Aufdeckung eines internationalen Vorsteuerbetrugs

Wien (OTS) – In enger Zusammenarbeit von Bundeskriminalamt, Amt für
Betrugsbekämpfung und Staatsanwaltschaft Wien wurde ein international
organisiertes Netzwerk des Vorsteuerbetrugs aufgedeckt und erheblich
geschwächt. Der Schaden beträgt rund 4,8 Millionen Euro.

„Die Spezialisten des Bundeskriminalamtes verfügen über
international anerkannte Expertise und haben einmal mehr dazu
beigetragen, einer Betrügerbande das Handwerk zu legen“, sagte
Innenminister Gerhard Karner. „Ich danke allen Ermittlern für ihre
ausgezeichnete Arbeit.“

„Der vorliegende Ermittlungserfolg unterstreicht deutlich, wie
entscheidend eine enge, strukturierte und vertrauensvolle
Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden ist“, erklärte
Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamts. „Durch ein
strategisches Vorgehen des Bundeskriminalamtes mit dem Amt für
Betrugsbekämpfung sowie der konsequenten und rechtlich fundierten
Begleitung durch die Staatsanwaltschaft Wien konnte dieses komplexe,
international vernetzte Betrugsgeflecht erkannt, umfassend
aufgearbeitet und entscheidend zerschlagen werden.“

„Es ist der ausgezeichneten Zusammenarbeit von
Staatsanwaltschaft, Polizei und Steuerfahndung zu verdanken, dass
dieses Netzwerk rund um Scheinunternehmen aufgedeckt werden konnte“,
sagte Nina Bussek, Leiterin der Medienstaatsanwaltschaft Wien.

Ausgangspunkt waren Mitte 2024 auffällige Finanzströme, die durch
Analysen der Geldwäschemeldestelle im Bundeskriminalamt (A-FIU)
identifiziert wurden. Ermittlungen führten zu einem weit verzweigten
System von Scheinfirmen, das zur unrechtmäßigen Geltendmachung von
Vorsteuer genutzt wurde. Anfang 2026 wurde dafür die
ressortübergreifende Arbeitsgruppe „Dolus“ eingerichtet.

Die Täter agierten arbeitsteilig: Personen wurden nach Österreich
gebracht, als Firmeninhaber eingesetzt und anschließend wieder ins
Ausland verbracht. Die Scheinfirmen dienten ausschließlich dem
Betrug; ihre Zahl dürfte im vierstelligen Bereich liegen.

Finanzminister Markus Marterbauer sagte: „Der Kampf gegen
Steuerbetrug hat weiterhin oberste Priorität im Finanzministerium,
denn Betrug schadet der Gesellschaft und vor allem den vielen
ehrlichen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Das Gründen von
Scheinunternehmen und daraus resultierende umfangreiche Steuer-,
Sozial- und Abgabenbetrug geht zulasten aller: Der redlichen
Unternehmen, der Beschäftigten und nicht zuletzt auch der
Finanzierung des Sozialstaats. Das zeigt in diesem Fall auch die
bisher festgestellte Schadenssumme von fast fünf Millionen Euro. Laut
Statistik ist die Zahl der versuchten Betrugsvergehen mit
Scheinunternehmen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Der
nun gesetzte Schlag gegen ein internationales Netz macht auch
deutlich, wie bedeutend die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen
Organisationseinheiten, auch über Ressortgrenzen hinweg, ist.
Betrugsversuche werden komplexer. Umso wichtiger ist es, sowohl
international als auch national die Zusammenarbeit zu stärken. Denn
bei Steuerbetrug gilt in Österreich null Toleranz.“

„Dieser Ermittlungserfolg zeigt eindrucksvoll, dass organisierte
Finanzkriminalität auch über Ländergrenzen hinweg konsequent verfolgt
wird. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Bundeskriminalamt,
der Staatsanwaltschaft und dem Amt für Betrugsbekämpfung ist es
gelungen, ein komplexes Netzwerk von Scheinfirmen aufzudecken und
empfindlich zu treffen. Wer versucht, das österreichische Steuer- und
Sozialsystem systematisch auszunutzen, muss damit rechnen, dass wir
diese Strukturen aufdecken und mit voller Konsequenz dagegen
vorgehen“, betonte ABB-Vorstand Christian Ackerler.

Umfang der Ermittlungen

Die Ermittlungen richten sich gegen eine kriminelle Vereinigung,
die überwiegend aus Beschuldigten mit Verbindungen nach Pakistan,
Syrien, Afghanistan und Marokko besteht. Bislang wurden rund 190
Involvierte ausgeforscht, darunter zehn Hauptverdächtige. Bei einer
groß angelegten Aktion im März 2026 kam es zu vier Festnahmen, sechs
Vernehmungs-Vorführungen und 16 Hausdurchsuchungen sowie
umfangreichen Sicherstellungen (Bargeld in Höhe von 185.965 Euro,
3.000 britische Pfund und 12.000 pakistanische Rupien, 100
Mobiltelefone, 28 Pcs, Dokumente, Bankunterlagen und 200 Bankkarten).

Zusätzlich wurden Fälle von Sozialleistungsbetrug festgestellt,
etwa durch manipulierte Einkommen, Scheinbeschäftigungen und
Scheinehen.