Wien (OTS) – Im Rahmen der ORF-„dokFilm“-Sommerprogrammierung setzt
der ORF am
Sonntag, dem 23. August 2026, um 22.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON
seine Porträtreihe „Österreichs Originale“ fort. Im Mittelpunkt
stehen interessante Menschen von nebenan, die identitätsstiftend sind
für ihr soziales Biotop, ihr Grätzel, ihre Nachbarschaft – oder aus
dem Raster dessen fallen, was landläufig als „normal“ bezeichnet
wird. Zum Auftakt von insgesamt zwei neuen, wieder von Jennifer Rezny
gestalteten Filmen – der nächste ist am 30. August zu sehen – geht es
um „Die Modepoetin & die Verführungskünstlerin“: Modeschöpferin
Susanne Bisovsky und Burlesque-Künstlerin Madeleine de Sade.
Anschließend unterhält sich in der 1998 produzierten
„Alltagsgeschichte“-Ausgabe „Im Bad“ Dokumentaristin Elizabeth T.
Spira, deren Regieassistentin Jennifer Rezny übrigens mehrere Jahre
war, in verschiedenen Wiener Bädern mit Schwimmern, Saunagästen sowie
„Tröpferlbad“-Besucherinnen und -Besuchern.
Mehr zum Inhalt von „Österreichs Originale – Die Modepoetin & die
Verführungskünstlerin“ (22.15 Uhr)
Sie sind mehr oder weniger berühmt – zumindest in ihrem Bezirk,
ihrem Grätzel oder ihrer „Bubble“ – definitiv sind sie aber
„Österreichs Originale“. Man spricht über sie, denn sie sind die
bunten Hunde, die schrägen Vögel, manchmal auch die schwarzen Schafe,
die Sonderlinge, die Unikate, die Ausnahmeerscheinungen. Sie sind
die, die auffallen, gefallen, missfallen, rausfallen – aus dem Raster
der Normalität. Regisseurin Jennifer Rezny stellt in ihrer Dokureihe
Menschen einander gegenüber, die von Leidenschaft und der Lust an der
Grenzüberschreitung getrieben sind.
In der jüngsten Ausgabe von „Österreichs Originale“ werden zwei
außergewöhnliche Wiener Künstlerinnen porträtiert, die sich auf ganz
unterschiedliche Weise der Schönheit verschrieben haben: die
international renommierte Modeschöpferin Susanne Bisovsky und die
Burlesque-Künstlerin Madeleine de Sade. Die eine erschafft mit
Stoffen poetische Bildwelten, die andere macht die Kunst der
Verführung zu ihrem Metier. Der Film begleitet beide Frauen hinter
die Kulissen ihres Schaffens und ihres Lebens – zu ihren
Inspirationen, Beziehungen und den Menschen, die ihnen Halt geben.
Susanne Bisovsky zählt zu den eigenständigsten Stimmen der
österreichischen Modeszene. Mit ihrem eigens entwickelten „Wiener
Chic“ verbindet sie historische Wiener Eleganz mit opulenten
Materialien, traditioneller Handwerkskunst und einer
unverwechselbaren, zeitgemäßen Ästhetik. Nach Stationen bei Jean-
Charles de Castelbajac, Vivienne Westwood und Helmut Lang entwickelte
sie eine Handschrift, die international Anerkennung findet – von den
Laufstegen bis zu Arbeiten für die Wiener Staatsoper, die Mailänder
Scala, Augarten oder Swarovski – und zuletzt u. a. auch für das ORF-
Neujahrskonzertballett (2024). Doch ihre Entwürfe sind weit mehr als
Mode. Mit Stoffen, Farben und Silhouetten erschafft sie poetische
Bildwelten, weckt Erinnerungen, entfacht Fantasien und erzählt
Geschichten. „Kleidung ist spannender, wenn sie verhüllt“, sagt sie.
Und: „Kleidung darf man nicht überschätzen, aber auch nicht
unterschätzen. Im besten Fall verändert sie einen Menschen zum
Positiven.“
Madeleine de Sade, bürgerlich Madeleine Blaha, ist in der
Performancekunst des Burlesque zu Hause. Inspiriert von den Ikonen
des „Old Hollywood“ sowie von einer Vorliebe für das Skurrile,
Morbide und Makabre, entwickelte sie eine unverkennbare Bühnenfigur,
für deren Auftritte sie Kostüme und Accessoires auch selbst entwirft.
Hinter Federn, Pailletten und Glamour stehen Disziplin, schwere
Koffer, lange Reisen, Organisation in kompletter Eigenregie und der
ständige Kampf um faire Gagen. Mit ihren Performances möchte sie
Frauen ermutigen, ihre eigene Sinnlichkeit zu entdecken und die
„Göttin“ in sich selbst zu entfalten. „Burlesque bedeutet für mich
Weiblichkeit und Selbstermächtigung“, sagt sie. Und mit einem
Augenzwinkern ergänzt sie: „Zu ernst darf man es aber auch nicht
nehmen, denn am Ende sind es Frauen, die Pasties auf ihre Brüste
kleben und damit wackeln – das ist schon auch recht witzig.“
Beide Frauen verbindet die Fähigkeit, mit Fantasie, Ästhetik und
handwerklicher Präzision Wirklichkeiten entstehen zu lassen, die zum
Träumen verführen. Die eine macht Mode zur Poesie, die andere die
Verführung zur Kunst. Gleichzeitig begleitet der Film die beiden
„Originale“ in ihren privaten Kosmos – zu ihren Rückzugsorten, ihren
Partnerschaften und zu jenen Menschen, die sie so annehmen, wie sie
sind. Ein Doppelporträt zweier Frauen, die Schönheit nicht als reine
Oberfläche begreifen, sondern als Ausdruck einer inneren Haltung.
Oder, wie Susanne Bisovsky es formuliert: „Man wird sehr schnell
überrumpelt von Schönheit. Aber es gibt auch einen zweiten Blick, der
anderes sieht.“