Wien (OTS) – Der Gemeindebau gilt in Österreich seit Jahrzehnten als
Garant für
leistbares und sicheres Wohnen. Für viele Menschen mit geringem
Einkommen ist er mehr als nur ein Dach über dem Kopf – er bedeutet
Stabilität, Planbarkeit und sozialen Zusammenhalt. In Wiener Neustadt
jedoch steht dieses Modell auf dem Prüfstand. Laut ÖVP-Bürgermeister
Klaus Schneeberger belasten die Gemeindewohnungen das Stadtbudget
jährlich mit einem Defizit von rund vier Millionen Euro. Angesichts
dieser Zahlen sieht sich die Stadt gezwungen, rund drei Viertel der
Gemeindewohnungen zu verkaufen. Die geplante Privatisierung sorgt für
intensive Debatten – nicht nur in Wiener Neustadt. Auch andere
österreichische Kommunen beobachten die Entwicklung genau und prüfen
ähnliche Schritte. Ist der Verkauf kommunaler Wohnungen eine
wirtschaftliche Notwendigkeit in Zeiten knapper Kassen? Oder markiert
er einen grundlegenden Bruch mit der sozialpolitischen Tradition des
Gemeindebaus?
Für die „Am Schauplatz“-Reportage „Das Ende des Gemeindebaus“ –
zu sehen am Donnerstag, dem 26. März 2026, um 21.05 Uhr in ORF 2 und
auf ORF ON – waren Beate Haselmayer und ihr Kamerateam mehrere Wochen
in betroffenen Wohnanlagen unterwegs. Sie haben mit Mieterinnen und
Mietern gesprochen, Stimmungen eingefangen und nachgefragt, was der
geplante Verkauf für den Alltag der Menschen bedeutet. In der Robert-
Stolz-Siedlung etwa herrscht große Verunsicherung. „Die Leute werden
überhaupt nicht gefragt, ob sie das wollen“, sagt ein älterer
Bewohner. Trotz unbefristeter Mietverträge bangen viele um ihre
langfristige Sicherheit und fürchten steigende Mieten oder
Kündigungen.
Andere wiederum sehen in einem Eigentümerwechsel auch eine
Chance: Manche Gebäude sind in die Jahre gekommen, notwendige
Sanierungen wurden immer wieder aufgeschoben. Sie hoffen, dass ein
privater Investor frisches Kapital bringt und die Wohnqualität
verbessert. Zwischen Angst vor Verdrängung und Hoffnung auf
Erneuerung zeigt die Reportage, wie tiefgreifend die Entscheidung der
Stadt in das Leben Hunderter Familien eingreift – und stellt die
Frage, wie viel sozialen Wohnbau sich Gemeinden künftig noch leisten
können.