Diversionsentscheidung des Landesgerichtes für Strafsachen animiert zu neuerlichem antisemitischen Angriff auf Grazer Synagoge

Graz/Salzburg/Klagenfurt (OTS) – Was jüdische Gemeinden in Österreich
bereits befürchtet hatten, ist
eingetreten: Nur wenige Tage nach der umstrittenen Entscheidung des
Landesgerichtes für Strafsachen Graz, einen Angriff auf die Synagoge
und das Gemeindehaus der Israelitischen Kultusgemeinde mit einem
Diversionsbetrag von 100 Euro abzutun, erfolgte am höchsten jüdischen
Feiertag, dem Yom Kippur, der nächste Angriff. Ein Radfahrer
schleuderte am Vormittag erneut einen Gegenstand in den Hof der von
Sicherheitskräften bewachten Grazer Synagoge und trat die Flucht an.
Wie sich später herausstellte handelte es sich dabei um eine
Glasflasche.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Mitglieder der
Israelitischen Kultusgemeinde zum Gebet in der Synagoge. Im
Hofbereich hielt sich zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise niemand
auf, sodass niemand verletzt wurde. Die Sicherheitsvorkehrungen für
den Aus- und Einlass auf das Gelände mussten daraufhin verstärkt
werden. Dass der Angriff genau am Yom Kippur erfolgte, erinnert fatal
an die Angriffe auf Israel, die „zufälligerweise“ ebenfalls
regelmäßig zu den höchsten jüdischen Feiertagen verübt werden.

Die Attacke in Graz steht im Schatten des schrecklichen
Synagogenanschlages von Manchester. “Doch so, wie sich die
internationalen Medien hierüber jetzt scheinheilig überrascht geben,
nachdem sie über Monate hinweg Israel dämonisiert und damit
antisemitische Stimmungen angefacht haben, stellt sich auch für
Österreich die Frage: Werden dieselben Stimmen, die dem Übel nach und
nach den Weg bereiten, sich auch hier als „entsetzte Beobachter“
inszenieren – und gleichzeitig die eigene Verantwortung verleugnen”,
so der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Salzburg,
Steiermark und Kärnten, Elie Rosen.

Denn der Weg „nach Manchester“ vollziehe sich selten in einem
Sprung, sondern fast immer in kleinen Schritten: im Flaschenwerfen,
im Anpöbeln, in den vermeintlich „kleinen“ Taten, die hierzulande
bagatellisiert würden. Nur wer besonders dumm ist – oder, schlimmer
noch, wer selbst Böses im Schild führt – gibt vor, diese Entwicklung
nicht zu erkennen. Genau hier liegt die fatale Blindheit von Gericht,
Medien und Teilen der Gesellschaft: Was als „Flaschenwurf-
Gerichtsurteil“ verniedlicht wird, ist in Wahrheit der nächste
Schritt auf einem Weg, dessen Ziel niemand mehr übersehen dürfte, so
Rosen.

Die Israelitische Kultusgemeinde sieht in der jüngsten Attacke
die unmittelbare Folge der fatalen Signalwirkung der Entscheidung des
Straflandesgerichtes Graz . Bereits im September hatte Präsident
Rosen gewarnt: „Wer Angriffe auf Synagogen, egal welcher Art, auf das
Niveau eines Bagatelldelikts herunterstuft, lädt zu Nachahmungstätern
ein. Genau das erleben wir nun.“

Auch der Vergleich mit der Geschichte läge nahe: „Was mit
verhaltenen, anonymen Bemerkungen begann, setzte sich in offenen
Anfeindungen fort. Heute sind wir in einer Phase angekommen, in der
physische Angriffe auf jüdische Einrichtungen gesellschaftlich
‚eingeübt‘ werden – wie schon einmal in den 1930er Jahren,“ so Rosen.

Besonders scharf kritisierte Rosen auch den ORF Steiermark, der
den ersten Vorfall lapidar als „Flaschenwurf-Gerichtsurteil“
tituliert und damit, ebenso wie den Eintritt des Klingeltableaux, ins
Lächerliche gezogen habe. „Während die antisemitische Bedrohung für
Juden in Österreich und der ganzen Welt zunimmt, übt sich der ORF in
Bagatellisierung. Das ist dieselbe Schieflage, die wir auch in seiner
Israel-Berichterstattung kennen: konsequent unbedarft, konsequent
einseitig. Damit macht wird der ORF zum „Täter“.

Ein Blick auf das Gerichtsdokument unterstreicht die Brisanz: Für
eine teils vollendete, teils versuchte Sachbeschädigung an einer
Synagoge – einem besonders geschützten Ort der Religionsausübung –
setzte Richterin Mag. Catherine Farmer am 16. September 2025 eine
Diversion in Höhe von 100 Euro fest, verbunden mit einer Probezeit
von einem Jahr. Die Staatsanwaltschaft Graz erhob Einwand – doch das
fatale Signal war bereits gesendet.

Ein Zitat des deutschen Altkanzlers Helmut Schmidt bringe die
Situation bitter auf den Punkt, so Rosen: „Der Verlust der Erinnerung
ist eine der größten Gefahren für eine Gesellschaft.“ Österreich, so
Rosen, scheine aktuell drauf und dran, diesen Verlust amtlich zu
besiegeln.

Die Entscheidung des Gerichtes, flankiert von einer verharmlosenden
medialen Begleitung, stelle nicht nur eine juristische Fehlleistung
dar, sondern öffne die Tür für eine neue Qualität antisemitischer
Gewalt und das Tor zu einem österreichischen Manchester. Wenn
Synagogenangriffe den Preis einer Tankfüllung haben, dann dürfe man
sich über Nachahmungstäter nicht wundern. Und wenn man in Manchester,
in Graz und anderswo dieselben Muster erkennt, stellt sich nur noch
die Frage: Wie lange wollen Gesellschaft und Medien in verlogener
Manier noch überrascht tun über das, was sie längst selbst befördern,
so Elie Rosen.