Wien (OTS) – Der von SOS Mitmensch mit dem diesjährigen
Zivilcourage-Preis
ausgezeichnete Kärntner Bürgermeister Bernard Sadovnik richtet
bereits vor der morgigen Preisverleihung in einem Video einen
eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit: „Wir haben jetzt
schlimme Zeiten, in denen es Rückgrat und klare Worte braucht. Denn
es gibt Grundwerte und zu denen muss man stehen. Diese Grundwerte
sind Menschlichkeit, Menschenrechte, die Demokratie und vor allem,
dass jeder in dieser Republik die Chance bekommen soll, sich zu
entfalten.“
Einmal mehr übt Sadovnik deutliche Kritik am umstrittenen
rechtswidrigen Polizeieinsatz, der im vergangenen Jahr an der
Gedenkstätte Peršmanhof stattgefunden hat. Dieser Polizeieinsatz habe
einen großen Schaden angerichtet und die Versöhnung in Kärnten
„wieder kaputt gemacht“, so der direkte Nachkomme jener Familie, die
1945 von der SS am Peršmanhof ermordet wurde. „Wir sind wieder um
Jahrzehnte zurückgeworfen worden. Aber letztendlich ist es wieder
eine schlimme Situation, aus der wir eine positive Erkenntnis
mitnehmen sollen. Dass man sein Wort trotzdem erheben muss. Dass man
nicht vor Angst in die Knie geht. Wenn man für sich weiß, es ist
richtig, dann soll man klare Worte finden“, so Sadovnik.
Auch die zweite von SOS Mitmensch ausgezeichnete Zivilcourage-
Preisträgerin, die Regisseurin Olga Kosanović, ruft zur Überwindung
von Spaltung auf. Die in Österreich geborene serbische Staatsbürgerin
hat im Film „Noch lange keine Lipizzaner“ ihre eigene hürdenreiche
Staatsbürgerschaftsgeschichte zum Thema gemacht. „Es ist eben nicht
so, dass ich ein Einzelfall bin, sondern ich gehöre zu einer
wahnsinnig breiten Masse von Menschen, die in Österreich nicht
eingebürgert werden können und die keine Stimme in dieser Demokratie
haben. Das ist ein Riesenproblem“, so Kosanovic. Und sie appellliert
an die Gesellschaft: „Ich würde mir wünschen, dass wir uns weniger an
Konzepte halten, wer ‚wir‘ und wer ‚die anderen‘ sind, sondern es
darum geht, wer ist dieser Mensch, der mir gerade gegenübersteht,
oder mit wem teile ich mir gerade eine Straßenbahn oder einen
Restaurantplatz oder eine Nachbarschaft.“
SOS Mitmensch will mit der Vergabe der diesjährigen Zivilcourage-
Preise an Sadovnik und Kosanović sowohl die Akzeptanz und den Dialog
zwischen den Menschen in Österreich stärken als auch den Einsatz für
ein faires Einbürgerungsrecht und eine inklusive Demokratie
unterstützen. Darüber hinaus will SOS Mitmensch ein Zeichen setzen,
dass rechtswidrige Polizeiaktionen gegen antifaschistischen
Aktivismus, wie bei der Gedenkstätte Peršmanhof, klar abzulehnen
seien.
Die mit insgesamt 2.000 Euro dotierten Preise werden am Mittwoch,
den 13. Mai, um 19.00 Uhr im Wiener Rathaus überreicht. Die
Preisreden halten die Geschäftsführerin der „Initiative
Minderheiten“, Cornelia Kogoj, und die Journalistin und Autorin
Solmaz Khorsand. Die Veranstaltung wird von der Burg-Schauspielerin
und SOS Mitmensch-Vorsitzenden Zeynep Buyraç moderiert.