Wien (OTS) – Eine neue Evaluierung des sozialwissenschaftlichen
Forschungsinstituts abif bestätigt die hohe Praxisrelevanz der seit
Jänner 2026 österreichweit fünftägigen Werte- und Orientierungskurse
des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Die für Flüchtlinge und
subsidiär Schutzberechtigte verpflichtenden Werte- und
Orientierungskurse vermitteln Orientierung in Österreich und zentrale
Grundlagen für das Zusammenleben – von der Bedeutung des
Deutschlernens und der Selbsterhaltungsfähigkeit bis hin zu
Demokratie, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Teilnehmer/innen
bewerten insbesondere die Themen Deutschlernen, Arbeit, Sicherheit,
Gleichberechtigung und Zusammenleben in Österreich als besonders
hilfreich für ihren Alltag und ihre Integration. Die für Flüchtlinge
und subsidiär Schutzberechtigte verpflichtend zu besuchenden Werte-
und Orientierungskurse vermitteln grundlegende Informationen für
Integration und das Zusammenleben in Österreich. Der
Evaluierungsbericht steht ab sofort auf der ÖIF-Website zur
Verfügung.
Claudia Bauer, Bundesministerin für Europa, Integration und
Familie: „Wer bei uns leben will, muss Teil unserer Gesellschaft
werden. Dazu gehört, Deutsch zu lernen, sich um Arbeit zu bemühen und
unsere Werte, Regeln und Gesetze zu kennen und zu respektieren. In
unseren Werte- und Orientierungskursen machen wir deshalb von Beginn
an klipp und klar, wofür Österreich steht und was wir von Menschen
erwarten, die Teil unserer Gesellschaft werden wollen. Die
Evaluierung zeigt, dass wir damit genau bei jenen Themen ansetzen,
die für die Integration im Alltag entscheidend sind und von den
Teilnehmerinnen und Teilnehmern als besonders hilfreich wahrgenommen
werden. Wir geben damit klare Orientierung, setzen im Gegenzug aber
auch Eigenverantwortung und aktive Mitwirkung voraus. Denn
Integration ist kein Angebot, sondern eine Verpflichtung.“
Franz Wolf, Direktor des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF)
: „Deutsch zu lernen, zu arbeiten und die Werte und Regeln des
Zusammenlebens zu kennen, sind zentrale Voraussetzungen für eine
gelingende Integration. Die Evaluierung zeigt: Die fünftägigen Werte-
und Orientierungskurse vermitteln diese Grundlagen – etwa, wie man in
Österreich Pflichten erfüllt und Gesetze einhält oder wie Frauen
selbstbestimmt und gleichberechtigt leben – und geben so konkrete
Orientierung für den Alltag in Österreich.“
Teilnehmer/innen bewerten Kurse als wichtige Orientierungshilfe
für ihre Integration
Die Ergebnisse der Evaluierung zeigen, dass die Inhalte der Werte
– und Orientierungskurse von den Teilnehmer/innen als sehr praxisnah,
alltagsrelevant und als zentral für ihren persönlichen
Integrationsprozess bewertet werden. Besonders hervorgehoben werden
Deutschlernen, Arbeiten, Sicherheit und das Zusammenleben in
Österreich. Laut Evaluierung leisten die erweiterten Kursformate
einen wichtigen Beitrag zur Erstorientierung in Österreich und helfen
Teilnehmer/innen dabei, sich rasch im Alltag zurechtzufinden. Viele
Teilnehmer/innen berichten, dass das im Kurs vermittelte Wissen
unmittelbar im Alltag relevant ist – etwa bei Behördenkontakten,
Fragen zu Schule und Erziehung oder im Umgang mit Regeln und
Sicherheitsthemen in Österreich. Die Evaluierung zeigt zudem, dass
die Teilnehmer/innen einzelnen Themen unterschiedliche Bedeutung
beimessen: Frauen nennen häufig Gleichberechtigung und
Selbstbestimmung als wichtige Lernerfahrungen, während Männer
insbesondere Informationen zu Rechten, Pflichten und Gesetzen
hervorheben. Besonders großes Interesse besteht darüber hinaus am
Thema gewaltfreie Erziehung.
