Digitale Zivilcourage made in Austria

Wien (OTS) – Während Regierungen weltweit über strengere Regeln für
soziale Medien
diskutieren, entsteht in Österreich eine Lösung, die einen anderen
Weg einschlägt: Nicht mehr Kontrolle, sondern bessere digitale Räume.
Eine neue Kooperation zwischen dem AIT Austrian Institute of
Technology, Center for Digital Safety & Security und dem Wiener
Startup Orbyz könnte zeigen, wie Europas Antwort auf Hate Speech und
digitale Toxizität aussehen kann.

Die Debatte ist längst global. Hasskommentare, Desinformation,
Polarisierung und digitale Gewalt beschäftigen Politik, Gesellschaft
und Technologieunternehmen gleichermaßen. Die großen Plattformen
geben an, sich in Moderation, künstliche Intelligenz und
Sicherheitsteams zu bemühen. Dennoch wächst die Kritik, dass sie
strukturell nur darauf ausgelegt sind, Aufmerksamkeit zu maximieren.
Während viele Marktteilnehmer:innen erst jetzt beginnen, sich
intensiv mit den gesellschaftlichen Folgen digitaler Kommunikation
auseinanderzusetzen, verfolgt ein österreichisches Startup einen
völlig anderen Ansatz.

Orbyz setzt genau an diesem Punkt an – allerdings nicht primär
über strengere Regeln, sondern über ein anderes Plattformmodell. Das
Wiener Startup entwickelt eine europäische Social Media Plattform,
die bewusst auf Werbefinanzierung verzichtet und sich ausschließlich
über Mitgliedsbeiträge registrierter Nutzer:innen finanziert. Ziel
ist eine daten-souveräne Alternative zu bestehenden
Plattformmodellen: Kein Tracking zu Werbezwecken, keine Weitergabe
von Nutzungsdaten an Werbetreibende und keine Optimierung auf
maximale Verweildauer oder Aufmerksamkeit.

Stattdessen verfolgt Orbyz den Anspruch, einen digitalen Raum zu
schaffen, der konstruktiven, respektvollen und zivilisierten Dialog
ermöglicht – für Nutzer:innen, die sich bewusst von toxischen oder
stark polarisierenden Plattformumgebungen lösen möchten, ohne dabei
auf eine hochwertige User Experience zu verzichten.

Zwtl.: Ein Startup, das eine unbequeme Frage stellte

Als Orbyz vor rund zwei Jahren gegründet wurde, stand nicht die
Frage im Mittelpunkt, wie Nutzer möglichst lange auf einer Plattform
gehalten werden können. Stattdessen stellte das Unternehmen eine
andere Frage:

Wie müsste ein soziales Netzwerk aussehen, wenn Vertrauen,
Wirkung, Vielfalt und gesellschaftlicher Mehrwert von Beginn an Teil
der Architektur wären?

Eine Frage, die damals für viele Investoren und Marktbeobachter
eher idealistisch als wirtschaftlich relevant erschien. Heute hat
sich das Umfeld dahingehend verändert. Die Diskussion über digitale
Souveränität Europas gewinnt an Bedeutung. Der Digital Services Act
setzt neue Standards. Unternehmen, Bildungseinrichtungen und
öffentliche Institutionen suchen nach Alternativen zu Plattformen,
deren Geschäftsmodelle zunehmend kritisch hinterfragt werden.
Plötzlich erscheinen viele jener Themen, die Orbyz bereits in seiner
frühen Entwicklungsphase adressierte, hochaktuell.

Zwtl.: Vom Moderieren zum Prävenieren

Der entscheidende Unterschied liegt im Ansatz. Die meisten
Plattformen versuchen, problematische Inhalte nachträglich zu
erkennen und zu entfernen. Orbyz verfolgt gemeinsam mit dem AIT einen
präventiven Zugang: Wie können digitale Räume so gestaltet werden,
dass toxische Dynamiken gar nicht erst entstehen oder deutlich
reduziert werden? Der Anspruch von Orbyz ist dabei bewusst moderiert
– ausgehend von der Überzeugung, dass qualitativ hochwertige digitale
Diskussionsräume Mechanismen benötigen, um problematische Inhalte
adressieren zu können. Gleichzeitig soll Moderation nicht zu
automatisierter Inhaltskontrolle werden. Deshalb bleiben die finale
Bewertung und Entscheidung immer beim Menschen.

