Wien (OTS) – 40 Jahre sind für Bauwerke aus Beton kein Alter. Das
zeigt das
revitalisierte Bürogebäude „enna“ im 3. Wiener Gemeindebezirk, für
das die Betonstruktur des Vorgängerbaus aus den 1980er-Jahren
umgenutzt wird. Der Erhalt der Bausubstanz spart rund 40 Prozent CO₂
gegenüber einem Neubau ein und zeigt den wichtigen Beitrag, den das
Bauen im Bestand zur Ressourcenschonung leisten kann.
Die Bauweise und die Wahl der Baustoffe entscheiden darüber, wie
lang Gebäude genutzt werden können. Das Bürogebäude „enna“ an der
Erdberger Lände in Wien-Landstraße beweist, dass Beton –
materialeffizient und klug eingesetzt – langlebige und in der Nutzung
flexible Bauwerke schafft. Der in den 1980er-Jahren errichtete
Betonskelettbau wurde nach Plänen des Architekturbüros Hohensinn
Architektur revitalisiert und nach seinem Standort „Vi-enna“ benannt.
Grundlage der Planung war eine Bedarfserhebung bei rund 1.000
potenziellen Nutzern in Wien.
Durch den Erhalt des Gebäudes konnten im Vergleich zu einem
Neubau nahezu 10.000 Tonnen CO₂-Äquivalent eingespart werden. Das
ergibt die Berechnung der Ökobilanz über den gesamten Lebenszyklus
des Bauwerks gemäß Deutscher Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.
„Planung, Konstruktion und Materialwahl bestimmen, wie nachhaltig
sich ein Gebäude nutzen lässt und ob es sich künftig als
Materiallager fürs Um- und Weiterbauen eignet“, erklärt Claudia
Dankl, Vorstandsmitglied von Beton Dialog Österreich. „Langlebige
Betongebäude mit anpassungsfähigen Strukturen können auf lange Sicht
dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und Emissionen im Gebäudesektor
einzusparen.“
Zwtl.: Beton als Schlüssel für kreislauffähige Gebäude
Das 1984 von Architekt Heinz Neumann geplante Bauwerk wurde bis
2023 von den ÖBB als Bürogebäude genutzt. Der neue Eigentümer, Art-
Invest Real Estate, entschied sich, das Objekt 2024 umzubauen und zu
modernisieren, statt abzureißen. Dabei wird der Gebäudekern erhalten,
das Bauwerk thermisch saniert und mit einer Photovoltaikanlage
ausgestattet. „Wir haben bereits bei mehreren Projekten positive
Erfahrungen mit dem Re-Use von Bürogebäuden gemacht. In dem Fall hat
uns nicht nur die nachgewiesen gute Substanz des Gebäudes, sondern
auch die Lage an der Waterfront Erdberger Lände im dritten Bezirk
überzeugt“, erklärt Mark Leiter, Geschäftsführer von Art-Invest Real
Estate. Das gilt auch für die künftigen Mieter: Kurz vor
Fertigstellung des Gebäudes sind bereits 85 Prozent der Büroflächen
vermietet.
Rund 60 Prozent der bestehenden Materialien wurden
wiederverwendet. Die Fassadenplatten aus Aluminium wurden neu
beschichtet und mit zusätzlicher Dämmung wieder montiert. Neu sind
Deckenpaneele zur Heizung und Kühlung, die mit Fernwärme betrieben
werden und an den sichtbaren Originalbetondecken befestigt sind. Die
Dächer und Innenhöfe wurden begrünt und zu attraktiven Freiflächen
umgestaltet. Flexible Büroflächen, Gemeinschaftszonen sowie Gastro-
und Sportflächen im Erdgeschoss öffnen das Gebäude zur Nachbarschaft.
„Gerade im urbanen Raum lohnt es sich, Bestandsgebäude, die gut an
die lokale Infrastruktur angebunden sind, zu erhalten und möglichst
lange zu nutzen“, betont Karlheinz Boiger von Hohensinn Architektur.
„Die Revitalisierung bestehender Strukturen ist oft der nachhaltigste
Beitrag, den wir als Planer leisten können – sie schont Ressourcen
und stärkt gleichzeitig gewachsene Stadtstrukturen.“ Auch ein
vorbelasteter Standort ist dafür kein Hindernis: „enna“ befindet sich
nämlich auf einem im 19. Jahrhundert als Gaswerk genutzten Gelände.
Auswirkungen auf die Bausubstanz gibt es aber nicht.
Zwtl.: Nutzungen ändern sich, das Bauwerk bleibt
Technisch steht einer jahrzehnte-, oft sogar jahrhundertelangen
Nutzung von Betonbauwerken nichts im Wege, auch wenn Haftungsfragen
und Bewilligungen für ein Re-Use-Gebäude oft Mehraufwand bedeuten. Im
Fall von „enna“ bestätigten Gutachten, dass die Betontragstruktur
weiter genutzt werden kann, lediglich einzelne Bereiche mussten im
Zuge des Umbaus angepasst werden. „Die Bauwirtschaft befindet sich
zunehmend im Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft, in der
Ressourceneffizienz, Wiederverwendung von Bauteilen und der Einsatz
von Sekundärrohstoffen eine Schlüsselrolle spielen“, bestätigt auch
Brigitte Karigl, Leiterin des Bereichs Kreislaufwirtschaft im
Umweltbundesamt, das ein künftiger Mieter im Bürogebäude an der
Erdberger Lände sein wird. „Die Herausforderungen liegen in der
Planung, im Bau und im Betrieb von Bauwerken.“ Neben
recyclinggerechter Planung neuer Bauwerke zeigt das Projekt „enna“,
dass auch Sanierungen einen wirksamen und nachhaltigen Umgang mit
bestehenden Ressourcen ermöglichen. Für das Bürogebäude wird eine
ÖGNI Gold-Zertifizierung angestrebt, ein Gütesiegel der
Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft
für hohe Qualität in den Bereichen Ökologie, Ökonomie,
Soziokulturelles, Technik, Prozess und Standort.
Fotos zum Download unter https://beton-dialog.at/bauen-im-
bestand, Abdruck honorarfrei.
Zwtl.: Über Beton Dialog Österreich
Beton Dialog Österreich ist die Interessensgemeinschaft der
Zement-, Betonfertigteil- und Transportbetonhersteller in Österreich.
Ziel von Beton Dialog Österreich ist, die Bedeutung des
kreislauffähigen Baustoffs Beton für umwelt- und klimagerechtes Bauen
sowie die bisher erreichten Fortschritte der Branche bei der CO₂-
Reduktion in der Öffentlichkeit zu verankern.