Wien (OTS) – Anlässlich der bis heute nicht erfolgten Umsetzung der
EU-
Lohntransparenz-Richtlinie übt die Frauensprecherin der Grünen, Meri
Disoski, scharfe Kritik an der Bundesregierung. Obwohl die Richtlinie
bis spätestens 7. Juni 2026 in nationales Recht hätte umgesetzt
werden müsse, liegt noch immer kein Gesetzesentwurf vor.
„Die Bundesregierung hat die Umsetzungsfrist verstreichen lassen
und liefert stattdessen ein politisches Hick-Hack auf dem Rücken von
Frauen. Während Monat für Monat tausende Frauen weniger verdienen als
ihre männlichen Kollegen, wird eine der wichtigsten
gleichstellungspolitischen Maßnahmen der letzten Jahre verschleppt“,
kritisiert Disoski.
Mit einem Gender Pay Gap von 17,6 Prozent weist Österreich die
dritthöchste Lohnlücke in der Europäischen Union auf. Für Disoski
zeigt das, wie dringend wirksame Maßnahmen gegen Lohndiskriminierung
gebraucht werden: „Die Lohntransparenz-Richtlinie berührt eine ganz
einfache Frage: Bekommen Frauen für ihre Arbeit den Lohn, der ihnen
zusteht? Solange Gehälter im Verborgenen bleiben, bleibt auch
Lohndiskriminierung verborgen.“
Besonders entschieden weist Disoski Kritik zurück, die Richtlinie
verursache übermäßige Bürokratie. Tatsächlich wären nur rund zwei
Prozent der Unternehmen in Österreich von den Berichtspflichten
betroffen, gleichzeitig würden 41,1 Prozent der Erwerbstätigen von
den Schutzbestimmungen der Richtlinie erfasst. „Wer bei diesen Zahlen
noch immer von einem Bürokratiemonster spricht, sucht Ausreden statt
Lösungen. Transparenz schafft keine Ungleichheit – Transparenz macht
Ungleichheit sichtbar.“
Für Disoski braucht es bei der Umsetzung zudem mehr Ambition als
derzeit diskutiert wird. Als Vorbild nennt sie Länder wie Island, die
bei der Bekämpfung von Lohndiskriminierung international als
Vorreiter gelten. „Wir wollen Lohntransparenz bereits ab 35
Mitarbeiter:innen. Wer es mit Lohngerechtigkeit ernst meint, darf
sich nicht am Minimum orientieren, sondern an den Ländern, die bei
der Gleichstellung erfolgreich sind.“
„Frauen haben lange genug gewartet. Jetzt braucht es endlich
Transparenz, Fairness und gleichen Lohn für gleiche Arbeit“, so
Disoski.