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht die Entwicklung
menschenzentrierter Mechanismen zur Content Moderation. Das AIT
bringt dafür seine Expertise aus dem Forschungsbereich „Data Science
& Artificial Intelligence“ ein und unterstützt den Ansatz mit
Analysemodulen der AIT Media Intelligence Platform. Die eingesetzten
Textanalyseverfahren helfen dabei, Beiträge zu priorisieren, die
potenziell Hate Speech, toxische Kommunikation oder destruktive
Interaktionsmuster enthalten könnten. Moderator:innen erhalten
Hinweise auf potenziell relevante Inhalte und entscheiden
anschließend selbst über die Einordnung und etwaige Maßnahmen. Dieser
Human-in-the-Loop Ansatz verbindet die Effizienz maschineller
Unterstützung mit menschlicher Verantwortung und orientiert sich in
seiner Grundlogik an vertrauenswürdigen Moderations- und
Hinweisstrukturen im Sinne des Digital Services Act (DSA). Ziel ist
nicht Zensur, sondern Moderation in einem wachsenden Plattformumfeld
überhaupt erst skalierbar zu machen, ohne Entscheidungen an KI zu
delegieren.

Gerade hierin liegt eine der größten Herausforderungen der
kommenden Jahre. Wir müssen unsere digitalen Räume aktiv gestalten,
so dass sie demokratische Werte unterstützen und Dialog fördern.

Zwtl.: Österreichische Forschung trifft österreichisches
Unternehmertum

Die Zusammenarbeit zwischen dem AIT und Orbyz zeigt, welches
Innovationspotenzial in Österreich vorhanden ist. Das AIT zählt zu
den führenden Forschungsinstitutionen Europas in den Bereichen
Künstliche Intelligenz, Datenwissenschaften und digitale Sicherheit.
Die Mission des AIT in dieser Kooperation besteht darin,
wissenschaftlich fundierte Methoden für menschenzentrierte digitale
Interaktion zu entwickeln und neue Formen verantwortungsvoller
Plattformarchitekturen unter realen Bedingungen zu erforschen. Orbyz
bringt die Perspektive eines technologiegetriebenen Startups ein und
ergänzt diesen Ansatz mit einer konkreten Anwendung: Das Wiener
Unternehmen entwickelt eine europäische Social-Media-Plattform, die
auf einem abonnementbasierten Geschäftsmodell statt werbefinanzierter
Aufmerksamkeit basiert. Der Anspruch: keine Datenweitergabe, kein
Data Harvesting und keine datengetriebenen Werbemodelle als Grundlage
der Nutzerinteraktion. Dadurch entsteht ein alternativer Ansatz zu
etablierten Plattformökonomien.

Diese Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz und
unternehmerischer Agilität bietet die Möglichkeit, neue Ansätze und
Erkenntnisse nicht nur theoretisch zu entwickeln, sondern direkt in
einer aktiven Plattform zu erproben, zu validieren und
weiterzuentwickeln. Forschung bleibt damit nicht im Labor, sondern
kann unter realen Bedingungen wirken. Während internationale
Plattformen bestehende Systeme nachträglich an neue gesellschaftliche
Anforderungen anpassen müssen, integriert Orbyz Sicherheits-,
Moderations- und Wertekonzepte bewusst von Beginn an direkt in die
Architektur seiner Plattform.

Zwtl.: Europas Chance auf eine Alternative

Die Bedeutung solcher Initiativen reicht weit über Österreich
hinaus. Europa sucht seit Jahren nach Antworten auf die Dominanz
amerikanischer und chinesischer Plattformen. Oft wird im Zusammenhang
mit der digitalen Souveränität nur über Cloud-Infrastruktur,
Halbleiter oder künstliche Intelligenz gesprochen. Weniger
Aufmerksamkeit erhält die Frage, wie soziale Netzwerke, die
europäischen Werten entsprechen, aussehen sollten.

Denn Datenschutz, Transparenz, demokratische Diskussionskultur
und gesellschaftliche Verantwortung gelten zunehmend als strategische
Wettbewerbsfaktoren. Und die nächste Generation sozialer Netzwerke
wird nicht nur daran gemessen werden, wie viele Nutzer:innen sie
erreicht. Entscheidend wird sein, welche Qualität der Interaktion sie
ermöglicht.

