Wien (OTS) – Der Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren
begrüßt die
einstimmige Initiative des Nationalrats, gesetzliche Lücken im
Kinderschutz zu identifizieren und zu schließen. Dass alle
Parlamentsparteien die Dringlichkeit anerkennen, ist ein wichtiges
Signal. Entscheidend sei nun jedoch, dass den Ankündigungen rasch
konkrete, nachhaltige Maßnahmen folgen.
„Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.
Vernachlässigung und Gewalt in der Kindheit haben weitreichende
Folgen für die Gesundheit und die Arbeits- und Beziehungsfähigkeit
und erhöhen das Risiko, im Erwachsenenalter erneut Opfer von Gewalt
zu werden“, betont Petra Birchbauer, Vorstandsvorsitzende des
Bundesverbands Österreichischer Kinderschutzzentren.
Besonders wichtig ist aus Sicht des Bundesverbandes ein klarer
Schwerpunkt auf Prävention . Gewaltprävention ab dem frühesten
Lebensalter, flächendeckende Kinderschutzkonzepte in Bildungs- und
Freizeiteinrichtungen sowie eine verpflichtende Verankerung
kinderschutzrelevanter Inhalte in den Aus- und Fortbildungen aller
Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten, sind zentrale Bausteine
eines wirksamen Kinderschutzes.
„Die anhaltende Akzeptanz von körperlicher und psychischer Gewalt
in der Erziehung zeigt, wie wichtig flächendeckende Präventionsarbeit
ist. Kinderschutz bedeutet auch, überholte Haltungen wie die ‚gesunde
Watschn‘ klar als das zu benennen, was sie sind: Gewalt gegen
Kinder“, ergänzt Vorstandsmitglied Thomas Graf.
Handlungsbedarf sieht der Bundesverband zudem im digitalen
Kinderschutz . Die zunehmende Digitalisierung des Alltags von Kindern
und Jugendlichen erfordert eine konsequent kindgerechte
Ausgestaltung. Hilfsangebote müssen dort sichtbar sein, wo sich
Kinder tatsächlich aufhalten – auch auf Social-Media-Plattformen, in
Games und Online-Foren. Risiken wie Cybergrooming oder das strafbare
Weiterleiten von Sexting-Aufnahmen müssen präventiv und altersgerecht
adressiert werden.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Stärkung der
institutionellen Versorgung . Kinderschutzzentren leisten seit
Jahrzehnten unverzichtbare Arbeit im Gewaltschutz von Kindern und
Jugendlichen. Diese komplexen Aufgaben können nur in
multiprofessionellen, gut ausgestatteten Einrichtungen bewältigt
werden. Der bestehende Personalmangel und die Abwanderung
qualifizierter Fachkräfte erfordern dringend strukturelle und
finanzielle Gegenmaßnahmen.
Der Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren steht der
Bundesregierung und dem Parlament als fachliche Expertise zur
Verfügung und hofft, dass der heute beschlossene politische Wille
rasch in wirksame Maßnahmen übersetzt wird – im Interesse aller
Kinder und Jugendlichen in Österreich.