Schönheit

Allein unter Vielen

Wien (OTS) – „Einsamkeit bei Jugendlichen ist kein Randthema und
betrifft junge
Menschen aus allen Lebensbereichen. Sie ist schwer zu beschreiben,
weil sie sich oft diffus anfühlt. Für Außenstehende ist sie kaum zu
erkennen“, sagt Christine Piriwe, Beraterin bei Rat auf Draht.

Vielschichtige Gründe, schwer zu fassende Gefühle

Die Erfahrungen aus der Beratung zeigen, wie unterschiedlich und
persönlich Einsamkeit erlebt wird. Jugendliche berichten, dass sie
sich selbst in Gruppen oder im Freundeskreis nicht mehr wirklich als
Teil der Gemeinschaft fühlen. Oft können sie nicht genau benennen,
was fehlt – sie spüren nur, dass sich etwas verändert hat.
Typische Auslöser, die in den Beratungen genannt werden, sind:

– Starker schulischer Druck oder viele Aufgaben zu Hause, die wenig
Zeit für Freundschaften lassen

– Vergleich mit Gleichaltrigen auf Social Media, der das Gefühl
verstärkt, nicht mithalten zu können

– Barrieren bei Freizeitaktivitäten oder in der Schule, etwa durch
Behinderungen, wenn diese nicht mitgedacht werden, mangelnde
Inklusion

– Angst, sich zur eigenen sexuellen Orientierung oder dem Geschlecht
zu bekennen und Sorge, nicht akzeptiert zu werden Alleinsein ist
nicht gleich Einsamkeit und kann auch Chancen bieten

Alleinsein ist nicht gleich Einsamkeit und kann auch Chancen
bieten

Allein zu sein kann auch etwas Positives haben. Viele Jugendliche
genießen es, allein zu sein, um zwischendurch Zeit für sich zu haben,
zum Abschalten, Nachdenken, Zocken, Nachdenken oder Kreativsein.
Diese Momente können helfen, die eigenen Bedürfnisse besser
kennenzulernen. Erst wenn das Alleinsein unfreiwillig oder dauerhaft
belastend wird, sprechen wir von Einsamkeit.“, betont Christine
Piriwe.

Jede und jeder fünfte Jugendliche in Österreich fühlt sich oft
oder sehr oft einsam. Das zeigt der aktuelle Bundesjugendbericht
2026. Viele junge Menschen sprechen dabei nicht explizit von
„Einsamkeit“, sondern beschreiben ihre Gefühle als innere Leere, als
das
Empfinden, nicht mehr richtig dazuzugehören – selbst, wenn sie von
anderen umgeben sind. Viele junge Menschen sprechen dabei nicht
explizit von „Einsamkeit“, sondern beschreiben ihre Gefühle als
innere Leere, als das Empfinden, nicht mehr richtig dazuzugehören
selbst, wenn sie von anderen umgeben sind.

Der diesjährige „Yellow September“ greift dieses Thema auf: Unter
dem Motto „Gemeinsam geht mehr!“ rückt der Aktionsmonat von 10.
September bis 10. Oktober Einsamkeit und soziale Verbundenheit in den
Mittelpunkt und will psychosoziale Gesundheit sichtbar machen,
Hilfsangebote bekannter machen und zur Entstigmatisierung beitragen.

Rat auf Draht gibt Tipps für Jugendliche, Eltern und
Freund:innen:

Für Jugendliche:

Sprich über dein Gefühl, auch wenn es schwer in Worte zu fassen
ist, zum Beispiel mit Freund:innen, einer Vertrauensperson oder einer
Beratungsstelle. Überlege, was dir in Momenten des Alleinseins
guttut: Musik, Bewegung, Hobbys oder einfach Ruhe. Erinnere dich: Du
bist mit solchen Gefühlen nicht allein, viele junge Menschen erleben
das, unabhängig davon, wie sie leben, aussehen oder wen sie lieben.

Für Betreuungspersonen:

Achten Sie auf Veränderungen bei dem Kind und nehmen Sie diese
ernst. Sprechen Sie offen und wertschätzend über Gefühle, ohne zu
bewerten oder Druck zu machen. Gemeinsame Zeit, Verständnis und das
Angebot zum Gespräch sind oft hilfreicher als schnelle Lösungen.
Zeigen Sie Interesse an den Lebenswelten des Kindes, auch wenn Sie
diese nicht immer nachvollziehen können.

Für Freund:innen:

Wenn du dir Sorgen um jemanden machst, sprich behutsam an, was du
wahrnimmst („Ich habe das Gefühl, du bist ruhiger als sonst, magst du
darüber reden?“). Höre aufmerksam zu und zeig Verständnis. Biete
Unterstützung an, zum Beispiel gemeinsame Aktivitäten oder einfach
Zeit zum Reden. Ermutige deine Freund:innen, sich Hilfe zu holen,
manchmal fällt der erste Schritt gemeinsam leichter.

Rat auf Draht: Zuhören, begleiten, stärken

Das Team von Rat auf Draht steht Jugendlichen anonym und
kostenlos zur Verfügung – telefonisch unter 147, online oder per
Chat. „Es hilft oft, das eigene Gefühl auszusprechen und zu merken:
So geht es anderen auch. Wir ermutigen Jugendliche, sich früh
Unterstützung zu holen – das ist ein Zeichen von Stärke, nicht von
Schwäche“, so Christine Piriwe.

Jetzt Notrufminuten sichern

Rat auf Draht ist ein Angebot von SOS-Kinderdorf und wird zu
einem großen Teil aus Spenden finanziert. Beim Rat auf Draht Club (
www.rataufdraht.club) können Sie
Notrufminuten für Kinder und Jugendliche in Notlagen sichern. Jede
Unterstützung trägt dazu bei, dass Hilfesuchende auch in Zukunft
jemanden erreichen, der zuhört, versteht und professionell hilft.
(Gerne steht eine Expertin von Rat auf Draht für Interviews,
Hintergrundgespräche oder O-Töne zur Verfügung.)