Wien (OTS) – Wiens Bürgermeister Michael Ludwig traf am Donnerstag in
Rom seinen
Amtskollegen Roberto Gualtieri zu einem Arbeitsgespräch über zentrale
Zukunftsfragen europäischer Städte. Im Mittelpunkt standen leistbares
Wohnen, die Reform des EU-Vergaberechts sowie nachhaltige Mobilität
und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs.
Ein Schwerpunkt des Treffens war die zunehmende Herausforderung
steigender Wohn- und Lebenshaltungskosten in europäischen Metropolen.
Beide Bürgermeister waren sich einig, dass leistbares Wohnen zu den
zentralen sozialen Zukunftsfragen Europas zählt und deutlich stärker
in den Fokus europäischer Politik rücken muss.
„Die steigenden Miet- und Lebenshaltungskosten sind eine
Schlüsselfrage für die Zukunft der europäischen Städte. Wir müssen
unsere Erfahrungen stärker austauschen und voneinander lernen.
Leistbares Wohnen ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit
und eng mit vielen anderen Politikfeldern verknüpft“, betonte Ludwig.
Der Wiener Bürgermeister stellte in diesem Zusammenhang erneut
das Wiener Modell des sozialen und leistbaren Wohnens in den
Mittelpunkt. Wien gilt international als Vorzeigestadt für eine
aktive Wohnbau- und Bodenpolitik mit einem starken öffentlichen und
gemeinnützigen Wohnsektor. Diese langfristige Strategie trage
wesentlich zu sozialer Stabilität, leistbaren Mieten und hoher
Lebensqualität bei.
Zugleich hob Ludwig die europäische Dimension des Themas hervor.
Leistbares Wohnen sei längst nicht mehr nur eine kommunale Aufgabe,
sondern eine strukturelle Herausforderung für die Europäische Union.
Die EU könne Städte und Regionen stärker unterstützen, etwa durch den
Austausch bewährter Modelle und geeignete Rahmenbedingungen für
sozialen Wohnbau.
“Städte wie Rom aber auch Wien stehen wirtschaftlich vor großen
Chancen. Daher sind wechselseitiger Austausch und Zusammenarbeit
besonders wichtig. Wie Wien für Österreich ist Rom das
wirtschaftliche Zentrum Italiens. Ähnlich ist auch der hohe
Dienstleistungsanteil sowie die Stärke bei wissensbasierten
Industrien. Italien ist zudem mit einem Volumen von mehr als vier
Milliarden Euro ein wichtiger Handelspartner für die Wiener
Unternehmen, bei steigenden Exporten in den letzten Jahren. Mit
unserem starken Life Sciences-Sektor können wir hier Impulse setzen”,
sagt Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck anlässlich des
gemeinsamen Arbeitstreffens mit Wiens Bürgermeister Michael Ludwig
und Roms Bürgermeister Robertro Gualtieri.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs stand die von Roberto Gualtieri
als Berichterstatter im Ausschuss der Regionen vorangetriebene Reform
des europäischen Vergaberechts im Fokus. Diese wurde Anfang März 2026
angenommen und zielt auf eine grundlegende Modernisierung und
Vereinfachung der öffentlichen Beschaffung in der Europäischen Union
ab.
Künftig sollen Vergabeverfahren für Städte und Regionen deutlich
einfacher, schneller und transparenter gestaltet werden. Gleichzeitig
soll öffentliche Beschaffung stärker an strategischen europäischen
Zielen ausgerichtet werden – insbesondere an Nachhaltigkeit,
hochwertigen Arbeitsplätzen, Resilienz und sozialer Verantwortung.
Ludwig begrüßte diesen Ansatz ausdrücklich: „Gerade große Städte
wie Wien sind täglich mit komplexen Vergabeverfahren konfrontiert.
Vereinfachung bedeutet hier mehr Effizienz und letztlich bessere
Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger.“
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Digitalisierung
der öffentlichen Beschaffung. Die von Gualtieri vorgeschlagene
europäische Dateninfrastruktur soll Vergabeprozesse harmonisieren,
transparenter machen und die Zusammenarbeit zwischen Städten
erleichtern. Wien bringe dafür aufgrund seiner stark ausgebauten E-
Government-Strukturen sehr gute Voraussetzungen mit.
„Wien ist im Bereich digitaler Verwaltung sehr gut aufgestellt
und kann hier künftig eine Vorreiterrolle bei datenbasierten
Vergabeprozessen einnehmen“, so Ludwig. Gemeinsame europäische
Standards würden langfristig zu effizienteren und nachvollziehbareren
Verfahren beitragen.
Abschließend stand der Austausch über nachhaltige Mobilität im
Mittelpunkt. Wien und Rom zeigten dabei, wie moderne Verkehrspolitik
in historisch gewachsenen Städten erfolgreich umgesetzt werden kann.
Mobilität sei dabei nicht nur Infrastrukturfrage, sondern eine
zentrale soziale und klimapolitische Aufgabe.
„Stadtentwicklung und öffentlicher Verkehr müssen gemeinsam
gedacht werden“, betonte Ludwig. Wien verfüge über eines der
leistungsfähigsten öffentlichen Verkehrssysteme Europas, in dem
bereits rund 75 Prozent aller Wege umweltfreundlich – mit Öffis, zu
Fuß oder mit dem Fahrrad – zurückgelegt werden.
Das Wiener Modell basiere auf langfristiger Planung, dichter
Infrastruktur, sozial verträglichen Tarifen und der konsequenten
Verknüpfung von Stadtentwicklung und Öffi-Ausbau. Ein zentrales
Zukunftsprojekt sei dabei U2xU5, das größte Infrastruktur- und
Klimaschutzprojekt der Stadt, mit der neuen vollautomatischen U5 als
technologischem Meilenstein.
Zum Abschluss betonten beide Bürgermeister die Bedeutung enger
Zusammenarbeit europäischer Städte. Gerade in Zeiten großer Umbrüche
sei der direkte Austausch zwischen Metropolen entscheidend, um
tragfähige Lösungen für die Zukunft Europas zu entwickeln.