Wien (OTS) – Neun Länder entlang der Donau haben sich
zusammengeschlossen, um
einige der am stärksten gefährdeten Arten Europas zu schützen: Die
Störe. Am 9. und 10. Juli trafen sich Projektpartner*innen darunter
nationale Ministerien, Universitäten, NGOs und
Forschungseinrichtungen – in Bukarest, um „MonStur (Monitoring
Sturgeons) in the Danube“ zu starten: eine neue grenzüberschreitende
Initiative zur gemeinsamen Erfassung und zum Schutz dieser
urzeitlichen Wanderfische.
Ko-finanziert durch das Interreg Danube Region Programme, wird
dieses dreijährige Projekt das erste grenzüberschreitende Stör-
Monitoringsystem im Donauraum aufbauen und damit den Grundstein für
den langfristigen Schutz wandernder Fischarten legen.
„Dieses Projekt sendet eine klare Botschaft: Wir müssen gemeinsam
handeln, wenn wir die Störe für zukünftige Generationen bewahren
wollen“, erklärte Gheorghe Constantin, Projektleiter vom rumänischen
Umweltministerium. „Die Donau verbindet uns – auch unsere
Schutzbemühungen müssen verbunden sein, um Wirkung zu entfalten.“
In Österreich investiert das Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und
Wasserwirtschaft (BMLUK) laufend in die Verbesserung von
Flusslebensräumen. Das neue Stör-Monitoring Projekt ist deshalb in
vielerlei Hinsicht von hohem Interesse.
„Das MonStur in the Danube Projekt ist ein weiterer wichtiger
Meilenstein, um Störe in der Donau zu schützen und deren
Lebensraumansprüche zu verstehen. Mir ist es wichtig, dass wir die
Störpopulation in einer koordinierten internationalen Zusammenarbeit
langfristig sichern. Dabei müssen alle Behörden, die Schifffahrt, der
Hochwasserschutz, die Wissenschaft und die Umweltschutzorganisationen
gut zusammenarbeiten. Wir haben eine gemeinsame Verantwortung für die
wandernden Giganten Europas und unterstützen das Projekt daher mit
70.000 Euro auch finanziell.“, so Wasserminister Norbert Totschnig.
Jakob Neuburg, Leiter des Projekts an der BOKU University,
ergänzt: „Mit MonStur in the Danube haben wir die Chance, das erste
wirklich gemeinsame Monitoringsystem im Donauraum zu etablieren. Die
BOKU bringt hier ihre Expertise in Systementwicklung, Datenmanagement
und Feldforschung ein. Unser Ziel ist es, ein Werkzeug zu schaffen,
das über die Projektlaufzeit hinaus Bestand hat und künftige
Generationen von Forschenden und Entscheidungsträgern beim Schutz der
Störe unterstützt.“
Zwtl.: Eine gemeinsame Lösung für eine gemeinsame Herausforderung
Störe, oft als „lebende Fossilien“ bezeichnet, schwimmen seit
Millionen von Jahren in der Donau. Doch durch Überfischung, zerstörte
Lebensräume und Flussverbauungen sind alle Arten heute vom Aussterben
bedroht. Zwei der sechs heimischen Donau Störarten gelten bereits als
ausgestorben; die übrigen vier Arten existieren nur noch in
verstreuten Restpopulationen.
MonStur in the Danube begegnet dieser akuten Bedrohung mit
konkreten Maßnahmen:
–
Entwicklung eines einheitlichen Monitoringsystems, um Methoden zu
vereinheitlichen und gemeinsame Datenbanken für Populationen und
Lebensräumen zu schaffen
–
Kartierung kritischer Lebensräume und Wanderkorridore – von
Deutschland bis zum Schwarzen Meer
–
Zusätzliche Environmental DNA (eDNA)-Probenahme in
Donauzubringern und Telemetrie zur Lokalisierung weiterer Lebensräume
–
Bereitstellung wissenschaftlicher Daten und Empfehlungen für
nationale und EU-weite Entscheidungsträger
–
Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Einbindung lokaler
Behörden und Gemeinden in den Störschutz
Das Projekt baut auf den Erkenntnissen und Erfolgen früheren
Initiativen – wie dem MEASURES-Projekt – auf und trägt direkt zur EU-
Strategie für den Donauraum (EUSDR), dem paneuropäischen Aktionsplan
für Störe (PANEUAP) sowie der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 bei.