Standardisierte Curricula sichern hohe Qualität der erweiterten
Kursformate
Mit dem Ausbau der Werte- und Orientierungskurse auf fünf Tage
wurden zusätzliche Inhalte und vertiefende Module zu den Themen
Sicherheit und Zusammenleben sowie Zugehörigkeit in das Kursangebot
aufgenommen. Die Evaluierung zeigt einen deutlichen Wissenszuwachs
bei Teilnehmer/innen zu zentralen Themen wie Demokratie,
Gleichberechtigung, Bildung, Arbeitsmarkt und gesellschaftlichem
Zusammenleben. Gleichzeitig bestätigt die Evaluierung, dass die
standardisierten Curricula, klaren didaktischen Leitlinien und
bundesweit einheitlichen Kursunterlagen eine hohe und vergleichbare
Qualität der Kurse sicherstellen. Positiv hervorgehoben werden zudem
die professionelle Arbeit der zertifizierten Trainer/innen und
Dolmetscher/innen, die Möglichkeit, Fragen direkt im Kurs zu
besprechen, sowie die Lernatmosphäre. Die Inhalte zu Sicherheit und
Polizei sowie zu Desinformation und Manipulation im Internet werden
von Teilnehmer/innen als besonders relevant bewertet. Der fünftägige
Kursrahmen schafft laut Evaluierung die nötige Zeit für
Übersetzungen, Praxisbeispiele, Verständnisfragen und Wiederholungen.
Über die Evaluierung
Die Evaluierung wurde vom sozialwissenschaftlichen
Forschungsinstitut abif durchgeführt und erfolgte in zwei Phasen.
Zunächst wurde die Pilotphase des erweiterten Kursformats evaluiert.
Die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Empfehlungen flossen
unmittelbar in die inhaltliche, didaktische und sprachliche
Weiterentwicklung der Kurse ein. Zu Beginn des österreichweiten
Regelbetriebs im Jänner 2026 wurde das überarbeitete Kursformat
erneut evaluiert. Im Rahmen der Evaluierung wurden die Kursinhalte,
ihre Praxisrelevanz, Verständlichkeit und der persönliche
Wissenszuwachs der Teilnehmer/innen untersucht. Dafür kamen
unterschiedliche wissenschaftliche Methoden zum Einsatz, darunter
sieben Fokusgruppen mit Kursteilnehmer/innen, sechs Expert/innen-
Gespräche, teilnehmende Beobachtungen der Kurse, Feldgespräche mit
Kursleiter/innen und Dolmetscher/innen sowie die Analyse relevanter
Kursunterlagen. Die Evaluierung wurde an mehreren Kursstandorten in
verschiedenen Bundesländern durchgeführt.
Über die Werte- und Orientierungskurse
Die im Integrationsgesetz festgeschriebenen Werte- und
Orientierungskurse des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) sind
für Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte verpflichtend und
vermitteln grundlegende Themen für die erste Orientierung in
Österreich, eine rasche Integration und ein gutes Zusammenleben.
Zentrale Themen sind etwa die Bedeutung des Deutschlernens, der
Selbsterhaltungsfähigkeit und der Gleichberechtigung von Mann und
Frau. Im Jänner 2026 wurden die Kurse von drei auf fünf Tage
erweitert. Neu sind insbesondere das Modul „Sicherheit und
Zusammenleben“ sowie ein eigenes Modul zu „Zugehörigkeit“. Die auf
Deutsch abgehaltenen und im Bedarfsfall gedolmetschten Kurse werden
laufend österreichweit angeboten und von zertifizierten Trainer/innen
durchgeführt.