten vorzubeugen. Damit
leistet das Psychosoziale Zentrum einen wesentlichen Beitrag zur
Stabilisierung zahlreicher Lebensbiografien“, betonte Schwertner.

Neben den drei psychosozialen Clubs bietet das PSZ auch
Wohnangebote mit unterschiedlichem Betreuungsbedarf. Dazu zählen
sieben teilbetreute Wohngemeinschaften mit insgesamt 26 Plätzen sowie
zwei vollbetreute Wohngruppen mit 20 Plätzen. Ergänzt wird das
Angebot durch 38 Tagesstättenplätze und 13 Tagesbetreuungsplätze im
Wohnen. Der ganzheitliche Ansatz – vom betreuten Wohnen über
Tagesstruktur – ermöglicht individuelle und lebensnahe Unterstützung.

„Niemanden alleinlassen“: Dank an Unterstützer und Fördergeber

„Nahezu vier von zehn Menschen in Österreich erleben im Laufe
ihres Lebens eine psychische Erkrankung – und doch ist das Thema noch
immer mit Scham behaftet. „Wenn wir uns ein Bein brechen, suchen wir
selbstverständlich medizinische Hilfe. Doch Erkrankungen der Psyche
werden oft verschwiegen“, so Schwertner. Er appelliert: „Niemand soll
mit seelischem Leid allein bleiben. Es braucht nicht nur konkrete
Hilfe, sondern auch mehr Sichtbarkeit und Offenheit im Umgang mit
psychischer Gesundheit“, betont Schwertner. Diese Unterstützung sei
nur dank eines starken Netzwerks möglich – mit dem Land
Niederösterreich, der Stadtgemeinde und vielen engagierten
Partnerinnen und Partnern. Die Jubiläumsfeier sei daher auch Anlass,
zurückzublicken und Danke zu sagen: für 35 Jahre gelebte Solidarität
mit Menschen, die lange unsichtbar blieben.

Klaus Schneeberger, Bürgermeister Wiener Neustadt:

„Das Psychosoziale Zentrum ist ein wesentlicher Bestandteil des
städtischen Miteinanders. Mein Dank gilt allen, die sich hier
einbringen und seit vielen Jahren für die Menschen da sind. Als
Bürgermeister freut es mich sehr, dass wir uns bei so sensiblen
Aufgaben auf kompetente Partner verlassen können. Ich gratuliere sehr
herzlich zum Jubiläum und wünsche allen Verantwortlichen weiterhin
viel Kraft beim Erfüllen dieser für unsere Gesellschaft so wichtigen
Aufgaben.“

Vizebürgermeister Gerhard Ullrich in Vertretung von Landesrat
Susanne Rosenkranz:

„35 Jahre Psychosoziales Zentrum – das ist ein Jubiläum, das weit
mehr bedeutet als bloß eine Zahl. Seit über drei Jahrzehnten finden
hier Menschen in schwierigen Lebenssituationen Unterstützung,
Begleitung und neue Perspektiven.

Dieses Haus ist ein Ort der Stabilität, der Menschlichkeit und
der Hoffnung. Gerade in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen
zunehmen und noch immer mit Vorurteilen behaftet sind, leistet das
Psychosoziale Zentrum in Wiener Neustadt unverzichtbare Arbeit – für
Betroffene, deren Familien und für die gesamte Gesellschaft.

Unser gemeinsames Ziel muss es sein, diese wichtige Einrichtung
auch in Zukunft finanziell, personell und gesellschaftlich
abzusichern, damit sie weiterhin vielen Menschen Halt geben kann.“

Klubobmann Kurt Hackl, in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna
Mikl-Leitner:

„Jeder Mensch braucht die offenen Augen eines anderen, um sich
selbst sehen zu können – und genau das lebt das Psychosoziale Zentrum
seit 35 Jahren. Diese Einrichtung schenkt Menschen nicht nur
Betreuung, sondern vor allem Gemeinschaft, Orientierung und neue
Perspektiven. Dieses Jubiläum ist deshalb nicht nur Rückblick,
sondern auch Auftrag für die Zukunft. Niederösterreich versteht sich
als soziale Modellregion: Bei uns ist es egal ob alt oder jung, ob
mit Handicap oder ohne – wir sind für alle Landsleute da und arbeiten
gemeinsam an der besten Zukunft. Denn was hier entsteht, ist Hoffnung
– für die Gegenwart genauso wie für die kommenden Jahrzehnte“, so
Klubobmann Kurt Hackl, der in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna
Mikl-Leitner anwesend war.