Wien (OTS) – Der ORF-Publikumsrat hat in seiner Plenarsitzung am
Donnerstag, dem
18. September 2025, unter dem Vorsitz von Mag.a Gabriele Zgubic-
Engleder folgende Beschlüsse gefasst und Empfehlungen beschlossen:
Der Publikumsrat hat alle Beschlüsse aus der konstituierenden
Sitzung des Publikumsrates vom 5. Juni 2025 einhellig bestätigt. Das
betrifft u. a. die Wahl der Vorsitzenden sowie der stv. Vorsitzenden
und die Bestellung von Mitgliedern des Publikumsrates zu Mitgliedern
des ORF-Stiftungsrates.
Der Publikumsrat hat weiters MMag.a Dr.in Petra Stolba als
weiteres Mitglied des Stiftungsrates bestellt.
Weiters wurden Heinz K. Becker und Univ. Prof. Dr. Markus
Fallenböck, LL.M. als neue Mitglieder des Publikumsrates begrüßt.
Außerdem hat der Publikumsrat folgende Empfehlungen beschlossen:
Empfehlung CORRIGENDUM-Website des ORF
Der Publikumsrat empfiehlt, dass der Generaldirektor des ORF
unter Einbeziehung von Redaktionen und Redaktionsvertretung des ORF
für die Einrichtung einer zentralen CORRIGENDUM-Website des ORF
sorgt.
Auf der CORRIGENDUM-Website des ORF sollen im Sinn einer gelebten
Transparenzkultur aufgetretene, eindeutige Faktenfehler in der
Berichterstattung in allen Kanälen des ORF – sei es in Wort, Ton oder
Bild, sowie in eigenproduzierten oder zugekauften Beiträgen –
richtiggestellt werden und zumindest für vier Wochen verfügbar sein.
Nicht von der CORRIGENDUM-Website zu erfassen sind eindeutige
Faktenfehler, die noch während einer laufenden Sendung live
richtiggestellt werden, Äußerungen von Interviewpartnern (diese
sollten – sofern sie journalistisch kritisch zu bewerten sind – in
bewährter Weise durch Einholung entsprechender Gegenmeinungen im
jeweiligen Beitrag in einen Bewertungskontext gestellt werden) sowie
Werturteile oder Bewertungen jeglicher Art (insbesondere Kommentare),
die – wie in den Programmrichtlinien vorgesehen – als solche im
jeweiligen Beitrag klar erkennbar sein müssen.
Der Publikumsrat sieht die Einrichtung einer zentralen
CORRIGENDUM-Website des ORF – oder in Form einer anderen leicht
verständlichen Bezeichnung – als wichtigen Beitrag, um die
Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegenüber seinem
Publikum nachhaltig zu gewährleisten bzw. zu erhöhen.
Empfehlung zur Weiterentwicklung des Qualitätssicherungssystems
Die Themen Objektivität, Ausgewogenheit und Meinungsvielfalt
sollen in die repräsentative Overall-Umfrage aufgenommen werden. Es
soll fachlich geprüft werden, ob die eingesetzten Methoden und
Instrumente um KI-unterstützte inhaltsanalytische Verfahren erweitert
werden können. Im Rahmen des jährlichen Qualitätsmonitoring soll auch
– zumindest exemplarisch – über konkrete Verbesserungsmaßnahmen auf
Basis der Befunde aus dem Vorjahr berichterstattet werden.
Begründung
Aufnahme der Themen Objektivität, Ausgewogenheit und
Meinungsvielfalt in die repräsentative Overall-Umfrage:
Der ORF-Publikumsrat hat bereits in seinen Jahresstudien 2018 und
2019 die methodischen Grundlagen geschaffen, um die öffentlich-
rechtlichen Kernwerte der Objektivität, Ausgewogenheit, Meinungs- und
Themenvielfalt aus Publikumssicht zu erheben. Entsprechende Fragen
sollen in die repräsentative, jährliche Overall-Umfrage des ORF für
das Qualitätssicherungssystem aufgenommen werden, um die
Weiterentwicklung dieser wichtigen Qualitätsdimensionen auf eine
empirische Basis zu stellen.
Anpassungen von Instrumenten und Methoden:
Es soll angesichts der verstärkten Verbreitung von KI-Lösungen
überprüft werden, ob das Methodenset des Qualitätssicherungssystems
um KI-gestützte inhaltsanalytische Verfahren erweitert werden kann,
um fundierte Aussagen zu Produktqualitäten treffen zu können (z. B.
Ausgewogenheit).
Berichterstattung über Verbesserungsmaßnahmen:
Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass Befunde des
Qualitätssicherungssystems nur punktuell herangezogen wurden, um
Leistungen des ORF weiterzuentwickeln. Der Publikumsrat empfiehlt,
dass im jährlichen Qualitätsmonitoring des Qualitätssicherungssystems
– zumindest beispielhaft – über konkrete Verbesserungsmaßnahmen auf
Basis der Befunde des Vorjahres bzw. der Vorjahre berichterstattet
wird. Ziel sollte es aus Sicht des Publikumsrats nicht nur sein,
Qualitäten des ORF zu beschreiben, sondern auch einen transparenten
Beitrag zu deren Weiterentwicklung zu leisten.