„Am Schauplatz“: „Alleingelassen – Wenn Angehörige nach der Wahrheit suchen müssen“

Wien (OTS) – Was bleibt, wenn Polizei und Justiz einen Fall als
erledigt
betrachten – Angehörige aber mit quälenden Fragen zurückbleiben? „Am
Schauplatz“-Reporterin Julia Kovarik begleitet zwei Familien, die
jahrelang um Antworten kämpfen und sich von den Behörden im Stich
gelassen fühlen.

Der Fall Jennifer Scharinger
2018 verschwindet Jennifer aus ihrer Wohnung. Handy, Schlüssel und
Geldbörse bleiben zurück. Der Exfreund gilt früh als dringend
tatverdächtig, doch Beweise fehlen – die Ermittlungen werden nach
einem Jahr eingestellt. Ihre Mutter Brigitta beginnt selbst zu
suchen. Jahrelang durchkämmt sie den Hollabrunner Wald, überzeugt,
dass Jennifer dort vergraben wurde. Mit einem privaten Helferkreis
sammelt sie Hinweise und recherchiert unermüdlich. Acht Jahre später
gesteht der Exfreund den Mord. „Da verschwindet ein Mädchen und es
passiert einfach nichts. Ich hatte keine andere Möglichkeit, als
Jenny selbst zu suchen“, sagt Brigitta Scharinger.

Der Fall Christa P.
Im Oktober 2023 verschwindet die 54-jährige Christa nach einer
Partynacht in Linz spurlos. Ihre Kinder organisieren eigene
Suchaktionen und hoffen monatelang auf ein Lebenszeichen. Acht Monate
später gesteht ein Bekannter, Christa sei nach Drogenkonsum in seiner
Wohnung zusammengebrochen. Er habe keine Rettung gerufen und ihren
Leichnam später auf einem Acker vergraben. Für die Kinder bleiben
Zweifel. Eine Tatrekonstruktion wird abgelehnt. Die
Staatsanwaltschaft klagt wegen Im-Stich-Lassens eines
Hilfsbedürftigen und Störung der Totenruhe an – das Urteil: sechs
Monate Haft. „Der Fall soll abgeschlossen sein – aber das ist keine
Gerechtigkeit“, sagt Sohn Michael.