Bildungsminister Wiederkehr gibt einen Überblick über die Erarbeitung der neuen Lehrpläne für kaufmännische Schulen

Wien (OTS) – Im Rahmen eines Medientermins präsentierte heute
Bildungsminister
Christoph Wiederkehr zusammen mit dem Direktor der BHAK / BHAS Wien
10, Jörg Hopfgartner die Planung neuer Lehrpläne für kaufmännische
Schulen.

Nachdem vor einigen Wochen eine Reform der Lehrpläne in den AHS
vorgestellt wurde, folgen nun die kaufmännischen Schulen. Ziel der
Reform ist es, aktuelle Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft
besser in den Unterrichtsgegenständen abzubilden. In Handelsakademien
und Handelsschulen wurden generelle Ziele wie
Beschäftigungsfähigkeit, Mündigkeit und demokratisches Engagement und
Lebensgestaltungsfähigkei t als besonders relevant definiert. Diese
wurden um spezifische Ausbildungsziele ergänzt:

– Handelsakademie: Entrepreneurship, Nachhaltigkeit, Digitale
Applikation und KI und Future Skills

– Handelsschule: Selbstwirksamkeit, Kritisches Denken und Handeln,
Berufsfähigkeit und Entrepreneurship

Zur Zielerreichung wurden transversale Kompetenzen (Selbst-,
Sozial- und Methodenkompetenz) abgeleitet, also Kompetenzen, die die
Absolventinnen und Absolventen befähigen, das Gelernte auch in
neuartigen Situationen erfolgreich anzuwenden. Dazu gehören unter
anderem: Selbstständiges Problemlösen, Innovationskraft &
Kreativität, Eigeninitiative, analytisches und kritisches Denken.
Konkret für den Unterricht bedeutet dies, dass nicht ein fachliches
Ziel im Vordergrund steht, sondern die Entwicklung der genannten
Kompetenzen.

Neue Fächer in den Handelsakademien und Handelsschulen

Aufgrund der genannten Zielsetzungen ist geplant, neue
Schulfächer in den Handelsakademien und Handelsschulen einzuführen.

In den Handelsakademien sind folgende neue Schulfächer in
Planung:

Economic & Financial Literacy : Moderne Finanzbildung und
ökonomische Entscheidungsfähigkeit werden in diesem Unterrichtsfach
vermittelt – für finanzielle Mündigkeit und ein selbstbestimmtes
Leben in einer zunehmend komplexen Wirtschaftswelt.

Rechnungswesen, Datenanalyse und Reporting: Hier werden
Schülerinnen und Schüler zu „denkenden Buchhalterinnen und
Buchhaltern“ – Sie werden mit Fokus auf IT, KI und Datenkompetenz zu
digital versierten und analytischen Wirtschaftsexpertinnen- und
Experten ausgebildet.

Business Experience & Future Challenges : Der Praxisbezug rückt
ins Zentrum: Reale Unternehmensprojekte, Wahlmodule und Future Skills
verbinden Schule, Arbeitswelt und Innovation. Zudem wird der Aufbau
von Schlüsselkompetenzen für Studium, Beruf und Karriere gefördert.

Internationale Kommunikation mit Fokussprache : Der Unterricht
konzentriert sich verstärkt auf die wirtschaftliche und berufliche
Anwendung der Fremdsprache.

Das Fächerbündel Naturwissenschaften wird weitergeführt .

Im Bereich Schulautonomie sollen den Schulen Freiräume im Bereich
der Stundentafel, Unterrichtsinhalte, der Lern- und Arbeitsformen
sowie der Lernorganisation eröffnet werden. Die Schulen können somit
auf lokale Bedarfe und Anforderungen reagieren. Demokratiebildung,
Nachhaltigkeit und digitale Bildung sind als Querschnittsthemen in
allen Fachlehrplänen abgebildet.

In den Handelsschulen sind folgende Änderungen in Vorbereitung:

Dort wird durch die Einführung eines projektbasierten,
fächerübergreifenden Unterrichts zu einem Ort des praxisnahen
Erlebens transformiert, der die Selbstwirksamkeit und Berufsfähigkeit
der Schülerinnen und Schüler durch maximale Handlungsorientierung
stärkt.

In der Projektwerkstatt lernen Schülerinnen und Schüler kreativ,
hands-on und lebensweltrelevant. Und das mehrperspektivisch , da
diese Projektwerkstatt aus unterschiedlichen Fächern gespeist wird:

„Betriebswirtschaft“, „IT-Business“, „Deutsch“, „Englisch
einschließlich Wirtschaftssprache“, gestalten gemeinsam
fächerübergreifende Projekte über einen Zeitraum von ca. 2 Monaten :
z. B. zu Medienwelt (= Medienbildung) Konsumwelt, Arbeitswelt,
Unternehmerisches Denken.

Medienkompetenz wird in der Handelsschule als ein solches Projekt
fächerübergreifend entwickelt. Die Umsetzung der Projektwerkstatt hat
agile Projektmanagement -methoden zur Grundlage.

Die vorliegenden Lehrplanentwürfe sollen im Schuljahr 2027/28
implementiert werden. Derzeit besuchen etwa 50.000 Schülerinnen und
Schüler eine von 114 kaufmännischen Schulen.

Dazu Bildungsminister Christoph Wiederkehr : „Mit der
Lehrplanreform für kaufmännische Schulen stellen wir sicher, dass
unsere Absolventinnen und Absolventen nicht nur bereit für den
Arbeitsmarkt sind, sondern als kritisch denkende Persönlichkeiten
ihre und unsere Zukunft aktiv und verantwortungsvoll gestalten
können.“

Der Direktor der BHAK / BHAS Wien 10, Jörg Hopfgartner , ergänzt:

„Die Lehrplanentwicklung war bzw. ist aus Sicht der HAK/HAS-
Direktorinnen und Direktoren durch die strategische Einbindung aller
Stakeholder ausgesprochen gelungen. An den 114 HAK/HAS Standorten
Österreichs schauen wir zusammen mit unseren Lehrer*innen-Teams mit
Professionalität, Zuversicht, aber vor allem aktiv gestalteter und
gelebter Schulautonomie als Bildungs-Entrepreneur*innen in die
Zukunft. Die Kombination aus Ausbildung für
Zukunftsberufe/Selbständigkeit bei gleichzeitiger Studierfähigkeit
liegt uns dabei als DIE Schulform für höhere Finanzbildung besonders
am Herzen.“