Wien (OTS) – „ Österreichs Schulsystem schafft es noch immer nicht,
allen
Jugendlichen die Grundkompetenzen zu vermitteln, die sie brauchen.
Schülerzentriertes Lernen und eine hohe Unterrichtsqualität sind
wichtig – am Ende der Pflichtschule müssen alle Kinder und
Jugendlichen sicher lesen, schreiben und rechnen können “, sagt Ilkim
Erdost, AK Bereichsleiterin Bildung, zu den aktuellen PISA-
Ergebnissen.
Die heute von der OECD präsentierten Ergebnisse der PISA-Studie
2025 zeigen einmal mehr: Die Leistungen der Schüler:innen in
Mathematik und Lesen haben seit der letzten Messung weiter abgenommen
(lediglich in den Naturwissenschaften sind sie in Österreich wieder
leicht gestiegen).
PISA zeigt nicht nur sinkende Leistungen, sondern ein
grundlegendes Problem: Zu viele Jugendliche verlassen die
Pflichtschule ohne die Grundkompetenzen, die sie für ihre Zukunft
brauchen. Gleichzeitig wird Nachhilfe zur privaten Reparatur dessen,
was im Schulsystem nicht ausreichend gelingt: Kinder gezielt zu
fördern
Grundkompetenzen fehlen zu oft am Ende der Pflichtschule
Vor allem im langjährigen Vergleich gibt der klare Abwärtstrend
Grund zur Sorge: Im Vergleich zu 2006 nahm die Leistung in Mathematik
um -28 Punkte ab (477), in den Naturwissenschaften um -14 Punkte (497
) und im Lesen -23 Punkte (467).
Besonders alarmierend: 28 % der Schüler:innen gehören in Lesen
und Mathematik zur Risikogruppe, 21 % in Naturwissenschaften. Sie
können am Ende der Pflichtschule etwa einfache Texte nicht
sinnerfassend lesen oder alltägliche Rechenaufgaben nicht lösen.
Und das, obwohl der aktuelle AK-Nachhilfebarometer zeigt, dass
ein Drittel der Schüler:innen mittlerweile private oder bezahlte
Nachhilfe bekommt.
„ Wir können nicht verlangen, dass Eltern das Bildungssystem am
Abend und mit privatem Geld reparieren. Das ist unsozial und
verschärft die Bildungsungerechtigkeit: Wer sich Nachhilfe leisten
kann, hat bessere Chancen – und Bildung wird noch stärker vererbt “,
sagt Ilkim Erdost, Bereichsleiterin Bildung der AK Wien.
„ Der Chancenbonus, ein Zuschuss für Schulen mit besonderen
Herausforderungen, ist eine positive Entwicklung: Schulen können
damit gezielt auf die Bedürfnisse ihrer Schüler:innen eingehen. Ob
die Maßnahmen wirken, wird sich erst weisen. Die PISA-Ergebnisse
zeigen aber schon jetzt: Schulen mit größeren Herausforderungen
brauchen mehr Ressourcen. Eine bedarfsgerechte Schulfinanzierung muss
daher dringend ausgebaut werden. Es braucht mehr, und es braucht mehr
Tempo “, so Ilkim Erdost.
Die Forderungen der Arbeiterkammer:
→ Mehr Ressourcen für Schulen mit großen Herausforderungen:
Chancenbonus ausweiten, bei der Umsetzung evaluieren und dauerhaft
absichern.
→ Grundkompetenzen systematisch absichern:
Verbindliche individuelle Förderung ab der Volksschule statt
Sitzenbleiben und Selektion mit zehn Jahren.
→ Evaluierung der Geräteinitiative und des Einsatzes digitaler
Geräte in der Schule: Die Auswirkungen der flächendeckenden Nutzung
digitaler Endgeräte auf Konzentrationsfähigkeit, Lesekompetenz und
Lernen müssen wissenschaftlich evaluiert werden.
→ Unterrichtsqualität neu ausrichten: Der Unterricht muss wieder
auf das konzentriert werden, was am Ende der Pflichtschule zählt:
Lesen, Rechnen, Verstehen. Lehrkräfte brauchen Rahmenbedingungen im
Klassenzimmer, in denen sie Grundkompetenzen vermitteln können, statt
gegen Bildschirme um die Aufmerksamkeit der Kinder zu kämpfen.