Wien (OTS) – Immer mehr Lithium-Batterien im Alltag erhöhen auch die
Herausforderungen für die Abfallwirtschaft. Unsachgemäß entsorgte
Akkus verursachen zunehmend Brände in Sammelfahrzeugen und
Behandlungsanlagen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, brachte
Umweltminister Norbert Totschnig bereits im September 2025
Vertreterinnen und Vertreter aus Abfallwirtschaft, Handel,
Herstellerorganisationen, Wissenschaft und Verwaltung gemeinsam an
einen Tisch. Beim heutigen zweiten Runden Tisch wurden die
Fortschritte der seither gesetzten Maßnahmen bewertet, eine Studie
zur Erhöhung der Sammelquote vorgestellt und Maßnahmen zur Vermeidung
von Batteriebränden beraten.
Umweltminister Norbert Totschnig: „Beim ersten Runden Tisch haben wir
vereinbart, rasch vom Reden ins Handeln zu kommen. Genau das ist
gelungen. Gemeinsam mit allen beteiligten Partnern konnten wir
innerhalb weniger Monate erste wirksame Maßnahmen umsetzen. Heute
ziehen wir Bilanz und arbeiten bereits an den nächsten Schritten, um
Batteriebrände nachhaltig zu verhindern. Die heute vorgestellten
Studien liefern eine wertvolle Grundlage für die weitere Arbeit.
Deshalb wollen wir die noch offenen fachlichen, rechtlichen und
praktischen Fragen gemeinsam mit der Abfallwirtschaft, dem Handel und
den Herstellern in einer gemeinsamen Taskforce vertiefen. Außerdem
möchten wir die konkrete Ausgestaltung eines möglichen Pilotprojekts
für eine sichere und effiziente Rücknahme von Lithiumbatterien
erarbeiten. “
Erste Maßnahmen umgesetzt
Seit dem ersten Runden Tisch wurden wesentliche Vorhaben umgesetzt
oder auf den Weg gebracht:
– Bewusstsein stärken: Seit April 2026 informiert die bundesweite
Kampagne „Her mit Leer“ verstärkt über die Brandgefahr falsch
entsorgter Lithium-Batterien. Die Mittel für die dreijährige Kampagne
wurden gegenüber der ersten Phase verdoppelt.
– Rückgabe erleichtern: Mit der Novelle der
Elektroaltgeräteverordnung wird die Rücknahme sehr kleiner
Elektrogeräte mit Batterien – etwa Einweg-E-Zigaretten – deutlich
ausgeweitet. Künftig gilt die Rücknahmepflicht bereits für
Verkaufsflächen ab 25 m², wodurch mehr als 80 Prozent der
Tabaktrafiken zu Rücknahmestellen werden. Die Rückgabe ist zudem ohne
Neukauf möglich.
– Europäische Lösungen vorantreiben: Österreich hat das Thema
Batteriebrände auf EU-Ebene eingebracht und setzt sich für eine
raschere Prüfung möglicher Pfand- und Anreizsysteme ein.
– Brandrisiken reduzieren: Mit dem Verbot von Einweg-E-Zigaretten ab
Ende 2026 wird ein Produkt vom Markt genommen, das aufgrund seiner
fest verbauten Lithium-Batterien zunehmend Brände in der
Abfallwirtschaft verursacht.
Informationskampagne zeigt Wirkung
Ein wesentlicher Baustein des Maßnahmenpaketes ist die Fortsetzung
der Informationskampagne „Her mit Leer“, die seit April mit
erweitertem Fokus läuft.
Neben der richtigen Sammlung von Altbatterien steht nun insbesondere
die Brandgefahr falsch entsorgter Lithium-Batterien im Mittelpunkt.
Getragen wird die Kampagne gemeinsam von Umweltministerium,
Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK) und zahlreichen Partnern
aus der Wirtschaft.
EAK-Geschäftsführer Valentin Opfermann: „Die Zahlen zeigen, dass
Bewusstseinsbildung wirkt: Die über unsere ‚Her mit Leer‘-Sammelboxen
im Handel erfasste Batteriemenge ist von rund 484 Tonnen im Jahr 2021
auf rund 844 Tonnen im Jahr 2025 gestiegen – ein Plus von rund 75
Prozent. Seit dem ersten Runden Tisch haben wir gemeinsam viel
erreicht: Die Kampagne wurde ausgebaut, wir haben das Thema mit einer
Pressekonferenz und einem Brandversuch in die Öffentlichkeit getragen
und erreichen die Menschen nun noch gezielter in ihrem Alltag.
Gleichzeitig sehen wir, dass der Handlungsbedarf weiter wächst.
Deshalb braucht es weiterhin eine starke österreichweite
Kommunikation sowie einfach zugängliche Sammelmöglichkeiten.
Freiwillige und wirksame Lösungen müssen dabei Vorrang vor
verpflichtenden Maßnahmen haben.“
Fokus des zweiten Runden Tisches
Neben der Bilanz der bisher umgesetzten Maßnahmen standen beim
heutigen Treffen vor allem die nächsten Entwicklungsschritte im
Mittelpunkt. Präsentiert wurden zwei aktuelle Studien des Verbandes
Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VÖEB): eine Untersuchung zu
möglichen finanziellen Anreizsystemen zur Steigerung der Sammelquote
von Lithium-Batterien sowie ein Brandereignismonitoring zur besseren
Analyse der Ursachen und Risiken von Batteriebränden. Die Ergebnisse
bilden die Grundlage für die weitere Diskussion mit allen beteiligten
Branchen über praktikable und EU-rechtskonforme Lösungen.
VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly: „Jede Woche brennt es wegen falsch
entsorgter Lithiumbatterien, sowohl in Betrieben der Abfallwirtschaft
als auch in privaten Haushalten. Die heute vorgestellten Analysen
haben gezeigt: Ein finanzieller Anreiz – in der Höhe von 50 Cent bis
50 Euro, je nach Batteriegröße – würde dazu führen, dass viel mehr
Lithiumbatterien korrekt entsorgt werden. Damit verhindern wir nicht
nur Brände, sondern auch wirtschaftliche Folgeschäden in der Höhe von
480 Millionen Euro. Wir begrüßen, dass Bundesminister Norbert
Totschnig heute den Startschuss für die Taskforce für die Umsetzung
weitere Maßnahmen gesetzt hat.“