Concordia-Preise 2026 im Parlament überreicht

Wien (PK) – Fritz Espenlaub, Jasmin Körber, Christian Schiffer und
Klaus Uhrig in
der Kategorie Pressefreiheit sowie Jürgen Klatzer und Matthias
Winterer in der Kategorie Menschenrechte – das sind die Preisträger
und die Preisträgerin der Concordia-Preise 2026. Die Auszeichnungen
wurden heute Abend auf Einladung des Nationalratspräsidiums und
Bundesratspräsident Markus Stotter im Parlament überreicht. Den
Ehrenpreis in der Kategorie Lebenswerk erhielt die langjährige
Generalsekretärin des Presseclub Concordia Astrid Zimmermann.

Ausgezeichnet wurden Fritz Espenlaub, Jasmin Körber, Christian
Schiffer und Klaus Uhrig für die Podcast-Serie „Die Peter Thiel
Story“, die sie für den Deutschlandfunk produziert haben und die auch
auf Ö1 zu hören war. Am Beispiel des US-Investors Peter Thiel zeige
die Story, „wie mit einem machtvollen, finanzstarken Netzwerk Grund-
und Freiheitsrechte einschließlich der freien Berichterstattung
eingeschränkt, ausgehöhlt und letztlich zunichtegemacht werden
können“, heißt es unter anderem in der Begründung der Jury.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Wie Jury-Präsidentin Heide Schmidt bei der Preisverleihung
berichtete, gab es in der Kategorie Pressefreiheit ein „Kopf-an-Kopf-
Rennen“ zwischen der sechsteiligen Podcast-Serie und einer
umfassenden Berichterstattung über den Gaza-Krieg, an der sich
insgesamt zwölf Medien beteiligt hatten. Letztlich habe sich aber die
Podcast-Serie durchgesetzt, schilderte sie. Auch in der Kategorie
Menschenrechte hat es ihr zufolge zahlreiche preiswürdige
Einreichungen gegeben. Etwa einen Bericht über die
Begutachtungspraxis bei der PVA, den Text eines „Standard“-
Journalisten mit vietnamesischen Wurzeln über die Fluchterfahrungen
seiner Eltern und eine Recherchearbeit von „Dossier“ über Missstände
im Erwachsenenschutz.

Zuerkannt wurde der Preis schließlich den Falter-Journalisten
Jürgen Klatzer und Matthias Winterer für ihre Reportage „Körperliche
Gewalt war gang und gäbe“. Mit dieser Reportage hat das seit 2025 für
den Falter tätige Duo den Missbrauchsskandal bei SOS-Kinderdorf
öffentlich gemacht und damit nicht zuletzt eine öffentliche Debatte
über die Kinder- und Jugendwohlfahrt ausgelöst, wie Schmidt
skizzierte.

Schmidt: Journalismus ist unverzichtbarer Bestandteil der
Demokratie

Ohne die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten würde vieles
im Dunkeln bleiben, betonte Schmidt. Die Inhalte vieler Einreichungen
für die Concordia-Preise würden einen fassungslos machen und
schockieren, die Gesellschaft brauche diese Informationen aber, um
auf sie reagieren zu können. Journalismus ist für Schmidt in diesem
Sinn ein unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie.

Gewürdigt wurde die Reportage über das SOS Kinderdorf auch von
Andrea Holz-Dahrenstaedt, ehemalige Kinder- und Jugendanwältin des
Landes Salzburg. Klatzer und Winterer hätten mit ihren Recherchen
etwas ins Rollen gebracht, sagte sie. Viel zu lange sei ein Deckel
auf die Missstände bei SOS-Kinderdorf, für Holz-Dahrenstaedt „ein
Supergau“, draufgehalten worden.

Die Laudatio für die drei Autoren und die Autorin der „Peter
Thiel Story“ hielt die Journalistin und Filmemacherin Barbara
Kaufmann. Journalismus habe die Aufgabe, hinter die Kulissen zu
blicken, hob sie hervor. Uhrig, Mitautor und Produzent des Podcasts,
warnte in seinen Dankesworten vor einer Entwicklung, in der
„Superreiche“ immer mehr Medien aufkauften.

Ehrenpreis für Astrid Zimmermann

Astrid Zimmermann, die den Ehrenpreis in der Kategorie Lebenswerk
erhielt, war nicht nur für einige Jahre Generalsekretärin des
Presseclub Concordia, sondern unter anderem auch Journalistin beim
„Standard“ und anderen Printmedien, drei Jahre lang Vorsitzende der
Journalistengewerkschaft, Gründungsmitglied des Frauennetzwerks
Medien und Aufsichtsrätin der Wiener Zeitung. Zudem war sie jahrelang
beim Österreichischen Presserat aktiv, unterstützte verschiedene
Projekte zur qualitativen Journalismusentwicklung, auch außerhalb
Österreichs, und war Mitbegründerin des „Medienhaus Wien“. Zimmermann
setze sich seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Funktionen mit
großem Engagement für Journalistinnen und Journalisten und für
journalistische Qualität ein, würdigten der Presseclub Concordia und
Susanne Glass, Redaktionsleiterin Ausland des Bayerischen Rundfunks,
die vielfältigen Aktivitäten der Preisträgerin.

Eingeladen zur Preisverleihung hatte der Presseclub gemeinsam mit
dem Nationalratspräsidium, Bundesratspräsident Markus Stotter und
Parlamentsdirektor Harald Dossi. Das Parlament sei genau der richtige
Ort, um die Concordia-Preise zu überreichen, betonte Dossi in seinen
Eröffnungsworten. Schließlich sei das Parlament nicht nur ein
wichtiger Ort der Begegnung zwischen Medienvertreterinnen und
Medienvertretern und der Politik, sondern auch ein Ort, in der die
strukturellen Rahmenbedingungen für Medien verhandelt werden.

Schell: KI könnte Essenz des Journalismus kaputt machen

Katharina Schell, Vizepräsidentin des Presseclub Concordia, wies
darauf hin, dass der Presseclub Concordia schon seit 1997
außerordentliche journalistische Leistungen auszeichne. Was aber
mache ausgezeichneten Journalismus aus, fragte sie und gab darauf
eine vielschichtige Antwort. Ein klar definiertes Ziel sei es
jedenfalls, zu einer informierten Gesellschaft beizutragen. Auch das
Erzählen von faktenbasierten, nicht erfundenen Geschichten sowie
Wahrhaftigkeit gehören aus ihrer Sicht zu gutem Journalismus. Ebenso
das Wissen darüber, für wen man erzähle. Man müsse das Publikum
kennen.

Zur generellen Situation der Medien merkte Schell an, 2025 sei
aus Mediensicht „kein tolles Jahr“ gewesen. Viele Journalistinnen und
Journalisten hätten ihren Job verloren, andere hätten von sich aus
„das Weite gesucht“. „Wir arbeiten in einer Branche, die mit dem
Transformieren nicht nachkommt“, meinte Schell. Das tue weh, nicht
nur ökonomisch, sondern auf Sicht auch journalistisch. Schell warnte
in diesem Zusammenhang auch vor einem Siegeszug der KI: KI könnte
ihrer Meinung nach die erste Technologie sein, der es gelinge, die
Essenz des Journalismus zu verändern und diesen damit „kaputt zu
machen“.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Akkordeonisten
Jakob Steinkellner. (Schluss) gs

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf
vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments .