Wien (OTS) – Ein intensiver Duft erfüllt den Carlone-Saal im Oberen
Belvedere: In
elliptischer Anordnung breiten sich 54 Kilogramm blau-violette
Lavendelblüten am Boden aus und treten mit den Fresken von Carlo
Innocenzo Carlone in einen Dialog. Mit der konzeptuellen Arbeit 108
pfund lavendel bringt der niederländische Künstler herman de vries
ein Stück Natur in den barocken Kontext. Im vergangenen Jahr für die
Belvedere-Sammlung angekauft, wird die Installation nun im Rahmen der
Reihe CARLONE CONTEMPORARY präsentiert. Unter dem illusionistischen
Deckenfresko entfaltet sie ein multisensorisches Besuchserlebnis.
Generaldirektorin und Kuratorin Stella Rollig: herman de vries
versteht es, die Natur in ihrer stillen Präsenz erfahrbar zu machen.
Seine Arbeiten laden dazu ein, innezuhalten und die sinnliche Wirkung
natürlicher Elemente bewusst wahrzunehmen. Mit 108 pfund lavendel
entsteht im Carlone-Saal ein poetischer Dialog zwischen der
reduzierten Setzung der Lavendelblüten und der opulenten barocken
Bildwelt des Deckenfreskos.
Natur ist Kunst – diesem Credo folgt herman de vries seit mehr
als fünf Jahrzehnten. Ursprünglich als Botaniker und
Landschaftsgärtner ausgebildet, verknüpft er in seinem künstlerischen
Schaffen wissenschaftliche Herangehensweisen wie Beobachten,
Systematisieren und Archivieren mit mythologischen Erzählungen und
philosophischen Perspektiven. Bereits als Mitglied der Künstler*
innengruppe nul und in seiner informellen Malerei setzte er sich mit
grundlegenden Strukturen der Wahrnehmung auseinander, bevor er sich
ab den 1970er-Jahren verstärkt ökologischen Fragestellungen zuwandte,
die ihn bis heute zu einem der bedeutendsten Vertreter der
Environmental Art machen.
Im Zentrum der Arbeit von herman de vries steht die unmittelbare
Begegnung mit der Natur, stets geleitet von einem tiefen Verständnis
und Respekt vor den natürlichen Ressourcen der Erde. Bei seinen
täglichen Erkundungen – etwa im fränkischen Steigerwald oder auf
Reisen – sammelt er Blumen, Steine, Äste, Erde, Knochen, Gräser,
Mineralien u. v. m. Diese Objets trouvés arrangiert er zu sinnlichen
Installationen, denen in ihrer Schlichtheit eine eigene ästhetische
Kraft innewohnt. 108 pfund lavendel aus dem Jahr 1991 ist ein
eindrucksvolles Beispiel für diese Arbeitsweise: Die elliptische
Ausbreitung der getrockneten Blüten erfüllt den Raum mit Farbe und
Duft und schafft unter dem Deckenfresko des Carlone-Saals eine
unmittelbare Verbindung zwischen barocker Bildwelt und
Naturerfahrung.
Biografie herman de vries
herman de vries ist 1931 in Alkmaar (NL) geboren. Der Künstler
lebt und arbeitet in Eschenau (DE). Ausstellungen (Auswahl): Somerset
House, London, MuseumsQuartier, Wien, Georg Kolbe Museum, Berlin,
Ernst-Barlach-Haus, Hamburg. 1997 war er bei den Skulptur Projekten
in Münster vertreten, 2015 bespielte er den niederländischen Pavillon
auf der 56. Biennale di Venezia. Seine Arbeiten sind in folgenden
Sammlungen zu finden (Auswahl): Stedelijk Museum Amsterdam,
Kunstmuseum Den Haag, Bibliothèque nationale de France, Paris, Museum
of Modern Art, New York, Victoria and Albert Museum, London.
In der Reihe CARLONE CONTEMPORARY werden halbjährlich im Carlone-
Saal des Oberen Belvedere zeitgenössische Werke präsentiert. Die
Künstler*innen nehmen Bezug auf das barocke Bildprogramm der Fresken
im Saal und schlagen eine Brücke von der antiken Götterwelt Apolls
und Dianas in die Gegenwart.
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