Zwtl.: Von Felddaten zu politischer Wirkung
Das Monitoringsystem, welches im Projekt getestet wird, wird
nicht nur Daten zu Beständen und Lebensräumen liefern, sondern auch
Empfehlungen für nationale und regionale Strategien im Einzugsgebiet
der Donau bereitstellen. Es fördert eine sektorübergreifende
Koordination – insbesondere dort, wo neue Laichgebiete entdeckt und
vor Infrastrukturprojekten oder anderen Gefahren geschützt werden
müssen.
Die Projektergebnisse sollen die Erarbeitung eines
grenzübergreifenden Aktionsplans für Störe in vier Ländern der Oberen
und Mittleren Donau – Deutschland (Bayern), Österreich, Ungarn und
Slowakei – ermöglichen. Ziel ist es, Schutzmaßnahmen entlang des
gesamten Donaulaufs zu harmonisieren.
„Störe kennen keine Staatsgrenzen – und genauso sollten auch
unsere Schutzbemühungen grenzübergreifend sein“, sagte Beate
Striebel, Leiterin der Stör-Initiative des WWF. „Diese gemeinsame
Monitoring-Initiative ist ein entscheidender Schritt hin zu einem
besseren Schutz. Mit verlässlichen, länderübergreifenden Daten können
wir politischen Entscheidungsträgern auf nationaler und EU-Ebene die
wissenschaftliche Grundlage und gemeinsame Empfehlungen liefern, die
sie für wirksames Handeln benötigen.“
Zwtl.: Über das Projekt:
Projekttitel: Establishing, testing and launching a transboundary
system for Monitoring Sturgeons, to manage and safeguard migratory
fish in the Danube River Basin
Interreg Danube Region Programme 2021 -2027
Priorität: Ein grünerer, CO₂-ärmerer Donauraum
Laufzeit: 01.04.2025–31.03.2028
EU-Finanzierung: 1.657.573,20 EUR
Gesamtbudget: 2.071.966,50 EUR
Projektleitung: Rumänisches Ministerium für Umwelt, Gewässer und
Wälder
Projektpartner:
BOKU University – Österreich, WWF Zentral- und Osteuropa,
Internationale Kommission zum Schutz der Donau (IKSD), WWF Bulgarien,
Ministerium für Umweltschutz und Grüne Transformation – Kroatien,
Széchenyi István Universität – Ungarn, Nationales Institut für
Forschung und Entwicklung im Donaudelta – Rumänien, WWF Rumänien,
Universität Belgrad – Institut für interdisziplinäre Forschung –
Serbien, Wasserforschungsinstitut – Slowakei, WWF Ukraine, Staatliche
Universität Moldawiens
Assoziierte strategische Partner:
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und
Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft – Österreich, viadonau –
Österreich, Umweltministerium – Tschechische Republik, Hrvatske vode
(Kroatische Wasserwirtschaft), Bezirk Niederbayern- Deutschland,
Generaldirektion Wasserwirtschaft – Ungarn, Staatsbetrieb für
Waldmanagement „Srbijašume“ – Serbien, Öffentliches Unternehmen
„Vojvodinašume“ Petrovaradin – Serbien, Umweltministerium für Umwelt,
Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit – Deutschland,
Umweltministerium der Slowakischen Republik, Staatliche
Naturschutzverwaltung der Slowakei, Bayrisches Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz – Deutschland, Moldawische
Wasseragentur, Institut für ichthyologische und ökologische Forschung
– Slowenien, Staatliche Agentur der Ukraine für Melioration,
Fischerei und Ernährung, Flussverwaltung Untere Donau Galati –
Rumänien, Josip Juraj Strossmayer Wasserinstitut – Kroatien
Wissenschaftlicher Kontakt:
Jakob Neuburg, MSc.
BOU University
Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement
[email protected]
This project is supported by the Interreg Danube Region Programme
co-funded by the European Union.