Zwtl.: Der Vorsprung der frühen Denker

Für Orbyz könnte sich nun auszahlen, dass das Unternehmen viele
dieser Fragen bereits zu einem Zeitpunkt stellte, als die öffentliche
Debatte noch von Nutzerwachstum, Reichweite und Monetarisierung
geprägt war. Die Plattform wurde nicht als Reaktion auf aktuelle
Regulierungen entwickelt. Vielmehr entstand sie aus der Überzeugung,
dass digitale Räume künftig mehr leisten müssen als reine Vernetzung.
Mit der Kooperation mit dem AIT erhält dieser Ansatz nun
wissenschaftliche Tiefe und institutionelle Unterstützung. Ob daraus
tatsächlich ein europäisches Vorzeigemodell entsteht, wird sich
zeigen.

Fest steht jedoch bereits heute: Während viele Akteure noch
darüber diskutieren, wie bestehende Social-Media Netzwerke sicherer
gemacht werden können, arbeitet ein österreichisches Forschungs- und
Startup-Team bereits an der nächsten Generation digitaler Räume. Und
möglicherweise liegt genau darin die eigentliche Innovation.

Weiterführende Informationen: https://orbyz.world/

Zwtl.: Zitate:

„Soziale Netzwerke tragen Verantwortung – und Orbyz stellt sich
dieser Aufgabe. Gemeinsam mit dem AIT arbeiten wir daran, digitale
Räume sicherer, respektvoller und vertrauenswürdiger zu gestalten.
Unser Ziel ist es, Technologien einzusetzen, die Menschen schützen
und konstruktiven Dialog fördern. Das ist unser Beitrag zu einem
zukunftsweisenden Europa.“ Caroline Gager-Palfy, Founder of Orbyz

„Die Zusammenarbeit mit Orbyz bietet die Möglichkeit, unsere
Forschung im Bereich Assistive Intelligence in einem hochrelevanten
gesellschaftlichen Anwendungsfeld zu erproben. Gemeinsam wollen wir
dazu beitragen, digitale Räume zu schaffen, die europäische Werte
widerspiegeln und Europas digitale Souveränität nachhaltig stärken.“
Ross King, Head of Competence Unit “Data Science & Artificial
Intelligence”, Center for Digital Safety & Security, AIT

Über Orbyz

Orbyz ist das soziale Netzwerk für Impact. Die europäische Social
-Media-App vernetzt Menschen, Unternehmen, Wissenschaft, Politik und
Organisationen, die aktiv an einer nachhaltigen Entwicklung unserer
Gesellschaft mitwirken möchten. Im Mittelpunkt stehen Wissen,
Transparenz, Zusammenarbeit und konkrete Lösungen entlang der 17
Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Im
Gegensatz zu klassischen sozialen Netzwerken verzichtet Orbyz auf
Werbung, Datenhandel und aufmerksamkeitsgetriebene Algorithmen.
Nutzer:innen erhalten einen selbstbestimmten Feed und können sich
gezielt zu Themen wie Energie, Mobilität, Kreislaufwirtschaft,
Digitalisierung, Gesundheit, Bauen und Wohnen, Natur oder
Gesellschaft austauschen. Das Unternehmen wurde 2024 in Österreich
von Caroline Gager-Palfy gegründet und die App ist seit 2025 für iOS
und Android verfügbar. Heute verbindet Orbyz Menschen und
Organisationen aus mehr als 40 Ländern und versteht sich als
europäische Alternative zu bestehenden sozialen Netzwerken.

Über AIT

Das AIT Austrian Institute of Technology ist Österreichs größte
Forschungs- und Technologieorganisation, die mit mehr als 1.600
Mitarbeiter:innen an den zentralen Infrastrukturthemen der Zukunft
arbeitet. Dabei konzentriert sich das AIT auf die beiden miteinander
verknüpften Forschungsschwerpunkte „Nachhaltige und resiliente
Infrastrukturen“, insbesondere in den Bereichen Energie, Verkehr und
Gesundheit, sowie die „Digitale Transformation von Wirtschaft und
Gesellschaft“. Das AIT arbeitet eng mit der Industrie und
Auftraggebern aus öffentlichen Einrichtungen zusammen. Forschung &
Entwicklung ist der zentrale Innovationsmotor für Industrie,
Wirtschaft und Gesellschaft, sichert Arbeitsplätze und Wohlstand und
stärkt damit den Wirtschaftsstandort Österreich und Europa.

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