Armut bedroht die psychische Gesundheit – Gesellschaft darf nicht länger wegsehen

Wien (OTS) – Anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung
der Armut
erinnert der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und
Psychologen (BÖP) daran, dass Armut nicht nur materielle Not
bedeutet, sondern tief in die psychische Gesundheit eingreift.
Sorgen, Scham und soziale Ausgrenzung führen zu chronischem Stress,
Depressionen und Angstzuständen – mit Folgen, die ganze Lebenswege
prägen können.

Laut aktuellen Daten sind 1,53 Millionen Menschen in Österreich
armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Rund 336.000 Personen leben in
absoluter Armut. Besonders betroffen sind Arbeitslose,
Alleinerziehende, Mindestpensionist:innen und kinderreiche Familien.

Zwtl.: Dramatisch ist die Situation von Kindern und Jugendlichen

Die EU-SILC-Erhebung 2024, veröffentlicht von der Volkshilfe,
zeigt, dass in Österreich rund 344.000 Kinder und Jugendliche – also
etwa jedes vierte Kind – in Armut oder sozialer Ausgrenzung leben.
Über 143.000 Kinder wachsen in Haushalten auf, die sich grundlegende
Dinge wie eine warme Mahlzeit, passende Kleidung oder
Freizeitaktivitäten nicht leisten können.

„Die Sorgen der Eltern übertragen sich auf die Kinder.
Ausgrenzung und Abwertung prägen das Leben armutsbetroffener
Familien, mit gravierenden Folgen für die psychische Gesundheit“,
erklärt BÖP-Präsidentin a. o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-
Puchinger. Kinder, die in Armut aufwachsen, tragen ein deutlich
höheres Risiko, psychische Erkrankungen zu entwickeln. Sie leben
häufig in einem Umfeld, das von Unsicherheit, Angst und chronischem
Stress geprägt ist.

Zwtl.: Armut und psychische Belastung verstärken sich gegenseitig

Zahlreiche Studien belegen den engen Zusammenhang zwischen
Einkommen und seelischer Gesundheit. Menschen im unteren
Einkommensfünftel leiden bis zu sechsmal häufiger an Depressionen als
jene im oberen. Armut erzeugt Dauerbelastung – und psychische
Erkrankungen erschweren wiederum den Weg aus der Armut. Dieser
Kreislauf verstärkt soziale Ungleichheit und Isolation.

Zwtl.: Psychische Gesundheit ist Voraussetzung für Teilhabe, Bildung
und Lebensqualität

Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Versorgungslücken –
besonders für jene, die am dringendsten Hilfe benötigen.
Armutsbetroffene Familien, Kinder und Jugendliche finden oft keinen
Zugang zu leistbaren psychologischen Angeboten.

Der BÖP appelliert an eine nachhaltige Stärkung der psychischen
Gesundheitsversorgung: flächendeckende, kassenfinanzierte
Behandlungsplätze, niederschwellige Strukturen in Schulen und
Gemeinden sowie politische Strategien, die psychische Belastungen
durch Armut berücksichtigen. Nur ein ganzheitlicher Ansatz kann
verhindern, dass wirtschaftliche Not dauerhaftes seelisches Leid
erzeugt.

„Armut macht krank – und psychische Erkrankungen machen arm. Wir
müssen als Gesellschaft Verantwortung übernehmen: für jene, die in
Unsicherheit leben, für Kinder mit eingeschränkten Zukunftschancen
und für alle, die unter Stress und Ausgrenzung leiden“, betont a. o.
Univ.-Prof.in Dr.in Wimmer-Puchinger.