Wien (OTS) – Gleich zu Beginn werden die Besucher:innen gewarnt, dass
in der heute
eröffneten Sonderausstellung „Fleisch“ im Wien Museum „Objekte, Bild-
und Filmmaterial zu sehen sind, die die Haltung, Schlachtung und
Zerlegung von Tieren“ zeigen. Dabei kommt die Ausstellung völlig ohne
der expliziten Darstellung von Massentierhaltung und Schlachtung aus
– leider, aus Tierschutzsicht. Doch heißt das nicht, dass den Fakten
zum Umgang mit sogenannten Nutztieren kein breiter Raum gegeben wird,
im Gegenteil. Das monströse Wachstum der Qualzucht in der Hühnermast,
der unfassbar geringe Platz für Schweine, ja und auch der
Vollspaltenboden aus Beton, als Leihgabe des VGT mit echten
Bodenplatten, werden präsentiert, ebenso wie anschauliche Graphiken
zu Tiertransporten und Fleischproduktion. Ein Wandbild von Künstler
und VGT-Aktivist Raffael Strasser wird sowohl in der Entstehung als
auch in seiner endgültigen Form in mehreren Fotografien gezeigt.
Darauf ist zu lesen: “Rinder Töten gehört in die Steinzeit! Und der
Vollspaltenboden macht alles viel schlimmer.” Zusätzlich ist eine
Wasserflaschen-Installation von Raffael Strasser zu sehen, die den
hohen Wasserverbrauch von tierlichen Produkten aufzeigt und mit dem
geringeren Verbrauch pflanzlicher Lebensmittel vergleicht. In
Filmclips sind u.a. auch die Obpersonen des VGT und der Veganen
Gesellschaft Österreich zu sehen, genauso wie eine
Würstelstandbetreiberin und ein Bioschweinehalter sowie einige mehr.
Doch ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der
geschichtlichen Aufarbeitung des Themas „Fleisch“. Bis vor 60 Jahren
war Fleisch ein Luxus, der maximal einmal wöchentlich möglich war.
Kritik an Fleisch kam dagegen schon viel früher auf. Um 1900 gab es
bereits vegetarische Restaurants, vegetarische Kochbücher und
pflanzliche Fleischalternativen. Doch auch das erste Tierschutzgesetz
Österreichs von 1846 ist wörtlich abgedruckt zu sehen, bei dem es
u.a. um Schlachthofkontrollen und Tiertransporte geht. Besonders
beeindruckt ein Werbeplakat für den internationalen
Tierschutzkongress von 12.-17. Mai 1929 in Wien, bei dem Fiaker,
Tierversuche und Fleischproduktion als zentrale Themen kritisch
dargestellt sind. Probleme, die bis heute nicht im Sinne der Tiere
gelöst werden konnten. Ein kurioses Detail am Rande: das erste, noch
von Hand genähte Transparent der Veganen Gesellschaft Österreichs aus
dem Gründungsjahr 1999 ist eines der Exponate.
Der Besuch der Ausstellung ist auf jeden Fall empfehlenswert. Man
sollte sich dafür aber mindestens zwei Stunden Zeit nehmen, weil die
Ausstellung sehr umfangreich ist und mit Liebe zum Detail aufwartet.
Pressefotos (Copyright: VGT.at)